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Interview | Beitrag vom 15.03.2019

Neuseeland unter SchockMehr als 40 Tote nach Anschlägen auf zwei Moscheen

Andreas Stummer im Gespräch mit Stephan Karkowsky

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Eine Polizistin trägt ein Gewehr und steht hinter einer Polizeiabsperrung auf einer Straße. (picture alliance / ZUMA Press /)
Anschlag mit vielen Toten: Eine Polizistin sichert eine Strasse, die zur Masjid Al Noor Moschee führt. (picture alliance / ZUMA Press /)

Mitten im Freitagsgebet stürmen bewaffnete Attentäter in zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch. Viele Menschen sterben. Unser Korrespondent Andreas Stummer über ein Land im Schockzustand.

Bei Angriffen auf zwei Moscheen in der neuseeländischen Stadt Christchurch sind am Freitag mehr als 40 Menschen getötet worden, unzählige wurden verletzt. Der genaue Ablauf war auch nach Stunden noch unklar.

Premierministerin Jacinda Ardern sprach von einem "schwarzen Tag" für den Pazifikstaat. Aus Sorge vor weiteren Attacken riegelte die Polizei Schulen und andere öffentliche Gebäude stundenlang ab. An die Bevölkerung – insbesondere an Muslime – appellierte sie, zuhause zu bleiben.

Christchurch im Ausnahmezustand

Die Situation sei noch immer unübersichtlich und nicht unter Kontrolle, sagte unser Korrespondent Andreas Stummer im Deutschlandfunk Kultur. Vier Verdächtige seien verhaftet worden  Die Polizei spreche von einer weiter sehr ernsten Lage und dass möglicherweise immer noch bewaffnete Attentäter in der Stadt unterwegs seien.

In einer Strasse hinter Bäumen stehen eine Reihe von Polizeiwagen, dahinter die Moschee. (picture alliance / AA / Diederik van Heyningen)Polizisten versperren die Zugänge zur Al Noor Moschee. (picture alliance / AA / Diederik van Heyningen)

Beide Moscheen lägen mitten in der Innenstadt von Christchurch, sagte Stummer. Rund 400 Gläubige seien in der einen Moschee zum Freitagsgebet versammelt gewesen. Augenzeugen hätten berichtet, dass ein Mann in schwarzes Militärkleidung mit einem Sturmgewehr herein gestürmt sei und das Feuer eröffnet habe.

Die Betenden hätten versucht, durch Fenster und Seiteneingänge zu fliehen. Nur wenig später gab es dann Meldungen über einen weiteren Überfall auf eine zweite Moschee in der Nähe. Außerdem sollen mehrere Bomben in parkenden Autos in der Nähe anderer Moscheen gefunden worden sein, die aber rechtzeitig entschärft werden konnten.

Rechtsextremer Täter

Der rechtsextremistische Haupttäter, ein in Neuseeland lebender Australier, habe den Ablauf der ganzen Anschlags live auf Facebook gestreamt, sagte Stummer. Das Video sei so brutal und so verstörend, dass die Polizei darum gebeten habe, es nicht weiter zu verbreiten. Sie arbeite daran, dass es nicht weiter zugänglich sei.

Nach der Bluttat sei der Attentäter seelenruhig mit dem Auto weggefahren und habe im Video eiskalt davon gesprochen, dass er noch mehr Menschen hätte erschießen sollen. "Und das alles mit einer Ruhe, die einem wirklich den Magen umdreht", sagte Stummer. Es gebe auch ein Manifest des Attentäters, in dem Muslime verunglimpft würden.

Polizisten ohne Schusswaffen 

Neuseeland stehe unter Schock, sagte Stummer: "Ausgerechnet Neuseeland hört man überall." Der Pazifikstaat sei eigentlich friedliebend und sicher. Anders als in den USA gebe es keine "Waffenkultur" und vor Jahren sei sogar die Luftwaffe abgeschafft worden. Die Polizei habe am Tatort zunächst auf Spezialkräfte warten müssen, weil die Polizeibeamten in Neuseeland noch nicht einmal Schusswaffen trügen, sondern nur Taser und Pfefferspray.

In Neuseeland ist nur eine kleine Minderheit der Bevölkerung muslimischen Glaubens. Insgesamt gibt es dort etwa 50.000 Muslime, viele davon Einwanderer aus Staaten wie Pakistan oder Bangladesch. Die Stadt Christchurch hat 350.000 Einwohner und liegt auf der Südinsel des Pazifikstaats.

(gem)

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