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Tonart | Beitrag vom 02.06.2020

Orchester OEIN aus BolivienGekommen für zehn Tage, nach Monaten erst zurück

Julia Kaiser im Gespräch mit Mathias Mauersberger

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Mitglieder des Orchesters proben auf der Bühne. (OEIN / Ariel Amador)
Wegen der Coronakrise blieben die 25 Musiker des Orquesta Experimental de Instrumentos Nativos aus Bolivien für fast drei Monate an der Musikakademie Rheinsberg. (OEIN / Ariel Amador)

Ein Orchester aus La Paz sollte gemeinsam mit einem deutschen Vokalensemble das Festival MaerzMusik eröffnen. Der Forscherdrang verbindet beide Klangkörper. Wegen Corona platzten Konzert und Rückflug - und die Bolivianer lebten einige Monate in Rheinsberg.

Zwölf Wochen lang war das Orquesta Experimental de Instrumentos Natívos, kurz OEIN, im brandenburgischen Rheinsberg gestrandet. Am 20. März hätte das Orchester gemeinsam mit dem Berliner Vokalensemble PHOENIX 16 das Festival MaerzMusik eröffnen sollen. Nach dem Ausbruch der Coronakrise wurde erst das Konzert abgesagt – und dann auch noch die Heimreise des Orchesters. Aus geplanten zehn Tagen Aufenthalt in Deutschland wurden fast drei Monate.

Klangforschung verbindet

Das OEIN ist ein bolivianisches Orchester, das auf traditionellen Instrumenten aus den Anden zeitgenössische Musik spielt, berichtet Julia Kaiser. Das Ensemble gibt es seit vierzig Jahren. Die Mitglieder retten die indigene Musik vor dem Vergessen: Sie gehen in die indigenen Gemeinschaften und lassen sich Spielweisen zeigen, bekommen Instrumente, die dort von Hand gefertigt werden. Neben der Klangforschung habe das OEIN auch eine musikpädagogische Mission, so Kaiser. Der Musikunterricht verschaffe Kindern und Jugendlichen in Bolivien Zugang zur Musik. 

Timo Kreuser, künstlerischer Leiter von PHOENIX16 und Carlos Gutierrez, sein Pendant bei OEIN, entwickelten gemeinsam das Programm, mit dem sie das MaerzMusik-Festival in Berlin im März hätten eröffnen sollen. Kreuser sagt über das bolivianische Orchester:

"Die arbeiten experimentell mit den Instrumenten, die suchen nach neuen Klängen, neuen Ausdrucksformen innerhalb ihres Kontextes, das hat nichts mit westlicher zeitgenössischer Musik zu tun. Und gleichzeitig auch mit der gleichen Neugierde, in die Vergangenheit zu gehen. Und dadurch haben die alle diesen Forschergeist im Klang."

Krisenmanagement in Rheinsberg

Nachdem klar wurde, dass der Aufenthalt in Deutschland länger dauern würde, seien Kreuser und mit ihm zwei weitere Mitglieder von PHOENIX16 bei den Musikern aus Südamerika geblieben, berichtet Kaiser. Die Musiker, teilweise zum ersten Mal im Ausland, hatten mit der Situation zu kämpfen und vermissten ihre Familien. So wurden Kreuser und Co. auch zu Krisenmanagern.

Zugleich aber habe OEIN, in der Heimat ein Laienorchester, auch die Chancen genutzt, die der unfreiwillige Aufenthalt in Rheinsberg geboten habe - und konzentriert an der Vision des Orchesters gearbeitet. Nun ging es zurück nach Santa Cruz, wo die Musiker eine Woche in Quarantäne müssen. Dann erst geht es weiter nach La Paz, wo die Musiker leben. Wirklich vorbei sei die Odyssee erst am 10. Juni, so Kaiser.

(mfu)

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