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Länderreport / Archiv | Beitrag vom 23.12.2014

Online-DatingEine von 54.350 Hamburger Singles

Von Knut Benzner

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Ein junges Paar im Weihnachtsoutfit. (Imago / Westend61)
Wer sucht, der kann auch jetzt noch finden. (Imago / Westend61)

Hamburg ist die Stadt mit den meisten Singles. Auch an Weihnachten suchen sie Kontakt zu Gleichgesinnten, vor allem in Online-Partnerbörsen. Susi ist "chronisch Single", wie sie sagt, und kennt sich aus mit den Regeln des Online-Datings.

Susi, soviel ist sicher, wird morgen weder Lieder singen, nur vielleicht in festliche Stimmung geraten und ganz bestimmt auch dieses Weihnachten allein sein.

Manchmal gerät ihr Über-Ich deshalb aus den Fugen...

Petra M: "Markus, du hast dich seit drei Tagen nicht gemeldet, du Idiot, ruf' endlich zurück!"

Manchmal ihr Es:

Petra M: "Wo hab' ich denn bloß die Schokolade hin getan, hier, nee, hier? Ah, da ist sie ja, im Kühlschrank."

Aber sonst ist alles in Ordnung, bis auf Weihnachten eben.

Single, seit sie Hamburg ist

Susi: "Es gibt keinen Baum."

Susi, nennen wir sie also einfach Susi, Susi, sagt sie, ist chronischer Single:

"Chronisch gewissermaßen, immer schon, seit ich in Hamburg bin zumindest, wirklich wahr."

Susi wohnt in Hamburg.

"Zum einen ist Hamburg glaube ich 'ne Stadt, die nicht gerade sehr flottiv ist, also die nicht unbedingt von Männern überquillt, als ich aus Frankfurt nach Hamburg kam, war es für mich ein ziemlicher Kulturschock zu sehen, hier wird man nicht mehr wahrgenommen, hier geben die Männer keine Zeichen, hier funktioniert dieser Code nicht zwischen den Geschlechtern."

Hamburg ist die Hauptstadt der Singles und Susi wohnt schon eine Weile hier.

In Frankfurt war alles anders:

"Komplett anders, es war auch in Köln anders, es war in Saarbrücken anders, es ist in allen anderen Städten, die ich kenne und in denen ich mal gelebt habe, anders. Es ist protestantisch auch sehr."

Hamburg ist die Stadt der Singles, der männlichen wie vor allen Dingen der weiblichen.

Petra M.:"Zehn Zuschriften bekommen gestern, Mann oh Mann, vier von jungen Kerlen unter 30,  fünf von älteren. Ohne Foto. Und ohne Profilangaben.

Vielleicht einer, mit dem eine normale Unterhaltung möglich wäre, aber der ist Raucher – oh. Und optisch? Nicht so mein Typ ..."

Vier von fünf Hamburger Singles suchen einen Partner, eine Partnerin, eine Freundin, einen Freund, einen Mann, eine Frau, eine Affäre oder eine amour fou vielleicht...

...was auch immer, übers Internet. Susi auch. Susi, sie ist gebildet...

"Ich bin Lektorin bei einem Verlag."

Es wird, das nebenbei, immer noch gelesen...

"Es wird immer noch gelesen, die Verlage publizieren auch viel, also, wie man unschwer erkennen kann, es ja, wenngleich, also wir wollen jetzt nicht über die Probleme der Verlagsbranche reden."

Aber über das Lesen, denn wenn man sich in's Internet begibt...

"Muss man Texte lesen können, so isses."

Man muss sie entziffern...

"Kann man so sagen."

"Gucken, wie mein Marktwert ist"

Reden wir also nicht über die Verlagsbranche, reden wir über sie. Zart, zierlich, knapp einssiebzig, langes, schwarzes Haar, hübsch. Um nicht zu sagen: Schön. Susi gehört, wenn es das noch gibt,  zum Bildungsbürgertum: Besser verdienende und höher Gebildete sehen die Zukunft der... ähh... Liebe sowieso im Internet.

