Das Feature, vom 13.10.2009

Von Susanne und Wolfgang Schwiedrzik

Am 5. August 1966 wurde Bian Zhongyun, Lehrerin und Vizedirektorin eines Pekinger Mädchengymnasiums, von den Schülerinnen ihrer eigenen Schule zu Tode geprügelt. Der Tod Bians bildete den blutigen Auftakt des "Roten August", in dem Mao Zedong, nach Peking zurückgekehrt, die Kulturrevolution in Gang setzte.

Mao Zedong, erster Staatspräsident Chinas, Aufnahme von 1949 (AP Archiv)
Mao Zedong, erster Staatspräsident Chinas, Aufnahme von 1949 (AP Archiv)

Innerhalb von drei Wochen wurden allein in Peking mehr als 1700 Lehrer und andere "rechte Elemente" erschlagen.

Die Schule, an der dies geschah, war nicht irgendeine Schule, sondern das Mädchengymnasium an der Pädagogischen Hochschule: eine Elite-Einrichtung, an der vor allem die Töchter hoher Kader der KP Chinas und hoher Militärs ausgebildet werden.

Bis heute sind die Opfer des "Roten August" in Peking nicht rehabilitiert. Weder wurden die Schuldigen verurteilt noch den Opfern bzw. deren Angehörigen Genugtuung verschafft. Das ist kein Zufall: stammen doch die Kader, die heute in der VR China an der Macht sind, aus Familien, deren Söhne und Töchter sich im "Roten August" als Rotgardisten besonders hervortaten.

Produktion: Deutschlandfunk 2009

Manuskript zur Sendung als pdf oder im Textformat.

Downloads:

... nicht der Rede wert? Der Tod der Lehrerin Bian Zhongyun am Beginn der Kulturrevolution (PDF-Dokument)
... nicht der Rede wert? Der Tod der Lehrerin Bian Zhongyun am Beginn der Kulturrevolution (Textdatei)