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Kulturnachrichten

Montag, 1. Juli 2019

Neues Jazzfestival Sachsen Anhalt

Ein neues Jazzfestival soll internationale Künstler und Musikinteressierte vom 16. August an in den Norden Sachsen-Anhalts ziehen. Bei dem dreitägigen Fest in den historischen Gemäuern des Klosters Jerichow würden Musikgrößen wie der deutsche Trompeter Till Brönner und der preisgekrönte Percussionist Topo Gioia aus Argentinien auftreten, teilten die Veranstalter mit. Darüber hinaus seien unter anderem ein Jazz-Gottesdienst und Auftritte junger Nachwuchskünstler geplant. Ziel des neuen Festivals mit dem Namen «Jazz im Kloster Jerichow» sei, mittelalterliche Architektur und Geschichte mit zeitgenössischer Kunst zu vereinen, hieß es. Veranstalter ist die Stiftung Kloster Jerichow.

Neue Oscar-Akademie-Mitglieder eingeladen

Die deutschen Schauspieler Nina Hoss und Sebastian Koch können der Oscar-Akademie beitreten. Sie zählen zu den 842 Filmschaffenden, die von der Academy of Motion Picture Arts and Sciences in diesem Jahr als neue Mitglieder eingeladen werden. Wie der Verband in Beverly Hills mitteilte, stehen unter anderem 21 Oscar-Preisträger und Vertreter aus 59 Ländern auf der Liste. Neben Hoss ("Barbara") und Koch ("Das Leben der Anderen") sind unter den Dutzenden ausgewählten Darstellern auch Lady Gaga ("A Star is Born"), der Schwede Alexander Skarsgård und der französische Alt-Star Jean-Louis Trintignant ("Liebe").

Hamburger Maler Wolfgang Klähn gestorben

Er malte die Landschaften der Nordseeinsel Sylt in leuchtenden Farben und steht auch sonst für kräftige bunte Werke. Der Hamburger Maler Wolfgang Klähn ist im Alter von 89 Jahren gestorben, wie seine Tochter bestätigte. Im Norden war Klähn bereits vor 50 Jahren in den Kunsthallen in Kiel und Bremen sowie in Lübecker Museen gezeigt worden. In den 80er-Jahren zeigten Museen seine religiösen Bilder und Zeichnungen zu biblischen Themen. Einem breiten Publikum ist Klähn vor allem mit Landschaftsaquarellen und Federzeichnungen von der Insel Sylt bekannt geworden. Klähn lebte seiner Tochter zufolge bis zuletzt in seinem Atelierhaus in Blankenese.

Fritz-Gerlich-Preis für Film über New Orleans

Im Rahmen des Münchner Filmfests ist zum achten Mal der Fritz-Gerlich-Preis verliehen worden. Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung ging an den Italiener Roberto Minervini für die Dokumentation "What You Gonna Do When The World's On Fire?". Das in schwarz-weiß gedrehte Werk porträtiert verschiedene Afroamerikaner aus New Orleans. Neben Alltagsbildern fängt Minervini auch die Reaktionen auf den wieder aufgeflammten Rassismus in den Südstaaten der USA ein.

Ex-Bläck-Fööss-Keyboarder Willy Schnitzler gestorben

Der ehemaliger Kölner Bläck-Fööss-Musiker Willy Schnitzler ist gestorben. "Mit Bestürzung haben wir erfahren, dass Willy in Ungarn durch einen Autounfall ums Leben gekommen ist", schrieb die Kölner Band ("Mer losse d'r Dom en Kölle") auf ihrer Facebook-Seite. "Wir trauern um einen lieben Kollegen, der uns mehr als 25 Jahre auf und hinter der Bühne begleitet hat." Nach seinem Karriere-Ende als Keyboarder der Bläck Fööss im Jahr 2005 war der Musiker nach Ungarn ausgewandert und hatte seither zurückgezogen in der Nähe des Plattensees gelebt.

Grütters für nationales Archiv für deutsche Fotokunst

Kulturstaatsministerin Monika Grütters hat sich für ein nationales Archiv zur Bewahrung der Fotokunst ausgesprochen. "Es liegt im Interesse der Allgemeinheit, die Nachlässe bedeutender Fotografinnen und Fotografen als bildhaftes Gedächtnis unserer Gesellschaft zu bewahren", sagte die CDU-Politikerin in Berlin. Anders als im Bereich der Literatur gebe es bei der Fotografie noch erheblichen Nachholbedarf. Museen seien mit kompletten Künstlernachlässen aus der Fotokunst überfordert, auch Kunsthändler und Galeristen eigneten sich nur bedingt als Garanten für den Schutz des fotografischen Erbes, meinte Grütters weiter. "Damit droht Kulturgut von nationaler Bedeutung unwiderruflich verloren zu gehen."

