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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 11.09.2017

"Orang-Utan-Akademie"Affen fit für die Wildnis machen

Signe Preuschoft im Gespräch mit Ulrike Timm

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(picture alliance / dpa / Dedi Sinuhaji)
Der einjährige Orang-Utan Amang wird von Tierschützern aus einem Privathaus in Indonesien gerettet. (picture alliance / dpa / Dedi Sinuhaji)

Es ist ein schmaler Grat, auf dem die Primatenforscherin Signe Preuschoft wandelt: Wie viel Nähe darf man einem verwaisten Orang-Utan-Kind geben, wenn es gleichzeitig lernen soll, in der freien Wildbahn zurecht zu kommen?

Das ist eine Frage, die sich der Primatenforscherin in ihrer alltäglichen Arbeit immer wieder stellt. Seit zehn Jahren leitet die studierte Psychologin und promovierte Biologin auf Borneo die "Orang-Utan-Akademie", in der sie ehemalige Hausäffchen oder Zirkustiere fit für das Leben im Urwald macht.

"Für Menschenaffenkinder ist das eigentlich normal, dass die bis zum Beginn ihrer Selbständigkeit mit der Mutter das Schlafnest teilen. Das ist dann eigentlich so eine Geschichte, wo die Menschen einen anderen Weg gegangen sind als die anderen Menschenaffen. Denn wir sind ja der Menschenaffe, der in den kürzesten Abständen hintereinander seine Kinder bekommen kann. Und das liegt daran, dass wir ein Unterstützungsnetzwerk in Form der Familie haben. Alle anderen Menschenaffenmütter sind alleinerziehende Mütter."

Resozialisierung einsamer Laboraffen

Vorher hat sie die Mimik von Berberaffen erforscht und sich in Österreich um die Resozialisierung von einsamen Laborschimpansen gekümmert. Rund dreiviertel des Jahres verbringt Signe Preuschoft mittlerweile in Südostasien und setzt sich für die Rettung der vom Aussterben bedrohten Menschenaffen ein.

"Die Orang Utans, die wir aufnehmen, sind oft aufgrund von Selbstanzeigen zu uns gekommen. Zum Beispiel, wenn Familien es nicht mehr gut fanden, wenn die Mutter sich so furchtbar um das Orang Utan-Kind gekümmert hat. Ein Orang-Utan-Baby braucht genauso viel Zuwendung und Ressourcen wie ein Menschenkind. Dann sagen die Familien: Diese Energien, diese Kosten wollen wir lieber in unserer Menschenkinder investieren."

Primatenforscherin Signe Preuschoft (Imago / APress)Primatenforscherin Signe Preuschoft (Imago / APress)

Über ihre Arbeit hat sie nun auch ein Buch geschrieben: "Meine wilden Kinder. Ein Leben für die letzten Orang-Utans". Darin steht auch, wie zwiespältig die enge Bindung der Menschen an Orang Utans sein kann.

"Man muss sein Herz als Motivationsmittel zulassen. Aber man muss sich sehr genau beobachten, dass man nicht versucht, seine eigenen emotionalen Bedürfnisse durch diese Affenkinder zu befriedigen."

Warum auch Orang-Utan-Kinder fremdeln, welchen Einfluss Jane Goodall und Bernhard Grzimek auf ihre Berufswahl hatten und wie sie den Kulturschock verkraftet hat, als Landkind in die Industriestadt Bochum zu ziehen – darüber unterhielt sich Ulrike Timm mit Signe Preuschoft "Im Gespräch" am 11. September um 9.05 Uhr.

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