"Der Freiraum ist begrenzt oder sagen wir so: Die Freizeit, die man hat, das ist eine sehr kostbare Ressource und wenn man jetzt nicht unbedingt immer auf die Pirsch gehen will, was in Hamburg auch kein sonderlich großes Ergebnis zeitigt, dann überlegt man, wie kann ich Kontakte machen? Nun komm ich von Berufs wegen viel mit Leuten zusammen, aber es ist ja auch nicht jeder ungebunden. Also, so. Und es gibt diverse Partnerschafts-Freundschafts-Single-Börsen, mir schien allerdings XY die seriöseste und ich dachte dann, gut, dann versuch' ich mal so erst mal in Kontakt zu kommen, zu gucken, wie ist mein Marktwert und welche Leute tummeln sich auf diesem Feld und was wollen sie und vielleicht entwickelt sich was."

Susi kam also nach Hamburg, fing an zu arbeiten und stellte fest: Mit Männern is' ja komisch hier...

"Is' ja komisch, genau, ist irgendwie lahm, 'ne ziemlich müde Nummer."

Petra M.: "Mein letztes Date neulich,... netter Mann. War leider Waage, Weltenbummler sei er, hat er gesagt. Was soll ich mit einem Weltenbummler – der is' ja nie da. Und Wawerich, was will der? Kommt immerhin aus Eppendorf ... Mustang? Wer ist denn Mustang? Tombola, Johnny Law ... Winterhude ... Langer Herrmann – was soll das denn heißen? ... Buchholz in der Nordheide ... ist mir zu weit ..."

Dieses Feld ist bunt:

Susi: "Ich hatte durchweg Begegnungen mit sympathischen und interessanten Männern, die wie gesagt auch einen Bildungshintergrund hatten und mit denen ich was zu sagen hatte. Die Frage der Chemie, ob was prickelt, ob da irgendeine Form der Spannung zwischen zwei Menschen entsteht, das ist einfach, das is' die Magie der Liebe, die ist nicht zu ergründen, oder des Begehrens, sagen wir mal eher so."

Petra M.: "Weintasting bei mir morgen Abend, in Klammern Donnerstag, das wäre ja dann am ersten Weihnachtstag, in Bramfeld für eine aufgeschlossene Lady, die sich auch unterhalten möchte. Interessiert? Ob ich interessiert bin, bin ich aufgeschlossen? Bin ich eine Lady? Die mit einem wildfremden Wein trinkt???"

Per Fragenkatalog zum Profil

Susi ist eine von 54.350 Hamburger Singles.

"Ja, ich hab' den monatlichen Beitrag bezahlt, der auch nicht über Gebühr, also den find' ich sehr moderat ..."

Warum 54.350?

Susi: "...dann lädt man Fotos von sich hoch..."

Weil eine der bundesweiten 2500 Internetseiten, die sich auf die Internet-Partnersuche kaprizieren, damit werben: 54.350 Singles in Hamburg!

Susi:  "...und versucht so eine Art Profil von sich zu erstellen, also es gibt dafür so einen Katalog, so einen Fragekatalog, wie beginne ich einen Tag am liebsten, wie beende ich ihn am liebsten, was mag ich, was sind meine Interessen, usw. usw."

Ein Katalog, ein Fragenkatalog, wie beim, wie beim, sagen wir: Otto-Versand, auch in Hamburg. Susi hat versucht, diesen Katalog ehrlich zu erstellen. Immerhin. Warum sollte sie, hatte sie sich gefragt, als Vorliebe Kegeln angeben, wenn sie noch nie gekegelt hat. Wobei die Vorliebe Kegeln die Wahrscheinlichkeit auf Gleichgesinnte wahrscheinlich sowieso sehr eingegrenzt hätte.

Der Tag, Susi sagte eben, eine der Fragen des Fragenkatalogs wäre gewesen, wie man den Tag am liebsten beginnt respektive beendet, der Tag beginnt und endet in der Regel im Bett:

"So isses. Die Frage ist zum Beispiel, möchte man morgens wach werden mit einem Partner neben sich."

Quasi die wichtigste Frage überhaupt...

"Zum Beispiel. Viele schreiben, es wäre wunderbar, der Tag, wenn sie ihn beginnen könnten und könnten der Liebsten ins Auge schauen..."

Oder wohin auch immer...

"Das wär' für mich schon mal gerad gar nichts."