Jan Nast wird Intendant der Wiener Symphoniker

Der Orchesterdirektor der Sächsischen Staatskapelle Dresden, Jan Nast, wird zum 1. Oktober Intendant der Wiener Symphoniker. Der Hornist und Kulturmanager werde Nachfolger von Johannes Neubert, teilten die Symphoniker mit. Mit Jan Nast sei es gelungen, für das Orchester einen Mann von internationaler Erfahrung und ausgezeichnetem Ruf zu gewinnen, erklärte der Chefdirigent der Wiener Symphoniker Philippe Jordan. Der 53-jährige gebürtige Berliner Nast ist seit langem bei der Sächsischen Staatskapelle Dresden tätig, wo er als Orchesterdirektor eng mit Chefdirigent Christian Thielemann zusammenarbeitete. Seine Karriere als Orchestergeschäftsführer begann er beim Philharmonischen Orchester Freiburg im Breisgau. Nast setzte sich unter 55 Bewerbern durch.

Museen: Mehr Geld für Aufarbeitung kolonialer Vergangenheit

Museen benötigen nach Auffassung des Deutschen Museumsbundes dauerhaft mehr Geld, um ihre koloniale Vergangenheit aufarbeiten zu können. Mit den vorhandenen finanziellen und personellen Mitteln sei es nicht möglich, systematisch nach der Herkunft jedes einzelnen Ausstellungsobjektes zu forschen, sagte der Präsident des Deutschen Museumsbundes Eckart Köhne in Bremen. Jedes Naturkundemuseum sowie Kunst- und kulturgeschichtliche Museum brauche ein zusätzliches Team aus sechs bis acht Experten, erklärte er bei der Vorstellung des überarbeiteten Leitfadens zum Umgang mit Sammelgut aus kolonialen Kontexten. Er forderte außerdem einen Dialog mit den Herkunftsländern und eine langfristige Finanzierung der Forschung. Es gehe es nicht immer um die Rückgabe von Objekten, sondern meist um Beteiligung, Einbindung und Wissenstransfer, so Köhne. Laut eigenen Angaben unterstützt der DMB zudem Bund und Länder beim Aufbau einer zentralen Anlaufstelle für Fragen zu kolonialen Sammlungsbeständen. Davon sollen vor allem Herkunftsgesellschaften profitieren.

Preis für Zivilcourage für Mevlüde Genç

Zehn Jahre nach dem Mord an der Ägypterin Marwa El-Sherbini im Landgericht Dresden hat der Zentralrat der Muslime in Deutschland erstmals einen Internationalen Preis für Zivilcourage vergeben. Die nach El-Sherbini benannte Ehrung geht an Mevlüde Genç aus Solingen und Farid Ahmad aus Christchurch (Neuseeland), wie der Zentralrat heute bekanntgab. Beide hätten durch antimuslimischen Rassismus und Hass geliebte Menschen verloren, aber darauf mit Versöhnung und Zusammenhalt geantwortet. Der Festakt werde voraussichtlich am Jahresende stattfinden. Genç hatte bei einem rechtsradikalen Brandanschlag auf ihr Haus in Solingen 1993 zwei Töchter, zwei Enkelinnen und eine Nichte verloren. Ahmad verlor bei dem Anschlag auf zwei Moscheen in Christchurch im März seine Frau. Marwa El-Sherbini war am 1. Juli 2009 in einer Berufungsverhandlung vom Angeklagten erstochen worden, den sie zuvor wegen rassistischer Beleidigung angezeigt hatte. Ihr Tod mahne zu mehr Wachsamkeit und Widerstand gegen den tendenziellen und offen gelebten Rassismus und gegen Islamfeindlichkeit in der Gesellschaft, sagte Mazyek.

Liedermacher Oskar Kröher gestorben

Oskar Kröher ist im Alter von 91 Jahren gestorben. Der Künstler aus dem pfälzischen Pirmasens erlag im Krankenhaus in Rodalben einer längeren Krankheit. Gemeinsam mit seinem bereits 2016 verstorbenen Zwillingsbruder Heinrich Kröher hatte der Musiker und Autor über Jahrzehnte auf der Bühne gestanden, um Volkslieder vorzutragen. Das Repertoire des Duos umfasste Arbeiterlieder, Freiheitslieder der 1848er Revolution und Chansons. Damit hatten die zwei seit den 1960er Jahren mehr als 15 Langspielplatten und CDs aufgenommen. Oskar Kröher spielte besonders virtuos Gitarre, sein Bruder besaß die vollere Stimme. Hein & Oss wurden für ihren Einsatz um den Erhalt des Liedguts und für ihr demokratisches Engagement vielfach ausgezeichnet. Im Umfeld von Künstlern wie Hannes Wader, Franz Josef Degenhardt und Reinhard Mey zeigten die Kröher-Zwillinge in Deutschland und international, dass Volkslieder nicht altmodisch und rückwärtsgewandt klingen müssen.

