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Konzert / Archiv | Beitrag vom 19.12.2015

OperDie edle Jungfrau

Aufzeichnung aus der Mailänder Scala

Das Gewandhausorchester zu Leipzig probt unter dem italienichen Dirigenten Riccardo Chailly am Donnerstag (19.04.2012) in der Audienzhalle des Vatikans in Rom, Italien, für ein Konzert. (picture alliance / dpa / Jan Woitas)
Riccardo Chailly dirigierte "Giovanna d'Arco" in Mailand (picture alliance / dpa / Jan Woitas)

Immer am Tag des Heiligen Ambrosius, also relativ spät, nämlich am 7. Dezember, eröffnet die Mailänder Scala ihre neue Saison - diesmal brachte Riccardo Chailly Giuseppe Verdis selten zu hörende "Johanna von Orléans" zurück auf die heiligen lombardischen Bühnenbretter.

Genau 170 Jahre ist es her, dass die abendfüllende Oper "Giovanna d'Arco" von Giuseppe Verdi an der Mailänder Scala uraufgeführt wurde. Musikalisch war man damals durchaus zufrieden - packende Chorszenen und emotionale Arien zum Mitsingen gab es in diesem Stück, das aus seiner Nähe zu Schillers Drama keinen Hehl macht. Doch irgendwie konnte die Text-Fassung, die Verdi zusammen mit seinem Librettisten Temistocle Solera erarbeitet hatte, nicht überzeugen. Das komplexe Geschehen um die von guten oder bösen Geistern getriebene Jungfrau aus dem Volke, die sich für ihren König und ihr "Vaterland" begeistert und opfert, schien arg eingedampft und manipuliert worden zu sein.

Keine Oper ist allerdings je geschrieben worden, um historisch keimfrei rekonstruierte Geschichten zu erzählen. Eine Oper hatte immer und hat noch heute mit dem Hier und Jetzt zu tun. Für Verdi und Solera ging es damals auch um die Einigung der italienischen Regionen, um die so genannte Wiedergeburt. Genauso wie die Jungfrau von Orléans die Franzosen gegen die englischen Besatzer in den Kampf führen wollte, hätte es auch den Italienern während des 19. Jahrhunderts gut gefallen, wäre eine von guten Geistern getriebene charismatische Führungsfigur generiert worden.

Für den seit diesem Jahr amtierenden neuen Musikdirektor der Scala (und Nachfolger Daniel Barenboims), Riccardo Chailly, war es nun die erste Saisoneröffnung seiner Amtszeit. Programmatisch mutig hat er sich in sein neuen Aufgaben in seiner Heimatstadt gestürzt, denn seit 150 Jahren ist dieses Werk nicht mehr gespielt worden auf den Brettern des legendären Opernhauses, auf denen diese "Johanna" einst das Licht der Opernwelt erblickt hat. Vor zwei Jahren gab es eine konzertante Aufführung bei den Salzburger Festspielen, mit sehr ähnlichem Personal: Chailly dirigierte damals, die Diva Anna Netrebko gab die Giovanna und Francesco Meli die eigentliche Hauptfigur der Oper, den zwischen Verrat und Vaterliebe schwankenden Giacomo, den Vater der Johanna.

Jetzt war es ein großes Event in Mailand - mit weltweiter Aufmerksamkeit, diese Heimkehr des ungeliebten Musiktheaterwerks: Der scheidende Gewandhauskapellmeister Chailly brachte zwei Heilige zusammen, Ambrosius und Johanna, zum Nutzen seiner Heimatstadt und zum Nutzen der gerechten Gesamtschau auf das Opernschaffen Giuseppe Verdis. 

 

Teatro alla Scala, Mailand

Aufzeichnung vom 7. Dezember 2015

 

Giuseppe Verdi

"Giovanna d'Arco" (Die Jungfrau von Orléans)

Dramma lirico in einem Prolog und drei Akten

Libretto: Temistocle Solera nach Friedrich Schiller

 

Carlo VII - Francesco Meli, Tenor

Giovanna - Anna Netrebko, Sopran

Giacomo - David Cecconi, Bariton

Delil - Michele Mauro, Tenor

Talbot - Dmitry Beloselskiy, Bass

Chor und Orchester der Mailänder Scala

Leitung: Riccardo Chailly

 

 

Im Anschluss ca. 21.25 Uhr

 

In Memoriam Stella Doufexis

 

Christian Jost

Hamlet Echoes

 

Stella Doufexis, Sopran

Pauline Sachse, Viola

Daniel Heide, Klavier

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