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Literatur / Archiv | Beitrag vom 02.10.2007

O Zwetschgenzeit Erfindungslust

Erinnerungen an Oskar Pastior

Von Ursula Krechel

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RIAS-Mikrofon (Deutschlandradio / Bettina Straub)
RIAS-Mikrofon (Deutschlandradio / Bettina Straub)

Wenige Tage, bevor er den Büchner-Preis in Empfang nehmen konnte, starb der Dichter Oskar Pastior am 4. Oktober 2006. Im Rahmen seiner Werkausgabe waren gerade die Gedichte aus seiner Frühzeit in Rumänien erschienen, geschrieben unter großer Pression und erpresster Anpassung. Nach seiner Entscheidung, von einer Reise nach Wien nicht nach Bukarest zurückzukehren, ist in Rumänien sein fertiger Gedichtband eingestampft worden, sein Name wurde aus dem Literaturkanon gelöscht.

Oskar Pastior hat selten über diese Anfänge gesprochen, über die Deportation in die Sowjetunion oder die Rückkehr nach Rumänien. In einem Gespräch mit Ursula Krechel im Jahr 1986, das als Tondokument in diese Sendung eingeht, tat er es aufrichtig und überaus skrupulös.

In seinem letzten Lebensjahr hat Oskar Pastior mit Herta Müller eine Reise ins Donezkbecken, zum Ort seiner Deportation, unternommen. In einer gemeinsamen Prosaarbeit wollte er zum ersten Mal aus der Sicht des Deportierten schreiben. Dieses Erzähl-Projekt stellte sich als ein verblüffendes Werk vor, das die Stimmen der beiden bündelte und dabei eine dritte Stimme, ein ganz eigenes, unerhörtes Autoren-Ich schuf. Glücklicherweise ist auch eine dieser Lesungen aufgezeichnet worden.

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