Schummeln fliegt auf

Das macht die Sache, die gleichbedeutend mit Suche ist, nicht einfacher – und erhöht wiederum die Chance, Weihnachten alleine zu verbringen...

Mann: "Hahahahahahahahahaha."

23.000 neue Mitglieder – gerade auf XY entdeckt.

Petra M.: "So ... bin jetzt seit 12 Minuten bei euch angemeldet und noch nicht verliebt! Warum nicht!? In eurer Werbung ist was von 11 Minuten die Rede! Goodbye Pain nennt der sich ... Auf Wiedersehen Pein ... Nachts um vier geschrieben, bestimmt besoffen gewesen, ob ich dem antworte? ... Und ... wie beschreibe ich mich denn ...?"

Eine weitere gute Frage...

"Genau. Und es sucht dann jemand nach der opulenten Gina, die ihm vollbusig entgegen lächelt, und er sieht dann mich, zierlich, das sind Sachen, die fliegen auf ..."

Liegt doch auf der Hand.

Susi: "Es gibt auch Leute, die Fotos in´s Netz stellen, die sind fünf Jahre alt, oder zehn Jahre alt, und dann sieht man jemanden und denkt: Ahaa, o.k., diese Lügen haben sehr kurze Beine."

Petra M.: "1,78, 68 Kilo, Junge!, 1,78 bei 68 Kilo?! ... Wie soll der denn gebaut sein ...Ich suche eine reife und interessante Frau, die ich gerne kennenlernen möchte. Ich möchte schöne Zeiten mit dir verbringen. Gespräche, vielleicht ausgehen, etwas essen oder trinken, über die Welt philosophieren. Natürlich auch Zweisamkeit, aber das nicht vorrangig."

Ich suche eine dauerhafte Freundschaft und kein einmaliges Bettabenteuer. Vielleicht können wir gemeinsam Kochen und dann bei Kerzenschein, leiser Musik und etwas Wein lecker speisen. Danach ein wenig tanzen? Den Nachtisch überlasse ich deiner Fantasie. Ich liebe, genieße und gebe sehr gern erotische Massagen.So in etwa würde ich es mir wünschen. Wie siehst du das? Wie seh' ich was?"

Susi: "Man kann  schwer Erwartungen wecken, denen man nicht entspricht, das ist einfach Unsinn."

Art der Kontaktaufnahme verrät viel

In Hamburg, der erwähnten Hauptstadt des Online-Datings, kommen 176 Online-Dater auf eintausend Einwohner. Jede sechste Hamburgerin, jeder sechste Hamburger sucht so.

Susi: "Ich bin auf der Suche, ich sondiere das Feld, ich bekomme erst Mal dreißig, vierzig Kandidaten präsentiert, die total zu mir passen würden. Die bequemste Art ist, einfach ein Lächeln zu schicken. Das heißt, man versucht, was anzutriggern, aber  der andere kommt dann in die Verlegenheit, er muss 'ne Leistung erbringen, also er kann  was schreiben, man kann auch 'n Spiel mit ihm machen, was so was von schnarchlangweilig ist, also, auf so was würde ich auch nie reagieren, ich habe in den meisten Fällen tatsächlich eine kurze Mail geschrieben."

Petra M.:  "Sunshine, was machst du am 23. Dezember? Oder am 24.?"

Susi: "Ne Mail geschickt, und auf die Art, wie jemand antwortet oder auch wie er selbst Kontakt aufnimmt, sieht man natürlich ganz viel. Man sieht, ist das 'n originelle Typ oder  müht er sich nur um Originalität. Die meisten, die ich kontaktiert habe, waren auch sehr ehrlich und sehr schnell kristallisiert sich heraus: Ist da jemand, der mir die Bälle zurück wirft? Oder isses jemand, auf den ich neugierig bin oder isses 'n Langeweiler oder so jemand, der  sich zurücknimmt, der nicht richtig raus will mit der Sprache, isses so'n verdruckstes Modell oder isses 'n extravertierter Typ, isses 'ne Schlampe oder isses 'n kreativer Typ oder isses n Buchhalter?"

Solche Sachen, sagt Susi, sehe man an der Art der Kommunikation.

