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Lesart / Archiv | Beitrag vom 23.11.2016

Nora Bossong im IranViele junge Iraner sind antireligiös

Nora Bossong im Gespräch mit Joachim Scholl

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Die Autorin Nora Bossong (picture alliance / dpa / Patrick Seeger)
Die Autorin Nora Bossong über ihre Eindrücke im Iran: "Die Leute reden sehr offen, also, wenn sie wissen, dass sie jemandem vertrauen können." (picture alliance / dpa / Patrick Seeger)

Die Schriftstellerin Nora Bossong war für ein paar Wochen auf einer Lesereise im Iran. Dort hat sie viel Unmut gegenüber dem Regime erlebt, eine zunehmend antireligiöse Haltung vieler Menschen - und Entsetzen über den Wahlsieg Donald Trumps.

Mehrere Wochen war die junge Schriftstellerin Nora Bossong auf einer Lesereise im Iran. In diesem Rahmen hatte sie auch Gelegenheit, viele junge Kulturschaffende zu treffen und mit diesen über die Situation im Land zu sprechen. Die oktroyierte Religiosität, die im Iran herrsche, löse bei vielen jungen Menschen eine "antireligiöse Haltung" aus, berichtet Nora Bossong im Deutschlandradio Kultur.

"Man mag einfach das Regime zu großen Teilen nicht, und dadurch, dass die Religion da als Legitimität für politisches Handeln herhalten muss, gibt es auch wirklich starken Widerstand gegen jegliche Form von Religiosität."

Formale Anpassung ans Regime, mehr nicht

Auch einen großen Unterschied zwischen öffentlichem Raum und privater Sphäre hat Nora Bossong im Iran kennengelernt. 

"Auf der Straße sagt man nichts, man trägt Kopftuch und hält sich einigermaßen an die Regeln. Sobald man drinnen ist, lässt man das Kopftuch fallen, sieht von der Kleidung her genauso aus, wie man hier in jedem Café sitzen würde. Und die Leute reden sehr offen, also, wenn sie wissen, dass sie jemandem vertrauen können, und nehmen da eigentlich kein Blatt vor den Mund."

Trumps Sieg ist ein Rückschlag für die moderaten Kräfte

Auf den Wahlsieg Donald Trumps in den USA hätten die Menschen im Iran ähnlich schockiert reagiert wie viele Westeuropäer, so Bossong weiter. Zusätzlich sei Trumps Sieg ein Rückschlag für die derzeit herrschenden moderaten Kräfte um Rohani, die versuchten, sich ein bisschen zu öffnen, auch bei der Menschenrechtslage. Dagegen hätten die islamisch-konservativen Kräfte jetzt Auftrieb:

"Die werden jetzt in dem, was sie seit Jahren, Jahrzehnten, predigen, nämlich dass Amerika der große Feind ist und nur lügt und das ganze Atomabkommen natürlich Humbug war, die werden jetzt genau darin bestätigt."

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