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Tonart | Beitrag vom 30.07.2019

Ökologie in der MusikbrancheFestivals feiern mit gutem Gewissen

Sabine Minninger im Gespräch mit Martin Böttcher

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DJ Richie Hawtin beim Coachella Valley Music And Arts Festival 2017 in Kalifornien. (Getty Images North America/Matt Winkelmeyer)
Gleicht seine CO2-Emissionen aus: DJ Richie Hawtin. (Getty Images North America/Matt Winkelmeyer)

Auch die Musikbranche kann ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten, sagt Sabine Minninger, Referentin für Klimapolitik bei Brot für die Welt. Künstler könnten mit gutem Beispiel vorangehen, aber auch die Besucher von Festivals seien gefragt.

"Die Musikindustrie ist keine weiße Industrie", sagt Sabine Minninger, Referentin für Klimapolitik bei "Brot für die Welt". Durch Festivals komme es zu einem großen Müllaufkommen und hohen Emissionen, sie hätten den CO2-Fußabdruck einer Kleinstadt und der größte Anteil davon erfolge durch die An- und Abreise. Deshalb fordert Minninger: "Festivals sollte man so organisieren, dass eine klimafreundliche An- und Abreise möglich ist."

So könnte man die Events näher an Städten stattfinden lassen, Shuttlebusse einsetzen, die voll ausgelastet werden und Besucher könnten auf klimafreundliche Verkehrsträger zurückgreifen. Wenn Festivals nur mit dem Auto erreichbar seien, könne man Entlohnungssysteme einsetzen: Besucher, die mit voll ausgelasteten Autos anreisten, dürften bei den Konzerten näher an die Bühne ran.

CO2 lässt sich kompensieren

Minninger betont, dass auch die Künstler mit gutem Beispiel vorangehen müssten, da sie während Tourneen am meisten reisen. "Es gibt sehr gute Initiativen, die sich auf die Nachhaltigkeit in der Musikbranche spezialisiert haben, wie zum Beispiel die Green Music Initiative, aber auch Kompensationsanbieter wie die Klima-Kollekte und Atmosfair sind in der Lage, für jeden DJ den kompletten CO2-Fußabdruck zu berechnen und ihm Angebote zu machen, wie sie die neutralisieren können oder auch auf bestimmte Routen verzichten könnten." Künstler wie der DJ Richie Hawtin machten es vor. Für weniger bekannte Musiker, die sich die Kompensation nicht leisten können, könnten Veranstalter den Mehrwert übernehmen. "Wenn die es nicht tun, wird es die Allgemeinheit tun", so Minninger.

In der Festivalsaison könnten DJs auch Routen mit kürzeren Abständen ausloten. Da DJs am Wochende zwei bis fünf Mal hin und her flögen, könnten sich Festivals untereinander abstimmen, um Flugemissionen der Musiker zu verringern. Allerdings: "Nichtstun ist gar keine Option", sagt Minninger. "Alle Gesellschaftsbereiche müssen mitanpacken."

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