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Fazit / Archiv | Beitrag vom 26.03.2020

Offener BriefKulturschaffende fordern Aufnahme von Flüchtlingen

Rebecca Maria Saletin im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

Momentaufnahme aus dem Flüchtlingslager Moria auf der Insel Lesbos am 10.03.2020. Zu sehen ist eine junge Frau, die ein kleines Kind im Arm hält. (picture alliance/dpa/ANE)
Die Lage in den überfüllten Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln sei "katastrophal", sagt Rebecca Maria Salentin. (picture alliance/dpa/ANE)

Die Corona-Pandemie hat die Flüchtlingskrise von der Agenda verdrängt. Mit einem offenen Brief setzt sich die Autorin Rebecca Maria Salentin dafür ein, Geflüchtete aufzunehmen. Unter den über 700 Unterstützern sind Corinna Harfouch und Detlev Buck.

Die Informationen zur Corona-Pandemie dominieren die aktuelle Berichterstattung. Andere Probleme wie die Flüchtlingskrise sind aus dem politischen Sichtfeld gerutscht. Die Schriftstellerin Rebecca Maria Salentin versucht deshalb mit einem offenen Brief, der Lage der Geflüchteten in Griechenland wieder mehr Gehör zu verschaffen.

Bereits zwei Tage, nachdem sie den Brief an die Bundesregierung am 17. März verfasst hatte, waren mehrere hundert Unterschriften hinzugekommen. Mittlerweile sind es über 700 Unterstützer aus verschiedenen Bereichen der Kultur, unter ihnen Corinna Harfouch, Detlev Buck, Katja Riemann und Saša Stanišić. 

"Eine Schande, was da passiert"

Auslöser für den offenen Brief sei die Abstimmung des Bundestages über die Aufnahme von Flüchtlingen Anfang März gewesen, bei der nur die Grünen, die Linke, sowie drei SPD-Abgeordnete dafür gestimmt hatten.

"Das hat mich unglaublich wütend gemacht, und in den Tagen danach habe ich von allen Seiten von sehr vielen Leuten gehört, dass man sich schämt für die Politik Europas und für unsere Politik und dass es einfach eine Schande ist, was da gerade passiert", so Salentin. Aus dem dringenden Bedürfnis etwas zu machen, habe sie dann diesen Aufruf gestartet.

Die Schriftstellerin Rebecca Maria Salentin (imago stock&people)Die Schriftstellerin Rebecca Maria Salentin ist "unglaublich wütend" darüber, dass die Bundesregierung die Aufnahme von Flüchtlingen weiterhin blockiert. (imago stock&people)

Über die großes "Welle" des Zuspruchs in nur 48 Stunden sei sie selbst sehr überrascht gewesen. "Das war ja eine private Initiative, und ich habe das an mein privates Netzwerk, an Künstlerinnen und Autorinnen geschickt und dachte am Anfang: Wenn es 100 sind, dann freue ich mich." Wie ihr Aufruf auch an prominente Künstler gekommen ist, kann sie sich selbst nicht erklären. 

Gemeinden wollen helfen, Politik blockiert

Was Salentin und ihre Unterstützer in dem offenen Brief fordern, ist, dass die Politik der Bereitschaft der über 100 Gemeinden in Deutschland, die sich bereit erklärt hätten, Geflüchtete aufzunehmen, nachkommt.

Denn: "Wir haben die Kapazitäten, wir haben die Einrichtungen, wir haben die Bereitschaft. Und trotzdem blockiert die Politik, dass die Leute kommen und das, obwohl bisher ja nicht einmal ein Zehntel der Asylanträge gestellt wurden."

Die Lage der Flüchtlinge in Griechenland sei katastrophal, die Lager völlig überfüllt, beklagt Rebecca Maria Saletin: "Es kommt zu Gewalt gegen Schutzsuchende, aber auch gegen Helfer und Helferinnen." Auch seien die Menschen dort dem Coronavirus schutzlos ausgesetzt, da es nicht einmal selbstverständlich sei, "dass man sich dort regelmäßig die Hände waschen kann." Daher müssten die Lager evakuiert werden, um eine humanitäre Katastrophe zu vermeiden.

Noch hat es seitens der Politik keine Reaktion auf den offenen Brief gegeben. Jedoch hätten die Bundesministerinnen und -minister vier Wochen Zeit, um auf ihren Appell zu reagieren, sagt die Autorin.

(kpa)

Mehr zum Thema

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