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Interview | Beitrag vom 28.06.2019

Newcomer beim Ingeborg-Bachmann-PreisVom Bartresen direkt nach Klagenfurt

Daniel Heitzler im Gespräch mit Liane von Billerbeck

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Daniel Heitzler steht in seiner Wahlheimat Berlin-Neukölln vor einer Kneipe. Der 22jährige Student ist für den Ingeborg-Bachmann-Preis nominiert.  (picture alliance/dpa/Bernd von Jutrczenka)
Selbstbewusst ist Daniel Heitzler als jüngster Teilnehmer zum Wettbewerb um den Ingeborg-Bachmann-Preis nach Klagenfurt gereist. (picture alliance/dpa/Bernd von Jutrczenka)

"Das Format war mir größtenteils unbekannt", sagt Student Daniel Heitzler über den Ingeborg-Bachmann-Preis. Er geht als jüngster Teilnehmer ins Rennen, will sich von der strengen Jury nicht bange machen lassen und ist sich sicher: Das läuft schon!

Schüchternheit oder gar mangelndes Selbstbewusstsein kann man ihm sicherlich nicht vorwerfen: Daniel Heitzler, Jahrgang 1996 und Literaturstudent an der Freien Universität Berlin, ist nach Klagenfurt gereist, um als jüngster Teilnehmer beim diesjährigen Wettbewerb um den Ingeborg-Bachmann-Preis aus seinem Text zu lesen und das Rennen zu machen. 

Heitzler ist nicht nur der Jüngste, er ist auch ein absoluter literarischer Newcomer, der noch nichts veröffentlicht hat – im Gegensatz zu den anderen im Wettbewerb vertretenen deutschen Autoren. Am heutigen Freitag liest er aus einem seiner Texte. Doch das ficht den Wahlberliner nicht an. Angst vor Wettbewerb und Jury habe er jedenfalls keine, sagt er:

"Das Gute ist: Ich wusste vorher nicht allzu viel darüber. Das Format war mir größtenteils unbekannt, als ich dafür vorgeschlagen wurde. Deshalb bin ich jetzt noch, bis kurz vor der Lesung, relativ ruhig. Ich habe einfach nur ganz viel geübt – lesen, die Konsonanten ausprechen, sich nicht verhaspeln. All das, um Ruhe reinzubekommen."

Daniel Heitzler sieht Kritik der Jury gelassen entgegen

Dass die Klagenfurter Jury nicht gerade zimperlich mit den lesenden Autoren umgeht, schreckt Heitzler ebenso wenig: "Das finde ich sogar sehr gut, dass man da offen über Texte sprechen kann, dass dort unverblümt Kritik geübt wird. Und es geht ja niemals oder in den seltensten Fälle, hoffe ich, an die persönliche Adresse des Autors, sondern es geht ja um die Texte. Und ich bin mir da meines Textes sicher – so wie die anderen Autoren auch. Und bin auch offen für Kritik."

Der Ingeborg-Bachmann-Preis wurde 1976 von der Stadt Klagenfurt im Gedenken an die Schriftstellerin Ingeborg Bachmann gestiftet und wird seit 1977 jährlich während der mehrtägigen Veranstaltung "Tage der deutschsprachigen Literatur" verliehen. Er gilt als eine der wichtigsten literarischen Auszeichnungen im deutschen Sprachraum und ist mit 25.000 Euro dotiert.

Auch das ganze Drum und Dran, die Aufregung und Selbstdarstellung der anderen Autoren will Heitzler nicht an sich herankommen lassen. Er ziehe sich einfach in sein Hotelzimmer zurück, bis sein Augenblick gekommen sei.

Wie ist er überhaupt in den Wettbewerb gekommen? Daniel Heitzler arbeitet neben dem Studium als Barkeeper. Eines Tages habe er einem Verleger ein Drink gemixt – und dem einfach mal einen Teil seines Manuskript geschickt. Der Text gefiel, und Heitzler wurde weiterempfohlen.

(mkn)

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