Dienstag, 22.06.2021
 

Interview | Beitrag vom 11.05.2021

Nora Tschirner über Serie "The Mopes"Eine Depression namens Monika

Nora Tschirner im Gespräch mit Alex Rahmlow

Filmszene aus "The Mopes", Monika (Nora Tschirner) liegt voll bekleidet zwischen dem schlagenden Mat (Roel Dirven) und der schlafenden Susa (Paula Kalenberg) im Bett. (Turner Broadcasting System Europe Limited - Warner Media / UFA FICTION / Oliver Vaccaro)
Plötzlich legt sich die Depression Monika (Nora Tschirner, Mitte) bei Mat mit ins Bett. (Turner Broadcasting System Europe Limited - Warner Media / UFA FICTION / Oliver Vaccaro)

"The Mopes" auf TNT Comedy beschäftigt sich mit Depressionen – und das witzig. "Humor halte ich schon für ein sehr gutes Therapeutikum", sagt die Schauspielerin Nora Tschirner, die von der Krankheit betroffen war und in der Serie mitspielt.

Der Musiker Mat führt ein erfolgreiches Leben, ist gerade mit seiner Freundin zusammengezogen. Da taucht plötzlich mitten in der Nacht seine Depression neben seinem Bett auf – und flüstert: "Du bist wertlos. Du kannst nichts. Deine Songs sind nur leere Hüllen ohne Bedeutung. Das Zusammenziehen war ein großer Fehler."

Mit dieser Szene beginnt die Serie "The Mopes" (übersetzt: "Die Trübsinnigen"), die auf TNT Comedy zu sehen ist – und sich dem Thema seelische Erkrankungen auf eine unerwartet heitere Art nährt.

Mats Depression namens Monika wird von der Schauspielerin Nora Tschirner gespielt, die selbst von der Krankheit betroffen war – und nun für eine gelöste, konstruktive und nachhaltige Gesprächskultur bezüglich des Themas plädiert.

"Ich hätte mir das gewünscht, dass man darüber lachen kann, dass es ein Format gibt, wo ich das Gefühl habe, ich werde gleichzeitig verstanden und kriege ein bisschen Abstand zu der Sache. Also Humor halte ich schon für ein sehr gutes Therapeutikum", sagt sie.

Schritte aus der Depression

Als erster Schritt sei es wichtig, die Situation anzunehmen, beschreibt Tschirner selbst ihren Weg aus der Depression. "Erst einmal zu sagen: Okay, da gibt es eine Stimme in mir, die spricht wahnsinnig negativ mit mir. Dafür musste ich erst einmal erkennen, dass es diese Stimme überhaupt gibt. Und das ist erst einmal in therapeutischen Gesprächen entstanden."

Filmszene aus "The Mopes", Monika (Nora Tschirner) steht in einem rot beleuchteten Fahrstuhl. (Turner Broadcasting System Europe Limited - Warner Media / UFA FICTION / Oliver Vaccaro)Eine mittelgradige Depression: Monika (Nora Tschirner) ist effizient, organisiert und steht kurz vor einer Beförderung. (Turner Broadcasting System Europe Limited - Warner Media / UFA FICTION / Oliver Vaccaro)

Danach gelte es, sich zu fragen, weswegen es diese Stimme gebe – mit welcher Absicht sie mit einem spreche. "Und bei mir haben letztendlich nur noch ein Klinikaufenthalt und Medikamente geholfen, um mich zu stabilisieren – und dann ganz viele Jahre, wo ich Lebensführung lernen musste und Selbstfürsorge und einen innerlich besseren Umgang mit mir", erzählt die Schauspielerin.

Innere Vorgänge mehr in den Blick nehmen

Generell fordert Tschirner ein neues Wertesystem in unserer Gesellschaft, das innere Vorgänge und Gefühle mehr in den Blick nimmt – bereits im Kindergarten und in der Schulbildung.

"Wir verlegen uns sehr auf das Außen", kritisiert sie. "Und dadurch gibt es extrem wenig Vokabular und extrem wenig Zeichenvorrat für die inneren Vorgänge. Und irgendwann verblassen die dann auch. Man erkennt die nicht mehr gut. Und ich glaube, das ist etwas, was wir einfach wieder entdecken müssen in unserer Gesellschaft." Dafür müssen eine bessere psychosoziale Infrastruktur und Gesprächskultur geschaffen werden. Auch mehr Aufklärung sei notwendig.

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"Wenn ich damals gewusst hätte, was ich heute weiß, weil mir das ganz normal kulturell mitgegeben worden wäre, hätte das nicht unbedingt so weit kommen müssen." Ein Klinikaufenthalt wäre ihr vielleicht erspart geblieben. "Das wäre, finde ich, der Auftrag für die Zukunft: Dass wir viel mehr ins Reden kommen miteinander – darüber, wie wir Wohlgefühl und Wohlbefinden und seelische Gesundheit zu einem erstrebenswerten Ziel unserer Gesellschaft machen."

Eine Art BIP des Glücks – aus Sicht Nora Tschirners ist dies für unsere Gesellschaft eine Notwendigkeit.

(lkn)

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