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Fazit / Archiv | Beitrag vom 10.08.2018

Neues Museum am Checkpoint CharlieDie internationale Dimension abbilden

Markus Meckel im Gespräch mit Timo Grampes

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Markus Meckel, Präsident des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., steht am 16.03.2016 im Gebäude der Deutschen Nationalstiftung in Hamburg. Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge erhält den diesjährigen Deutschen Nationalpreis. Wie die Deutsche Nationalstiftung am Mittwoch in Hamburg mitteilte, bekommt der Volksbund die mit 50 000 Euro dotierte Auszeichnung für seine Gedenk-, Bildungs- und Jugendarbeit. (dpa)
Markus Meckel war der letzte Außenminister der DDR. Im Deutschlandfunk Kultur spricht er über die Pläne für den Museumsneubau am Checkpoint Charlie. (dpa)

Politik und privater Investor haben sich auf Eckpunkte für die Neugestaltung des Checkpoint Charlie in Berlin verständigt: Ein neues Gebäude mit einem neuen Museum soll gebaut werden. Markus Meckel erklärt, dass es multiperspektivisch arbeiten soll.

Er war der letzte Außenminister der DDR und im Sommer 1990 Gastgeber der "2+4-Gespräche". Im Rahmen dieser Gespräche wurde in einem symbolischen Akt der Checkpoint Charlie abgebaut. Darüber, wie dieses Areal später einmal aussehen soll, habe er sich damals "wirklich keine Gedanken gemacht", erklärt Markus Meckel.

Es sei damals darum gegangen, zunächst die konkreten Bedingungen der Deutschen Einheit zu lösen und "gerade beim 22. Juni, das heißt vor dem Parteitag der KPdSU, bei dem Gorbatschow selbst noch um seine Wiederwahl bangte", habe "es sich um einen Zeitpunkt gehandelt, wo noch manches offen schien, sowohl von der Zeitschiene als auch, wie die Dinge konkret aussehen werden."

Symbol der Teilung, des Kalten Krieges thematisieren

Schon in den 90er-Jahren sei er dafür eingetreten, viel stärker an die Vergangenheit zu erinnern, doch weder das Land Berlin noch der Bund wollten etwas davon hören. Erst zu Beginn des Jahrtausends habe es eine neue Initiative vom Land Berlin gegeben. Dass man die Mauer, zu der Millionen Menschen aus der ganzen Welt nach Berlin kommen, als Symbol der Teilung, des Kalten Krieges wieder thematisieren und die historischen Orte wieder herstellen müsse.

Touristen laufen am Checkpoint Charlie, dem ehemaligen Grenzübergang zwischen West- und Ostberlin, über die Straßen. (dpa)Der momentane Zustand des ehemaligen Grenzübergangs zwischen West- und Ostberlin sei eine Schande, erklärt Markus Meckel. (dpa)

"Hier muss was passieren, wo man an die internationale Dimension denkt, denn die anderen Orte sind alle auf Berlin oder bestenfalls auf Deutschland als Ganzes beschränkt und man versteht die globale Dimension dieser Teilung überhaupt nicht. Das muss zur Geltung kommen", erklärt Markus Meckel seine Vorstellungen für das neue Museum.

Multiperspektivität nötig

Das private Museum, das es am Checkpoint Charlie bereits gibt, sei "ja ganz reizend", schaffe aber nicht die großen Zusammenhänge. "Es muss Perspektiven aus Ost und West zeigen, es muss so sein, dass die Menschen, die aus aller Welt kommen, sich und ihr Land und dessen Perspektive wiederfinden. Deshalb braucht es ein solches 'Zentrum Kalter Krieg' mit einem Museum, wo verschiedene Perspektiven dargestellt werden." Deshalb sei auch ein internationaler Beirat nötig, der die Arbeit begleitet und für Multiperspektivität stehe. 

Die von Meckel mitinitiierte "Black Box Kalter Krieg" "ist ein Platzhalter und hat Hinweischarakter, was dort alles behandelt werden müsste. Hier müsste beispielsweise noch die Perspektive Mitteleuropas mit aufgenommen werden." Man müsse zudem deutlich machen, dass das Ende des Kalten Krieges viele Ursachen habe, erklärt Meckel.

Man müsse also einen perspektivisch differenzierten Blick darauf werfen – "mit dem internationalen Glückspunkt, dass das Ende des Kalten Krieges auch wieder symbolisiert ist an diesem Ort in Berlin. Das darzustellen in großer Komplexität, das ist meine Hoffnung."

Die von Markus Meckel mitinitiierte "Black Box Kalter Krieg" am Checkpoint Charlie in Berlin (dpa)Die von Markus Meckel mitinitiierte "Black Box Kalter Krieg" am Checkpoint Charlie in Berlin (dpa)

Da der Platz begrenzt ist, müsse vieles multimedial aufbereitet werden. Wichtig sei zudem der "Verweischarakter auf die anderen Orte, die auf den Kalten Krieg und die Diktatur hinweisen", weil das neue Museum zu einem Anziehungsort werde, von dem aus man dann auf das Stasi-Gefängnis in Hohenschönhausen oder das Alliiertenmuseum und seiner Darstellung der Geschichte rund um die Luftbrücke verwiesen werde.

"Lasst uns jetzt endlich anfangen"

"All das muss zumindest so angerissen werden, dass man einen Verweis auf die anderen authentischen Orte hat." Markus Meckel beschließt das Gespräch mit den Worten, dass der momentane Zustand des Checkpoint Charlie eine Schande sei und: "Lasst uns jetzt endlich anfangen."

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