Der nächste – mögliche – Schritt: Der Griff zum Telefonhörer … bzw. der Griff zum Mobiltelefon, das ja in dem Sinne keinen Griff hat. Aber wie auch immer: Ein Anruf.

"Ich hab' relativ schnell ein Telefongespräch  dann angestrengt..."

Moment, Susi: Ist "angestrengt" hier tatsächlich das passende Wort? Heißt "angestrengt", Susi, wie du es gerade verwendest, nicht eher Anstrengung, widerwillige Handlung, widerstrebende Tat, letztlich lustlos? Susi rutscht nervös auf ihrem Stuhl hin und her...und kommt dann auf die Stimme, die Stimme dessen, der angerufen wird.

"Also das Akustische, was sehr Entscheidendes. Wenn da jemand mir entgegenfistelt..."

Susi?

"...oder irgendwie 'ne Stimme hat, die ich nicht sinnlich, nicht männlich..."

Susi, hallo.

"...nich' intellektuell genug finde, dann brauchen wir uns eigentlich auch nich' treffen."

Der heikelste Moment: das erste Treffen

Das wäre dann nämlich der nächste, fast finale Schritt: Treffen! Die Zeit wird knapp – bis  Heiligabend.

"Und dann natürlich is' entscheidend das Treffen."

Eben.

Und das Aussehen.

"Ja, aber das sieht man ja nicht, erst Mal, hahaha, das Aussehen, dafür hat man ja erst Mal 'n Treffen, das entscheidet sich dann auch ganz schnell: Gefällt mir jemand, gefällt mir jemand nicht."

Petra M.: "Ab wann gefällt mir denn jemand? ... naturverbunden, sportlich, musisch, künstlerisch, literarisch, Hunde muss er mögen,... Hunde? Lieber Katzen ..."

Susi: "Ich suche gewissermaßen die Quadratur des Kreises, haha, ich suche jemanden, der in gleichem Maße naturverbunden und sportlich ist, trotzdem musisch und künstlerisch und literarisch, also nein, das muss ja alles nicht sein, also ganz wichtig ist, er muss Humor haben, es muss jemand sein, der über Dinge lachen kann, über die ich auch lache, damit meine ich nicht diesen Schenkel klopfenden deutschen Dumpfhumor ..."

Sondern:

Susi:"...sondern es ist 'ne andere Art des Humors, der über dem Abgrund sich so'n bisschen bewegt und so was halt. Und es ist wichtig, dass er großherzig ist, dass es ein Mann ist, der keine Angst hat. Ich habe so viele Männer erlebt, die Angst vor mir haben, aus welchen Gründen auch immer, es ist natürlich auch so, dass ich jemanden schnell an die Wand spielen kann und ja auch recht dominant bin, aber, 'n Mann muss 'n Kombattantenstatus haben und er darf keine Angst haben."

Kombattantenstatus? Klären wir ein anderes Mal, einen Tag vor dem 24. Dezember keine Feindseligkeiten. Kombattantenstatus und...Nichtraucher.

"Ja, das  würde mir schon sehr entgegen kommen."

Antialkoholiker...

Susi: "Na ja, wer will schon irgendwie 'n Alkoholiker an der Backe?"

Und äh ... Führerschein ...

"Führerschein, ja das, ja sollte er fahren, wäre schon auch nich' schlecht..."

"Also man hat natürlich 'n Bild im Kopf wie jemand sein sollte, aber im Gespräch sind ganz andere Sachen. Natürlich, wenn ich mir jetzt vorstelle, da käme so'n teigiger, pastöser Typ also irgendwie mit 150 Kilo, dann kann er reden im Gespräch wie er will, aber 'n normal attraktiver Mann, der sich artikulieren kann und der Geist und Witz hat, na, warum, fertig."

"Die meisten Treffen waren ganz nett"

Und Geld, wie isses mit Geld?

"Geld wird gerne genommen."

Natürlich ...

Susi: "Ich kenne keine, die wirklich Lust hat, hmmhm, mit einem arbeitslosen Alkoholiker ihr Leben zu verbringen."

Falls doch Alkoholiker: Mit immerhin gültigem, anerkannten und statthaften Führerschein...