20 Jahre Writers-in-Exile Programm des deutschen PEN

Zum 20. Jahrestag des Writers-in-Exile-Programms erinnert das PEN-Zentrum Deutschland an die prekäre Lage vieler AutorInnen auf der ganzen Welt. Mit ihrem Exilprogramm bietet die Schriftstellervereinigung in Deutschland Schutz für verfolgte AutorInnen. Finanziert wird es von der Bundesregierung. Der erste von 50 Stipendiaten war 1999 der algerische Schriftsteller Hamid Skif. Die geflüchteten SchriftstellerInnen sollen mit Hilfe des Exilprogramms in Deutschland Ruhe und Konzentration finden, um wieder ihrem Beruf, dem Schreiben, nachgehen zu können. Mit der Finanzierung dieses Programms setze der Bund ein deutliches Zeichen für die Freiheit der Kunst und für die Freiheit des Wortes, erklärte Kulturstaatsministerin Monika Grütters. Der Vizepräsident und Writers-in-Exile Beauftragte des PEN Leander Sukov erklärte, auf allen Kontinenten würden Autorinnen und Autoren verfolgt. Das PEN-Zentrum Deutschland ist eine von derzeit weltweit 150 PEN-Schriftstellervereinigungen. PEN steht für Poets, Essayists, Novelists. Die ursprünglich 1921 in England gegründete Vereinigung versteht sich als Anwältin des freien Wortes und als Stimme verfolgter und unterdrückter Schriftsteller.

Ex-Botschafter Stein kritisiert Netanjahu

In der Debatte um das Jüdische Museum in Berlin hat der frühere israelische Botschafter in Deutschland, Shimon Stein, scharfe Kritik an Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu geübt. "Es war eine Frechheit von Netanjahu, sich einzumischen", sagte Stein gestern Abend in Bonn. Museumsleiter Peter Schäfer war Mitte Juni von seinem Posten zurückgetreten. Der Zentralrat der Juden in Deutschland hatte zuvor kritisiert, dass das Museum per Internet eine Leseempfehlung für einen Zeitungsartikel über Wissenschaftler gegeben hatte, die einen Beschluss des Bundestags gegen die anti-israelische BDS-Bewegung verurteilen. Die BDS-Bewegung ruft unter anderem zum Boykott israelischer Waren auf. Zudem gab es eine Kontroverse über die Ausstellung "Welcome to Jerusalem", der anti-israelische Positionen vorgeworfen worden waren. Schäfer sagte, es haben ihn "Sprachlos" gemacht, dass Netanjahu Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem Brief empfohlen habe, die staatliche Förderung des Jüdischem Museums einzustellen. Ex-Botschafter Stein würdigte Schäfer als großen Wissenschaftler. An der Spitze des Berliner Jüdischen Museums könne künftig ein Jude oder auch ein Nicht-Jude stehen. Er stelle sich insgesamt eine "vielfältige Person" vor.

Zeichner Mordillo gestorben

Der argentinische Zeichner und Cartoonist Guillermo Mordillo ist im Alter von 86 Jahren gestorben. Das bestätigte die Agentur des Zeichners. Ende der 60er Jahre war Mordillo mit der Veröffentlichung von Cartoons der Durchbruch gelungen. In den 70er-Jahren galt er als meistveröffentlichter Zeichner weltweit. Sein Markenzeichen waren rundliche Figuren mit Knollennasen. Mordillo wurde 1932 als Sohn spanischer Emigranten in Buenos Aires geboren. 1950 begann er damit, Kinderbücher zu illustrieren, 1955 wurde er Art Director bei einer internationalen Werbeagentur in Lima. 1960 ging Mordillo nach New York, wo er bei den Paramount Trickfilmstudios arbeitete. 1963 zog er nach Paris. Dort entwickelte er die Idee, seine Zeichnungen in Zeitungscartoons zu verarbeiten. Seine Cartoon-Sammlung "Das Piratenschiff" brachte ihm Anfang der Siebzigerjahre auch den Durchbruch auf dem Buchmarkt - und gab damit den Startschuss für eine regelrechte Mordillo-Industrie aus Büchern, Trickfilmen, Postern, Bildkarten, Puzzles, Kalendern, Schreibwaren, Spielkarten, T-Shirts und Plüschtieren.

Ingeborg-Bachmann-Preis für Birgit Birnbacher

Die österreichische Autorin Birgit Birnbacher ist bei den Tagen der deutschsprachen Literatur in Klagenfurt mit dem Hauptpreis ausgezeichnet worden. Die 33-Jährige überzeugte die Jury mit ihrem Text "Der Schrank". Darin geht es um eine soziologische Studie. In seiner Laudatio sagte Jury-Mitglied Stefan Gmünder, die "knisternde" Sprache rühre auf. „Plötzlich steht ein Biedermeierschränkchen im Haus, alles im Text dreht sich um eine 36-Jährige, die im Prekariat lebt.“ Der Ingeborg-Bachmann-Preis, der in diesem Jahr zum 43. Mal vergeben wurde, ist mit 25.000 Euro dotiert. Der 3sat-Preis 2019 ging an den badischen Autor Yannic Han Biao Federer für "Kenn ich nicht". Den KELAG-Preis erhält die gebürtige Wienerin Julia Jost für ihren Text "Schakaltal". Der Preis des Deutschlandfunks wurde dem Österreicher Leander Fischer für „Nymphenverzeichnis Muster Nummer eins Goldkopf" überreicht. Die vier Preise der Jury bedurften alle einer Stichwahl. Das Publikum stimmte beim BKS-Bank-Preis für Ronya Othmanns "Vierundsiebzig" aus Leipzig.

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