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Interview / Archiv | Beitrag vom 31.03.2017

Neues Gesetz zu PsychotherapieNoch weniger Zeit für die Patienten

Andrea Benecke im Gespräch mit André Hatting

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Eine Frau hält den Kopf in den Händen. (imago / Science Photo Library)
Allein im vergangenen Jahr war jeder vierte Fehltag bei Berufstätigen durch eine psychische Erkrankung verursacht. Das bedeutet: 2,6 Millionen Betroffene. (imago / Science Photo Library)

Über zwei Millionen psychisch Erkrankte, aber ewige Wartezeiten für einen Termin: Das will die Bundesregierung mit einem Gesetz ändern. Ab 1. April müssen Therapeuten eine 25-Minuten-Sprechstunde anbieten. Keine gute Idee, findet die Psychotherapeutin Andrea Benecke.

Die 25 Minuten werden für eine Diagnose meist nicht ausreichen, ist sich Benecke sicher. Allerdings gehe es um insgesamt vier Mal 25 Minuten - man könne also addieren und dann zum Beispiel in 50 Minuten versuchen herauszufinden, was der Patient habe. In der Regel seien anderthalb Stunden notwendig. Manchmal müsse ein Patient ins Krankenhaus überwiesen werden, manchmal reiche eine Empfehlung für eine Beratungsstelle. Doch wenn tatsächlich Psychotherapie nötig sei, werde es "richtig spannend", sagt Benecke:

"Dann muss ein Psychotherapieplatz gefunden werden, und dieses Angebot ist leider auch mit der Sprechstunde nicht größer geworden, sondern dadurch, dass die Psychotherapeuten zwei Stunden in der Woche jetzt Sprechstunden zur Verfügung stellen müssen, ist eher das Therapieplatz-Kontingent verknappt."

Immer mehr psychische Erkrankungen

Die Folgen: möglicherweise schlechtere Therapiemöglichkeiten und wieder längere Wartezeiten - das Gegenteil dessen, was das neue Gesetz erreichen wollte. Benecke spricht von einem grundsätzlichen Problem: "Es sind zu viele Patienten und zu wenige Psychotherapeuten." Zwar gebe es beim Studium ein großes Angebot und auch eine hohe Nachfrage, aber die Niederlassungsmöglichkeiten danach seien nicht ausreichend. Man habe seit 1999 den damaligen Bedarf weiter fortgeschrieben - nur unwesentlich verändert: "Die psychischen Erkrankungen sind derweil auch gestiegen in der Anzahl und das Angebot nicht."

bth

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