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Interview / Archiv | Beitrag vom 24.01.2020

NeurowissenschaftWie wir den Spaß am Lernen nicht verlieren

Gerald Hüther im Gespräch mit Nicole Dittmer

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Eine Person rollt ein großes Gehirn einen Berg hinauf. (imago images / viennaslide / Gerhard Gepp )
So manchem fällt es schwer, sich zum Lernen zu motivieren. (imago images / viennaslide / Gerhard Gepp )

Belohnung oder Bestrafung bringen beim Lernen gar nichts, sagt Gerald Hüther. Das einzige, was die Lernlust stärkt: Wenn Menschen die Gelegenheit bekommen, etwas zu tun, das sie auch wirklich interessiert, meint der Neurobiologe.

Ein Leben lang neue Dinge, Gedanken entdecken, lernen, weil es einfach bereichert. Das hört sich schön an. Extreme Vorfälle wie an der der Staatlichen Ballettschule Berlin – Schüler und Lehrer haben von Schlägen und Demütigungen berichtet – zeichnen ein ganz anderes, erschreckendes Bild vom Lernen: voller Drill und eiserner Disziplin. Auch wer sich an seine eigene Schulzeit erinnert, ans Vokabeln- oder Jahreszahlen-Pauken denkt, gerät nicht unbedingt ins Schwärmen.

Wie aber kann Lernen Spaß machen und gelingen? "Was die Psychologen alle inzwischen gelernt haben, ist, dass man mit Druck, mit Belohnung, mit Bestrafung von außen die eigene Motivation kaputt macht", sagt der Neurobiologe Gerald Hüther. Das Einzige, was unsere Lernmotivation wirklich stärke: "Dass Menschen die Gelegenheit bekommen, etwas zu tun, was sie auch wirklich interessiert."

Zwang kann zur Totalverweigerung führen

Würden Menschen allzu oft dazu gezwungen, etwas zu lernen, könne dies langfristig zu einer Totalverweigerung führen – und genau das Gegenteil bewirken: "Es gibt viele, die lernen dann, sich völlig zu verweigern, und die unterdrücken gewissermaßen die ihnen angeborene Lernlust, bis die sich gar nicht mehr meldet. Und dann ist es schwer, die im Alter wieder zu erwecken", so Hüther.

Nur die Vorstellung, "dass man etwas lernt, weil man etwas will, macht die ganze Sache bedeutsam", sagt Hüther. "Dann geht das unter die Haut. Und immer, wenn es unter die Haut geht, kommt es zur Aktivierung der emotionalen Zentren im Hirn, und dann wird das, was man lernt, sozusagen mit Dopamin gedüngt." In Folge werden die Nervenzellen, die man für diese Lernleistung aktiviert hat, gestärkt, die Netzwerke dieser Nervenzellen gefestigt. "Und dann hat man sich das gemerkt."

(lkn)

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