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Literatur / Archiv | Beitrag vom 17.06.2012

"Nun sieht Marx wie Moritz aus"

Der Reim auf den Arbeiterstaat - Gedichte aus der DDR

Mit Manfred Karge, Uwe Kolbe, Christa Moog und Katja Lange-Müller

Karl-Marx-Büste in Chemnitz (Gully/Schönherr)
Karl-Marx-Büste in Chemnitz (Gully/Schönherr)

"Nun sieht Marx wie Moritz aus" - eine Zeile aus dem Gedicht "Sozialistischer Biedermeier" von Kurt Bartsch, das 1971 im Band "Die Lachmaschine" im Westberliner Klaus-Wagenbach-Verlag erschienen ist. Uwe Kolbe hat in einer Revue poetische Stimmen aus 40 Jahren DDR versammelt, von Dichtern, die geblieben sind, von ausgereisten und in Ost und West verlegten Autoren.

Thomas Brasch fragt sarkastisch: "Wie viele sind wir eigentlich noch", Elke Erb, Sarah Kirsch, Gabriele Kachold treffen einen provokant weiblichen Ton, Günter Kunert, der 1979 die DDR verlassen hat, ist fragend "Unterwegs nach Utopie". Innenansichten liefert Karl Mickels "Neubauviertel", ein bissiger Blick auf die Genormtheit in der DDR, die selbst ins Intimleben eingegriffen hat, vor allem aber weiß: "keiner kann sich verstecken".

Heiner Müller übt "Selbstkritik" und Wolf Biermanns "Und als wir ans Ufer kamen" bündelt das ambivalente Gefühl in den viel zitierten Versen " Ich möchte am liebsten weg sein/ Und bleibe am liebsten hier".

Die Texte sprechen vom Neuanfang, von Hoffnungen und falschen Illusionen, vom Leben mit Rissen und von Agonie, liefern einen mal nachdenklichen, mal heiteren Abgesang auf den Arbeiter- und Bauernstaat in Versen.

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