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Fazit / Archiv | Beitrag vom 24.10.2019

Nirvana-Theaterstück in MünchenWeltstars aus dem Underground

Christoph Leibold im Gespräch mit Eckhard Roelcke

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Das Ensemble der Münchner Kammerspiele bei der Aufführung "Nirvanas Last" auf der Bühne auf einer blauen Treppe sitzend. Die Schauspieler stellen Musiker in einer Kammerformation dar. Über ihnen ist ein Schriftzug zu lesen: "Und wenns dir wurscht ist, würd ich lieber vergehn". (David Baltzer)
Das Ensemble der Münchner Kammerspiele bei der Aufführung "Nirvanas Last" in der Regie von Damian Rebgetz. (David Baltzer)

Ausgehend vom letzten Nirvana-Konzert am 1. März 1994, das in München stattfand, erforscht der Regisseur Damian Rebgetz existentielle Fragen zur Subkultur in Musik und Theater. Unseren Kritiker Christoph Leibold hat der Versuch überzeugt.

Bei dem Stück "Nirvanas Last" an den Münchner Kammerspielen werden Lieder der erfolgreichsten Grunge-Band Nirvana auf deutsch gesungen. Das aber heißt nicht, dass es sich hier um einen Liederabend im klassischen Sinne handelt, sagt der Theaterkritiker Christoph Leibold.

Wie viel Subversion ist möglich?

"Die Arrangements von Paul Henkinson arbeiten mit Anleihen aus allen möglichen Genres, aber verbleiben dann oft sperrig. Sie suchen die Widerstandsmomente auf." Im Grunde gehe es um eine existentielle Frage, die sich auch Nirvana gestellt habe. Die Grunge-Rocker seien vom Punk gekommen, dann vom Mainstream geschluckt worden und zu Weltstars aufgestiegen.

Da stelle sich die Frage, wie man noch Underground sein könne. "Und eine ähnliche Frage formuliert dieser Abend für das Theater, nämlich: Wie viel Subversion ist in einem subventionierten Stadttheater möglich?"

Die Schauspieler Damian Rebgetz, Benjamin Radjaipour, Zeynep Bozbay und Christian Löber sitzen auf einer Treppe auf der Bühne der Münchner Kammerspiele bei der Aufführung "Nirvanas Last". Löber spielt Gitarre während die anderen zusehen und Mikrofone in ihren Händen halten. (David Baltzer)Die Schauspieler Damian Rebgetz, Benjamin Radjaipour, Zeynep Bozbay und Christian Löber (v.l.) bei der Aufführung "Nirvanas Last" in den Münchner Kammerspielen. (David Baltzer)

Die Inszenierung folge der Konzertdramaturgie des letzten Nirvana-Konzerts am 1. März 1994 in München-Riem, so Leibold. "Die Setlist wird eins zu eins abgearbeitet, aber in deutschen Übersetzungen, inklusive des Stromausfalls den es bei "Come as You Are" gab. Es ist aber kein Reenactment, kein Tribute-Konzert, das die Musik feiert, sondern der Versuch Nirvana wieder schwerer zugänglich zu machen und quasi parallel dazu das Stadttheater zu unterwandern."

Schizophrenie zwischen Mainstream und Subkultur

Dieser Versuch, das Theater sperriger zu machen, sei gelungen, meint Leibold. Dazu trügen auch die Übersetungen der Texte ins Deutsche bei. Zum Schluss gebe es dann eine spezielle Volte:

"Die fünf Zugaben-Songs werden als Kammerpop dargeboten. Das ist pathetisch, die Musik wird plötzlich zelebriert und Nirvana quasi eingemeindet in die Hochkultur. An dieser Schizophrenie zwischen Mainstream und Subkultur ist Kurt Cobain zugrunde gegangen. Hier werden die Widersprüche praktisch aufgelöst."

(rja)

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