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Konzert / Archiv | Beitrag vom 12.06.2021

Opéra Bastille ParisMit Gounods "Faust" in die Metro

Moderation: Volker Michael

(Monika Rittershaus/Radio France/EBU)
Eine Szene aus Charles Gounods Oper "Faust" an der Opéra Bastille Paris im März/April 2021 (Monika Rittershaus/Radio France/EBU)

Ein Dauerbrenner und Symbol französisch-deutscher Nähe trotz aller Kriege - Charles Gounods Oper "Faust" nach Goethes Drama. Das Werk kam in einer neuen Inszenierung an der Opéra Bastille heraus. Der Cast konnte sich hören lassen, Lorenzo Viotti dirigierte.

Bis heute steht er als Sinnbild für ganz viel Verschiedenes: Der Doktor Faust, der frustrierte Gelehrte, der sich aus Langeweile oder Müdigkeit auf einen Pakt mit dem Teufel einlässt.

An einer Stelle lässt Goethe Mephisto seinem Schützling Faust eine chauvinistische Frage stellen: Ob er so versessen sei "wie ein Franzose", dass er nicht warten könne auf sein Gretchen? Und trotzdem ist die berühmteste und meistgespielte Faust-Oper eine französische Grand-Opéra – der "Faust" von Charles Gounod.

Eine Szene aus Charles Gounods Oper "Faust" an der Opéra Bastille Paris im März/April 2021  (Monika Rittershaus/Radio France/EBU) (Monika Rittershaus/Radio France/EBU)

Eine aktuelle Aufnahme aus der Pariser Opéra Bastille bieten wir Ihnen an dieser Stelle. In der Nationaloper der französischen Hauptstadt gab es eine Neuproduktion, die Radio France an verschiedenen Tagen im März 2021 aufgenommen hat. Publikum konnte vor Wochen dort noch nicht dabei sein, aber äußerst lebendig ist diese Aufführung dennoch geraten.

Charles Gounod hat sich viele Jahre mit dem Stoff beschäftigt, aber erst Mitte seines Jahrhunderts bekam er die richtigen Entwürfe zu lesen - die brachten Goethes Fassung des mittelalterlichen Schauermärchens in eine operngerechte Form.

Heldentenor und böser Bass

Es ist eine Grand Opéra im wahrsten Sinne, mit vielen virtuosen Solorollen nach dem klassischen Schema – ein Heldentenor, ein schön-lyrisches Mädchen, ein böser Bass-Satan, aufrechte Nebenfiguren, außerdem bietet sie schaurige und folkloristische Chöre und ein farbenreiches großes Orchester inklusive Orgel.

Gounods "Faust" hat weltweit Karriere gemacht. Vokalisten aller Herren Länder konnten sich in dieser Oper verewigen, die New Yorker "MET" wurde mit diesem Werk eingeweiht. An den meisten Häusern weltweit gehört sie zum vielgespielten Repertoire.

Wie stark ist Margarethe?

Auf Deutsch wurde sie lange Zeit als "Margarethe" gegeben. Vielleicht hat man hierzulande den Eindruck gehabt, dass das Gretchen eine bedeutende Rolle gespielt hat, eine stärkere als in Goethes Schauspiel.

Doch ist dem wirklich so? Jedenfalls nimmt der "Faust" des Nationaldichters einen solchen Rang ein im gesamten deutschsprachigen Raum, dass bis heute kein bedeutendes Musiktheaterwerk einer Komponistin oder eines Komponisten daraus entstanden wäre.

Die Franzosen hatten es einfacher mit Faust

Die Franzosen hatten einfach weniger Respekt davor. Häufig zu hören ist zum Beispiel auch Hector Berlioz‘ "Damnation de Faust".

In dieser Sendung also eine Neuproduktion von Gounods Faust - aus der Heimatstadt des Komponisten, wo sie auch 1859 uraufgeführt wurde, aus Paris. Und in der viel in die Jetztzeit verlegt wurde - allerdings klanglich blieb man voll und ganz dem Original treu.

Opéra Bastille, Paris
Aufzeichnung vom 12. März 2021

Charles Gounod
"Faust" - Grand Opéra in fünf Akten
Libretto: Jules Barbier und Michel Carré

Faust - Benjamin Bernheim, Tenor
Méphistophélès - Christian van Horn, Bassbariton
Valentin - Florian Sempey, Bariton
Wagner - Christian Helmer, Bariton
Marguerite - Ermonela Jaho, Sopran
Siébel - Michèle Losier, Mezzosopran
Marthe Schwertlein - Sylvie Brunet-Grupposo, Mezzosopran
Alter Faust - Jean-Yves Chilot, Sprechstimme
Chor und Orchester der Opéra de Paris
Leitung: Lorenzo Viotti

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