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Interview / Archiv | Beitrag vom 15.05.2017

NRW-Wahl"Die CDU hat unheimlich viel richtig gemacht"

Julius van de Laar im Gespräch mit Dieter Kassel

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Anhänger von Armin Laschet jubeln. (AP / Michael Probst)
Anhänger von Armin Laschet jubeln. (AP / Michael Probst)

Deutschland grübelt: Warum hat die SPD schon wieder eine Landtagswahl verloren? Vielleicht hat aber einfach nur die CDU alles richtig gemacht. Essenziell für deren Wahlsieg sei die Mobilisierung von 500.000 Nichtwählern gewesen, meint Strategieberater Julius van de Laar.

Nach der krachenden Wahlniederlage der SPD in Nordrhein-Westfalen rätseln Strategen und Kommentatoren quer durch die Republik: Was hat die Partei falsch gemacht?

Vielleicht ist das aber auch die falsche Frage. Der Kampagnen- und Strategieberater Julius van de Laar jedenfalls meint: "Wir müssen da wahrscheinlich auch auf die Gewinner schauen und einfach sagen: die CDU hat unheimlich viel richtig gemacht."

Essenziell für den Wahlsieg der CDU sei die Wählermobilisierung gewesen, betonte van de Laar im Deutschlandfunk Kultur. So habe die Partei 500.000 Nichtwähler für sich gewinnen können: "Offensichtlich hatte die CDU eine Botschaft, die die Leute aktiviert hat."

Hätte ein Emmanuel Macron die NRW-Wahl gewonnen?

Auch ein Politiker vom Typ Heilsbringer wie Barack Obama oder Emmanuel Macron hätte der SPD in Nordrhein-Westfalen nicht unbedingt geholfen. "Das waren fundamental unterschiedliche Ausgangssituationen", sagt van de Laar. "Wenn man sich Obama anschaut: Das waren acht katastrophale Jahre Politik von George W. Bush, zwei Kriege, im Irak, in Afghanistan, die gigantische Rezession, die kurz vor der Tür stand."

Obama sei letztlich der Katalysator einer bereits existierenden Bewegung gegen George W. Bush und die Republikaner gewesen, betonte van de Laar, der bei beiden Wahlkämpfen Obamas in dessen Team war. "Insofern ging es da auch um konkrete politische Aspekte, aber obendrüber stand ein übergeordnetes Narrativ, und das war: Change!"

Jeder Politiker muss sein eigenes Rezept finden

Diese größeren politischen Gemengelagen und Strömungen spielten bei Wahlen eine äußerst wichtige Rolle. "Sie müssen aber dann eben, wenn diese Strömung auch da ist, auch unterfüttert werden", so van de Laar.  "Jeder Politiker in jedem einzelnen Bundesland muss natürlich auch das Rezept für die eigenen Wählerinnen und Wähler finden."

(uko)

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