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Lesart / Archiv | Beitrag vom 31.05.2017

Niah Finnik: "Fuchsteufelsstill" Vom Leben mit Autismus

Niah Finnik im Gespräch mit Frank Meyer

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Niah Finnik in einem Studio von Deutschlandradio Kultur (Deutschlandradio / Matthias Horn)
Die Autorin Niah Finnik (geb.1988) im Studio 9 von Deutschlandfunk Kultur. (Deutschlandradio / Matthias Horn)

Viele, die über Autismus schreiben, scheinen ihr Wissen über die Krankheit vor allem durch Googeln erworben zu haben, kritisiert Niah Finnik. Jetzt hat Finnik, die selbst Autistin ist, ihren Debütroman vorgelegt. Die Hauptfigur: eine Autistin.

Eigentlich wollte Niah Finnik, die das Asperger-Syndrom hat - eine leichte Form des Autismus - gar keinen Roman verfassen. Sie habe angefangen zu schreiben, als sie sich selber viele Fragen gestellt und versucht habe, mit Texten Antworten zu finden:

"Das waren irgendwann so viele Texte, dass es zu einer Geschichte wurde, das hat sich mit Gedankenspielen vermengt. Aber es gab am Anfang nie die Intention, ein Buch wirklich zu schreiben, das war kompletter Zufall", sagte Finnik im Deutschlandfunk Kultur.

Suche nach dem Weg aus der Angst

Ihre von Angst beherrschte Protagonistin Juli ist nach einem Selbstmordversuch in einer psychiatrischen Tagesklinik. Sie versuche mit anderen Charakteren herauszufinden, welches der richtige Weg aus der Angst heraus sei, so Finnik. Vielleicht gebe es aber gar keinen richtigen Weg.

Einiges habe sie in ihrem Buch verfremdet, sagt die Autorin: "Wenn ich zum Beispiel meinen eigenen Alltag eins zu eins darstellen würde, dann wäre das, glaube ich, ein Text, der nicht mehr verständlich wäre zum Teil. (...) Andererseits ist es auch fast langweilig, wenn ich meinen eigenen Alltag komplett abgebildet hätte. Dann hätte ich ja schon gewusst, was passiert."

Einfach mal Autismus googeln - das reicht nicht

Dass man in Büchern über Autisten vielen Klischees begegnet, macht sie oft wütend: "Ich zerstöre ungern Bücher - und das passiert dann aber mitunter -  oder dass sie aus dem Fenster geschmissen werden."

Bei Autoren ohne Perspektive eines Betroffenen beobachtet Finnik immer dasselbe: "Ich erlebe es so, dass der erste Gang immer auf Google ist, das heißt, man schaut sich das Diagnosenbild an, man schaut, was dazugehört, was nicht dazugehört - und so definieren die Leute einen dann auch." 

Niah Finnik: "Fuchsteufelsstill", Ullstein fünf, 304 Seiten, 14,99 Euro  

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