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Konzert / Archiv | Beitrag vom 30.08.2008

Nicht bloß ein Don-Juan-Derivat

"Zampa" von Ferdinand Hérold aus Paris

Paris (AP)
Paris (AP)

Eine Frau aus Marmor steht erinnernd und mahnend im Schloss des Grafen von Lugano. Es ist das Abbild von Alice di Manfredi, die von ihrem Bräutigam verlassen wurde und vor Gram gestorben war. Dieser kreuzt seitdem als Pirat Zampa die Weltmeere und will ausgerechnet seinem Bruder Alphonse die Braut Camille rauben, die Tochter des Grafen. Doch der Stein wird lebendig, klagt späte Gerechtigkeit ein und schickt den Bösewicht in die Hölle.

Der Franzose Louis Joseph Ferdinand Hérold (1791-1833) komponierte in 18 Jahren über 20 Opern, oft gleich zwei in einem Jahr. Doch den meisten war nicht mehr als ein Achtungserfolg beschieden. Ihm ging es wie vielen Komponisten. Es war schwierig, an ein gutes Textbuch zu gelangen. Aber trotz erheblicher librettistischer Mängel war sein musikdramatisches Talent bereits in den ersten Bühnenwerken zu erkennen. Vor allem in ihrer differenzierten, farbigen Instrumentierung und den organischen Übergängen zwischen gesprochenen und gesungenen Teilen setzten sie sich erfrischend von vergleichbaren anderen Opéras comiques ab. Hier zeigte sich die praktische künstlerische Umsetzung des soliden Handwerks, das er in der Kompositionsklasse von Etienne Nicolas Méhul am Conservatoire erlernt hatte. Als er sich 1815 in Wien aufhielt, Mozarts Opern - darunter auch "Don Giovanni" - kennenlernte und den von ihm bewunderten Salieri traf, begann Hérold ein kleines Heft zu führen, in dem er seine musikdramatischen Betrachtungen festhielt. In der Oper "Le Muletier" 1823 fand Hérold dann zu einer sehr eigenen Tonsprache. Seine Überlegungen galten einer sinnvollen Synthese aus italienischer und französischer Operntradition, auch deutschen Einflüssen durch Beethoven und Weber. Mit "Le Corsaire" von Duveyrier de Mélesville fand er endlich einen Stoff, der seinen Erwartungen genügte. Der Oper gab er den Titel "Zampa ou La Fiancée de marbre" und landete einen sensationellen Erfolg bei der Uraufführung am 3. Mai 1831 an der Pariser Opéra Comique.


Euroradio-Opernsaison 2007/08
Opéra-Comique Paris
Aufzeichnung vom 14.3.2008


Ferdinand Hérold
"Zampa", Komische Oper in drei Akten
Libretto: Duveyrier de Mélesville

Richard Troxell - Zampa
Bernard Richter - Alphonse de Monza
Patricia Petitbon - Camille
Léonard Pezzino - Daniel
Doris Lamprecht - Ritta
Vincent Ordonneau - Dandolo
Les Arts Florissants
Leitung: William Christie


nach dem 1. Akt ca. 20:10 Uhr Konzertpause mit Nachrichten

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