"Ich habe Treffen erlebt, die quälend waren, weil man sich eigentlich nichts zu sagen hat oder in denen man sich  durch ein Gespräch quält, aber die meisten waren eigentlich immer, sagen wir: Nett. Zumindest nett."

20, 30, 35 Männer. Zum Essen.

"Nein. Die ersten Begegnungen finden nicht zum Essen statt, das, finde ich, ist viel zu intim, also man trifft sich auf 'n Bier, auf 'n Wein, man trifft sich zum Kaffee. Ich bin jemand, der schnell flüchten muss und ich brauche diese Fluchtoption, von daher, wenn das schön abgezirkelt ist, man hat 'n Rahmen..."

Welches Setting, sagt Susie, wählt man ...

Zwei Drittel der Hamburger Bürger erwarten für die nächsten Jahre, dass jede dritte Partnerschaft über Onlinedating-Netzwerke entstehen wird. Geschiedene Singles sind in ihren Einsätzen, ihren Investitionen  und Engagements skeptischer, jene Alleinstehende, die noch nie verheiratet waren, nicht.

Petra M.: "Da war der aus Berne, netter Kerl, leider gebunden. Dann der aus Pöseldorf, Pödeldorf, Schnöseldorf; der aus Hamm, der aus Horn – Hamm und Horn schuf Gott im Zorn. Der aus Blankenese, der aus Stellingen, der aus Volksdorf, der aus Harvestehude, der aus Wilhelmsburg, der aus Finkenwerder."

Susis Telefon klingelt:

"Mann ey, was is' das denn, diese Kerle, einer nach dem andern, hahahaha."

Ein Mal "schwerst verliebt"

Die Absagen:

"Dann hab´ ich gesagt, das war nett, aber, ja, dass er mich darüber hinaus nich interessiert. Ich glaube auch,  dass man so 'ne Ehrlichkeit jemandem schuldet, es bringt ja nichts, da rumzueiern, und das hab' ich dann quasi fast allen gesagt."

Chronisch Single. Weihnachten allein´ zu Haus. In einem Fall war Susi schwer verliebt, das war allerdings  in einem Sommer ...

"Doch, doch, doch, doch, doch. Doch, doch, ich habe mich in einem Fall in jedem Fall schwerst verliebt und mit dem hatte ich auch ein Verhältnis angefangen oder es sollte ja 'ne Beziehung werden, ich meine, die Männer haben alle auch ihr Gepäck aufm Buckel, es ist einfach so, der hatte sich gerade getrennt, der lebte in Scheidung, und  hatte noch an einer schweren Hypothek zu schleppen ..."

Wieder nichts. Ein Beziehungsversuch:

"Der nach sehr kurzer Zeit gescheitert ist."

Es gab noch einen, einer, der nie aus seiner Ambivalenz heraus kam. Die Männer wollen Verbindlichkeit und manche ein Nest. Den Platz hätte Susie:

"Hätt´ ich, das stimmt."

Eigene Wohnung, selbstverständlich, ein paar Zimmer, ein wunderbares Schlafzimmer ...

"Ja, sehr schön."

Mit Kuscheltieren ...

"Mit Kuschel, da liegt der Bär. Der lässt niemanden so ohne weiteres in sein Terrain, hahahahaha."

Flügelzimmer, Wohnzimmer ...

"Es ist Platz genug, ich meine, in der Wohnung lebt 'ne Familie unter mir."

"Alle waren höchst anständig"

Und ein Abenteuer, für einen Nachmittag oder zwei, ein Wochenende oder zumindest oder eine Nacht?

"Nein, nein, also ich fand die Männer immer höchst anständig. Brave Jungs."

Womit wir wieder bei Hamburg wären. Das Umland? Schleswig-Holstein, Niedersachsen...

"Niedersachsen."

Gar nichts. Ein Mal werden wir noch wach, heißa dann ist ...

"Es gibt keinen Baum. Ich bin alleine und genieße es, ich werde was Schönes lesen, ich werd telefonieren…"

Wer weiß, vielleicht erreicht Susie ja den Weihnachtsmann. Der nimmt in ihrem Fall dann vermutlich sogar mal ab und kommt, wenn er mit den anderen fertig ist, vorbei. Unverkleidet.

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