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Interpretationen / Archiv | Beitrag vom 28.12.2014

Oratorium von Hector BerliozAuf der Suche nach der verlorenen Einfachheit

Gast: Michael Stegemann, Moderation: Olaf Wilhelmer

Der französische Komponist (u.a. "Die Trojaner", "Requiem") Hector Berlioz in einer zeitgenössischen Darstellung. Er wurde am 11. Dezember 1803 in La Cote-Saint-Andre geboren und verstarb am 8. März 1869 in Paris. (picture-alliance / dpa)
Der französische Komponist (geb. 1803 in La Cote-Saint-Andre) Hector Berlioz in einer zeitgenössischen Darstellung. (picture-alliance / dpa)

Dramatisch, bombastisch, pompös: Hector Berlioz konnte mit musikalischen Massen umgehen. Und er konnte Massen für Musik begeistern. Dass es auch ganz anders geht, bewies er in seinem Weihnachtsoratorium "L‘ Enfance du Christ".

In der bewegten Lebens- und Schaffensgeschichte des französischen Komponisten Hector Berlioz (1803-1869) gibt es manch überraschende Wendung. In der Mitte des 19. Jahrhunderts hätte man dem romantischen Feuerkopf trotz seiner immer stärker hervortretenden klassizistischen Züge sicherlich kein sanftes, geradezu meditatives Weihnachtsoratorium zugetraut. Der vermeintliche Revolutionär Berlioz ahnte das und machte sich einen Spaß daraus, einen Teil seines Werkes als die von ihm entdeckte Musik eines unbekannten Meisters des 17. Jahrhunderts aufzuführen.

Notorische Vorbehalte in Berlioz' Heimat

Während die notorischen Vorbehalte gegen Berlioz in seiner Heimat auch durch "L‘ Enfance du Christ" nicht geringer wurden, empfand man das 1854 vollendete Werk in Deutschland und vor allem in England als wegweisend. Viele berühmte Berlioz-Interpreten kommen auch heute noch aus England, während der Komponist in Deutschland inzwischen überwiegend auf seine 1830 komponierte "Symphonie fantastique" festgelegt wird – die in Berlioz’ Schaffen allerdings gerade mal die Spitze des Eisbergs darstellt.

Im Konzertsaal nur selten zu hören

Im Konzertsaal ist "L‘ Enfance du Christ" nur selten zu hören. In den Plattenstudios allerdings sind in den vergangenen sechs Jahrzehnten etliche bemerkenswerte Einspielungen dieser "Trilogie Sacrée" entstanden. Das Interesse an diesem Werk ist besonders in der Welt der historisierenden Aufführungspraxis groß – sind die Vertreter der Alte-Musik-Szene prädestiniert, den von Berlioz angestrebten "style ancien", den "alten Stil", wiederzubeleben? Dazu Fragen an Michael Stegemann, Professor für Musikwissenschaft in Dortmund mit dem Schwerpunkt Interpretationsforschung und Experte für französische Musik.

Mehr zum Thema:

Alle Sendungen im Januar - Rheingau, Heimbach und Monsieur Sax
(Deutschlandfunk, Musik-Panorama, 05.01.2015)

Berlioz' "Romeo und Julia"
(Deutschlandradio Kultur, Konzert, 07.02.2014)

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