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Das Literarische Quartett | Beitrag vom 09.10.2020

Oktober 2020Mit Juli Zeh, Sibylle Lewitscharoff und Bernhard Schlink

"Das Literarische Quartett - Sendung: 09.10.2020": Thea Dorn, Bernhard Schlink, Sibylle Lewitscharoff, Juli Zeh sitzen im Studio und schauen in die Kamera. (ZDF / Jule Roehr)
Das Literarische Quartett mit Thea Dorn (ZDF / Jule Roehr)

Im "Literarischen Quartett" diskutiert Thea Dorn mit ihren Gästen über Bücher von Monika Maron, Verena Keßler, Gertrud Leutenegger und Richard Russo.

Monika Maron: "Artur Lanz"

Monika Maron entwirft in ihrem Roman das Stimmungsbild einer Gesellschaft, von der die Schriftstellerin glaubt, sie unterwerfe sich einem Mainstream, in dem nicht mehr alles gesagt werden dürfe, ohne politisch gleich dem rechten Lager zugeordnet zu werden. Die Romanfigur Charlotte Winter, mit biografischen Ähnlichkeiten zur Autorin Maron, fängt spät im Leben an, Geschichten zu schreiben. Dabei lernt sie Artur Lanz kennen, einen deutschen Durchschnittsmann. Sie wird Zeugin seiner Bewährungsprobe, als er sich nach einer umstrittenen politischen Äußerung eines Freundes zwischen Mut und Feigheit entscheiden muss.
Was darf gesagt werden und was nicht? Dieser Frage spürt Monika Maron einmal mehr mit ihren Geschichten und Figuren nach und provoziert damit.

Verena Keßler: "Die Gespenster von Demmin"

Larry will weg. Die Teenagerin lebt in einer Stadt, die sie nur anödet: Demmin im östlichen Mecklenburg-Vorpommern. Die Hansestadt hat eine besondere Vergangenheit: Am Ende des Zweiten Weltkriegs fand hier der größte Massensuizid der deutschen Geschichte statt. Larry will so schnell wie möglich raus in die weite Welt, will Kriegsreporterin werden. Während Larry mit dem Erwachsenwerden ringt, steht einer alten Dame der Umzug ins Seniorenheim bevor. Beim Aussortieren ihrer Habseligkeiten kommen die Erinnerungen an das Kriegsende 1945 hoch, und sie trifft eine Entscheidung mit Folgen. Verena Keßlers Romandebüt lotet nicht nur Trauer, Einsamkeit, Freundschaft und erste Liebe aus. "Die Gespenster von Demmin" erzählt auch, wie die Sprachlosigkeit zwischen den Generationen überwunden und Geschichte ein Auftrag an die Gegenwart werden kann.

Gertrud Leutenegger: "Späte Gäste"

Spätabends, es ist Fastnacht, trifft die Erzählerin nach einer Todesnachricht in einem italienischen Dorf ein. Orion ist gestorben, mit dem sie Jahre ihres Lebens geteilt hat. Die Nacht vor der Totenmesse will sie in einer ehemals herrschaftlichen Villa verbringen, heute ein verwaistes Gasthaus. Die Dörfler haben sich karnevalistisch verkleidet. Die Erzählerin gerät in einen Wechsel aus Wachphasen, Halbschlaf und Traum. Szenen aus der Vergangenheit suchen sie heim, "ihre Trauer um den Verlust kontrastiert mit den Irrlichtern der nächtlichen Fastnachtsumtriebe, und sie ringt um existenzielle Fragen des eigenen Lebens."

Richard Russo: "SH*TSHOW"

Ein gutsituiertes Paar, Ellie und David, pensionierte Akademiker, sind höchst zufrieden mit ihrem Leben. Bis zu jenem Tag im November 2016, an dem Donald Trump zum Präsidenten der USA gewählt wird. Plötzlich scheint ihnen alles fremd: ihr Land, ihr Leben, sie sich selbst. Shitshow eben. Als sie eines Tages dann auch noch menschliche Fäkalien im eigenen Pool entdecken, findet ihr behagliches Rentnerdasein ein beunruhigendes Ende. Auch ein Ende von Gewissheiten und der politisch-sozialen Komfortzone, in der sie sich bislang wähnten. Die "Sh*tshow" ist Realität geworden. Richard Russos Parabel erzählt von den tiefen Rissen, die die US-amerikanische Gesellschaft seit der Wahl von Trump unversöhnlich spaltet. Der Roman erkundet aber auch trügerische Untiefen zwischen Freunden und Nachbarn, Familien und Liebenden, die ein vermeintlich alle verbindendes Wertesystem ins Wanken bringen. Ausgang offen.

Bei uns können Sie die ZDF-Sendung "Das Literarische Quartett" als Podcast nachhören.

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