"Nirgends daheim, grausam verbannt"

Dvoráks Oper ist ein modernes Seelendrama © AP Archiv
Gast: Tomás Hanus / Moderation: Uwe Friedrich · 18.03.2012
Erst mit seiner "Rusalka", einem Spätwerk, ist Antonin Dvorák der Durchbruch als Opernkomponist gelungen. Neben Smetanas "Verkaufter Braut" nimmt sie für Tschechien den Rang einer Nationaloper ein, hat unterdessen aber auch einen festen Platz im internationalen Bühnenrepertoire gefunden.
Der Anklang, den die Märchenoper weltweit findet, gründet wohl in den Volksmythen von Wassergeistern und Nixen, die in vielen Kulturen als fantastischer Stoff lebendig geblieben sind: etwa in der altfranzösischen Melusinensage, im Andersen-Märchen von der kleinen Seejungfrau, in Friedrich de la Motte Fouqués Erzählung "Undine" und eben in den slawischen Rusálki.

In der Oper von Dvorák (mit dem Libretto von Jaroslaw Kvapil) verdichtet sich das märchenhafte Sujet zu einem modernen, bürgerliche Verhältnisse reflektierenden Seelendrama. Der Kern der Fabel - die Wassernixe Rusalka möchte um der Liebe zu einem Prinzen willen Menschengestalt annehmen, ein Begehren, dessen Erfüllung sie teuer bezahlen wird - gerät zum Gleichnis auf die defekten Geschlechterverhältnisse in neuzeitlicher Zivilisation.

Dvorák unterstreicht die tragische Dimension des Stücks durch eine gefühlsbetonte, schwärmerische Musik, die aber bei aller Romantik durchaus klassisches Maß bewahrt und überaus reich an pastellenen Klangfarben ist, an subtilen harmonischen und orchestralen Effekten.

Exemplarische Aufnahmen der Oper - angefangen bei der Produktion der Dresdner Staatskapelle von 1948 unter Joseph Keilberth über die besonders stilkundige Interpretation von Václav Neumann und der Tschechischen Philharmonie von 1984 bis zur Einspielung der Bayerischen Staatsoper mit Tomas Hanus (unserem Studiogast) am Pult stehen für den hohen Standard, der dem berühmten Werk Dvoráks seit langem zuteil wird.