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Konzert / Archiv | Beitrag vom 27.09.2014

OratoriumQuakende Frösche und andere Plagen

Aufzeichnung aus dem Dom zu Verden

Le Concert Lorrain (Benjamin de Diesbach)
Das Ensemble Le Concert Lorrain spielt Händels Oratorium (Benjamin de Diesbach)

‚Händel ist der größte Komponist, der je gelebt hat!', schrieb Ludwig van Beethoven, Schubert bewunderte Händels ‚Riesengeist' und Felix Mendelssohn Bartholdy meinte, dass Händels Art so prächtig sei: ‚...da ist kein Mensch, den es nicht ergreifen müsste!'

Heute bringen wir einen weiteren Abend vom Musikfest Bremen - Georg Friedrich Händels Oratorium "Israel in Ägypten" in einer Aufnahme aus dem Dom zu Verden vom 19. September. "Le concert Lorrain" wird sich diesem großen Werk des Wahl-Londoners widmen. Der Nederlands Kamerkoor wurde dazu eingeladen - einer der führenden Alte-Musik-Experten, der Brite Roy Goodman dirigiert.

Für Händel war die Opera seria überholt, ein Auslaufmodell, deswegen hat er in seinen mehr als 30 Oratorien eine Art Gegenentwurf zum italienischen Musiktheater geliefert – eine vollkommen neue Form der Musikdramatik, weit weg von den alten ästhetischen Gewohnheiten.

In nur drei Wochen hat er ‚Israel in Ägypten' komponiert. Den Text hat der bibelfeste Händel selbst geliefert: Sein Oratorium beginnt mit der Klage der Israeliten in der ägyptischen Knechtschaft, zelebriert dann den Exodus und endet mit einem koloraturenreichen Schlusschor, den die Solostimme der Seherin Mirjam anführt. Die 27 Chöre – davon 18 Doppelchöre!! – sind kompositionstechnisch raffiniert aufgeladen und stecken voller Kontraste. Die Formen sind variationsreich: Chorrezitativ, Chorerzählung, homophoner Jubel, Chorarioso, durchkomponierte und dramatische Vertonung, Fugen und vieles mehr.

Das Werk wirkt geradezu affektgeladen und ist reich an naturalistischen Schilderungen. Man meint hüpfende und quakende Frösche und schwirrende Insekten zu vernehmen. Regen stürzt herab und Hagelkörner knallen herunter. Geradezu gelassen durchschreiten die Israeliten das Rote Meer – die sie verfolgenden Feinde gehen dagegen im wilden und virtuosen Tonwirbel des flutenden Wassers unter. Das Oratorium bietet viele Delikatessen für die Ohren und die inneren Augen.

 

Musikfest Bremen

Dom zu Verden

Aufzeichnung vom 19.09.2014

 

Georg Friedrich Händel

"Israel in Egypt" - Oratorium in drei Teilen für Soli, Chor und Orchester, HWV 54

 

Julia Doyle, Sopran

James Laing, Alt

James Gilchrist, Tenor

Roderick Williams, Bass

Peter Harvey, Bass

Nederlands Kamerkoor

Le Concert Lorrain

Leitung: Roy Goodman

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