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Erneuerbare Energien / Archiv | Beitrag vom 30.04.2011

Ökostrom für München

Stadtwerke wollen künftig auf erneuerbare Energien setzen

Von Michael Watzke

München will künftig den Strom aus regenerativen Quellen beziehen. (Stock.XCHNG / Sanja Gjenero)
München will künftig den Strom aus regenerativen Quellen beziehen. (Stock.XCHNG / Sanja Gjenero)

Stadtwerke München wollen in den nächsten Jahren alle Privatkunden und bis 2025 die gesamte Stadt mit Ökostrom versorgen. Das Geothermie-Kraftwerk Sauerlach ist dabei eines der Projekte, mit denen die Stadtwerke derzeit den Stromschalter umlegen.

Stephan Schwarz: "Das ist ein Bohrmeissel aus der Geothermie. Man erkennt an diesem Bohrmeissel, dass es eine sehr massive Technik ist. Ich muss es auf die Tischmitte legen, sonst bricht uns hier der Tisch ein."

Für Stephan Schwarz, Technik-Chef der Stadtwerke München, SWM, beginnen grüne Vision mit schweren Geräten.

Stephan Schwarz: "Dieser Bohrmeissel ist aus Sauerlach südwestlich von München. Dort haben wir drei Bohrungen gesetzt in einer Tiefe, wie sie bisher in der Geothermie-Nutzung noch nicht erreicht wurde. Und wir sind dort jetzt dabei, ein Kraftwerk zu errichten, um dann die Energie, die aus einer Tiefe von 4500 Metern kommt, elektrisch zu nutzen. Und ein Teil geht dann ins lokale Wärmenetz."

Das geplante Geothermie-Kraftwerk Sauerlach ist nur eines von vielen Projekten, mit denen die Münchner Stadtwerke derzeit den Stromschalter umlegen - von Atomstrom und fossilen Brennstoffen auf erneuerbare Energien. Bayerns Landeshauptstand soll die weltweit erste Millionenmetropole werden, die ihre Energie komplett aus regenerativen Quellen bezieht. SWM-Geschäftsführer Kurt Mühlhäuser beschreibt die ehrgeizige Vision:

"Zunächst mal wollen wir bis 2015 alle Privatkunden in München mit Ökostrom versorgen beziehungsweise - sauber ausgedrückt - wir wollen so viel Ökostrom erzeugen, dass wir sie versorgen könnten. Wir können natürlich nicht, wenn wir ein Solarkraftwerk in Spanien bauen, den Strom hierher transportieren. Der wird eher für Madrid als für München geeignet sein. Und wir wollen bis 2025 so viel erneuerbaren Strom erzeugen, dass wir damit die ganze Stadt versorgen können. Nicht nur Privatkunden, sondern Industrie, Handel, Verwaltung."

In den nächsten 14 Jahren wollen die Stadtwerke München die gewaltige Summe von 9 Milliarden Euro investieren, um München zu 100 Prozent mit Ökostrom zu versorgen.

Kurt Mühlhäuser: "Wir sind gestartet mit 4,7 Prozent - traditionell mit Wasserkraftwerken. Wir haben das jetzt in den letzten drei Jahren knapp versiebenfacht an Projekten, die wir realisiert haben oder gerade realisieren. Und wir sind im Augenblick bei 32 Prozent, fast ein Drittel. Das heißt, wir sind sehr gut unterwegs. Aber der Weg ist noch lang."

Dass die Münchner überhaupt schon so weit sind, liegt auch daran, dass sie die Stadtwerke nicht privatisiert haben wie andere Städte, etwa Berlin. Dort kämpft man mit exorbitanten Wasserpreisen. Die Stadtwerke München dagegen haben die Energie- und Wasserpreise stabil halten können. In Sachen Green Energy misst man sich inzwischen sogar mit den großen Energieversorgern.

Kurt Mühlhäuser: "Wir sind bei bestimmten Themen durchaus auf Augenhöhe. Da haben wir auch kein Problem, mit einer RWE Energy zusammenzuarbeiten, mit Vattenfall, die der zweitgrößte Spieler sind im Bereich Offshore-Windenergie."

Überhaupt: Windkraft. Im Energiemix der Stadtwerke spielen Windräder die wichtigste Rolle, sagt SWM-Geschäftsführer Mühlhäuser:

"Bayern könnte so viel Windstrom erzeugen, dass damit die Landeshauptstadt München versorgt werden könnte. Da sind genügend geeignete Standorte da."

Allerdings ist das politisch schwer durchzusetzen. Der Widerstand gegen Windräder ist in Bayern groß. Wasserkraftwerke dagegen haben eine höhere Akzeptanz, sagt Technikchef Schwarz:

"Die werden alle saniert dahingehend, dass man dort neueste Turbinentechnik einbaut, dass man dort neueste Elektrotechnik zur Stromgewinnung einbaut. Und dass man auch im Zu- und Abflussbereich Optimierungen macht, um die letzten Wirkungsgrade herauszukitzeln. Wir suchen letzten Endes entlang der Isar, entlang von anderen Flüssen in diesem Bereich alle Gefällestufen ab, um zu gucken, ob man da noch ein paar Meter nutzen kann. Um regenerative Energien zu nutzen."

Die Stadtwerke München sehen sich als Pionier bei der Erschließung erneuerbarer Energien. Und das schon lange vor Fukushima.

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