Seit 05:05 Uhr Studio 9

Montag, 20.01.2020
 
Seit 05:05 Uhr Studio 9

Interview / Archiv | Beitrag vom 05.12.2017

Neurologie Wie schützen wir unsere Gedanken vor Facebook?

Philipp Kellmeyer im Gespräch mit Ute Welty

Podcast abonnieren
Gehirn (Ikon Images | imago)
Auch unsere Gedanken könnten für große Konzerne wie Facebook zum lukrativen Geschäft werden. (Ikon Images | imago)

Für gelähmte Menschen können Fortschritte in der Hirnforschung das Leben erleichtern. Aber Wissenschaftler wie der Neurologe Philipp Kellmeyer warnen vor Datenmissbrauch, weil Unternehmen Hirndaten kommerziell nutzen wollen.

Wissenschaftler warnen vor einer Kommerzialisierung von Hirndaten. Der Freiburger Neurologe Philipp Kellmeyer sagte im Deutschlandfunk Kultur, er wünsche sich eine gesellschaftliche Debatte darüber, dass diese sensiblen Daten vor dem Zugriff von Firmen geschützt werden müssten. Wenn Unternehmen mit Geräten auf den Markt kämen, die sich ausdrücklich an Konsumenten richteten, entstünden ganz neue Möglichkeiten für Datenlecks und Datenmissbrauch. Als Beispiel nannte Kellmeyer, dass mit Hilfe von EEG-Kappen die Hirnaktivität eines Nutzers am Computer aufgezeichnet werden und dann hochgeladen könne in die Cloud. "Diese Kommerzialisierung von Hirndaten sehen jetzt ich und andere Wissenschaftler kritisch und fordern eine Debatte in diese Richtung."

Zugriff der Firmen

Hirndaten seien alle Daten, die sich auf die Struktur und Funktion des Gehirns bezögen. Um sie kommerziell nutzen zu können, benötigten Firmen viele bereitwillige Nutzer, deren Daten, mächtige Algorithmen zur Dekodierung wie beispielsweise "deep learning". Bei anderen personalisierten Daten, beispielsweise bei Bewegungsmustern, hätten viele Firmen diesen Zugriff bereits.

Interesse bei Facebook

Große Konzerne wie Facebook haben bereits Interesse an "brain-typing" bekundet. Dabei werden Nachrichten nicht mehr geschrieben, sondern nur gedacht und sollen sich wie von selbst tippen. Kellmeyer hält das zwar noch für unrealistisch, warnt aber vor den Risiken. Seine Forschung dient eigentlich vor allem dazu, gelähmten Menschen mit Hilfe neuer Technologien neue Möglichkeiten zu eröffnen.

  

Interview

Libyen-Konferenz Erwartungen an ein starkes Signal
Absperrgitter stehen am Brandenburger Tor in Berlin. Hier werden bereits Sicherheitsvorkehrungen für die Libyen-Konferenz getroffen. (picture-alliance/dpa/Annette Riedl)

Bei der Libyen-Konferenz gehe es darum, den Konflikt nicht weiter eskalieren zu lassen, sagt der Journalist Mirco Keilberth, der aus Tripolis berichtet. Allerdings müsse man dafür erst einen Staat gründen und mit lokalen Strukturen zusammenarbeiten. Mehr

Anti-Rassismus-Klausel Erste Verträge an Theatern
Auf dem Foto sieht man einen Scheinwerfer, auf einen roten Theater-Vorhang gerichtet. (picture alliance / Tetra Images)

Vor einem Jahr wurde eine Anti-Rassismus-Klausel entworfen, die Theater in ihre Verträge aufnehmen können, um ihre Mitarbeiter vor Rassismus besser zu schützen. Erste Häuser übernehmen die Klausel jetzt, sagt die Juristin Sonja Laaser. Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur