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Konzert / Archiv | Beitrag vom 20.02.2016

Neues Musiktheater von Konrad BoehmerOrpheus elektrisiert

Uraufführung in der Tischlerei der Deutschen Oper Berlin

SENSOR von Konrad Boehmer und Albert Ostermaier, Regie: Verena Stoiber, Uraufführung am 23.1.2016 Tischlerei der Deutschen Oper Berlin (Eike Walkenhorst/Deutsche Oper Berlin)
SENSOR von Konrad Boehmer und Albert Ostermaier, Regie: Verena Stoiber, Uraufführung am 23.1.2016 Tischlerei der Deutschen Oper Berlin (Eike Walkenhorst/Deutsche Oper Berlin)

Der "Orpheus"-Mythos in radikal neuer Gestalt. Auf ein Libretto von Albert Ostermaier schrieb der Komponist Konrad Boehmer ein "elektrisches Musiktheater", das erst jetzt, nach dem Tod des Komponisten, seine Uraufführung erlebte. "Sensor" zeigt drei Figuren beim Versuch, ihre Identität zu rekonstruieren.

Es wird nicht gesungen in diesem Musiktheater. Drei Schauspieler und ein kleines Ensemble aus Klavier, Klarinette und zwei Schlagzeugern, dazu elektronische Zuspielungen im Raum – mehr brauchte der Komponist Konrad Boehmer nicht für sein "elektrisches Musiktheater" "Sensor". Entstanden ist ein Kammerspiel von großer Intensität - mit drei Figuren von unklarer Identität. Welche Beziehung haben sie zueinander? Was ist geschehen? Die Bühne ist ein Trümmerfeld. Gab es ein Unglück? Eine Katastrophe?

Albert Ostermaier, der das Libretto für dieses Musiktheater schrieb, hat den Orpheus-Mythos in ein vages Jetzt geholt. Es gibt Anspielungen auf die Alltagswelt des Business, auf Hotels und permanentes Auf-Reisen-Sein. Aber es gibt auch eine Ahnung von existenzieller Gefährdung, von der Kraft des antiken Mythos. Es entstehen "Grenzgänge zwischen Leben und Tod, Identität und Auflösung" - so beschreibt es der Dramaturg der Uraufführung an der Deutschen Oper Berlin, Sebastian Hanusa.

Diese "Passagen und Transiträume" werden von Konrad Boehmer, einem der wichtigen Komponisten der Nachkriegs-Avantgarde, in ein feines musikalisches Gespinst eingewoben, das ebenfalls auf Eindeutigkeit verzichtet und stattdessen Räume eröffnet, in denen die Musik ihre eigene Logik und Phantasie entfaltet.

Konrad Boehmer starb 2014, ohne dass "Sensor" jemals auf die Bühne gelangt wäre. Die posthume Uraufführung in der Tischlerei der Deutschen Oper wurde zu einem wirkmächtigen Zeugnis für einen Komponisten, dessen Musik heute zu Unrecht am Rande steht.

Die Erstausstrahlung von "Sensor" im Deutschlandradio Kultur wird eröffnet durch ein Gespräch mit Sebastian Hanusa, dem besten Kenner dieses Werks.

Tischlerei, Deutsche Oper Berlin
Aufzeichnung vom 27. Januar 2016

Konrad Boehmer
"Sensor" - Elektrisches Musiktheater (UA)
Libretto: Albert Ostermaier

Stay - Morgane Ferru
Nab - Ruth Macke
Sensor - Stephan Baumecker
David Johnson, Klavier
Christopher White, Klavier
Adrian Krämer, Klarinette
Hanno Vehling, Schlagzeug
Michael Weilacher, Schlagzeug
Leitung: Manuel Nawri

 

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