Seit 06:40 Uhr Aus den Feuilletons

Samstag, 21.09.2019
 
Seit 06:40 Uhr Aus den Feuilletons

Fazit | Beitrag vom 07.09.2019

Neues Bauhaus Museum in DessauLehrgemeinschaft und Lebenswege im Fokus

Regina Bittner im Gespräch mit Britta Bürger

Beitrag hören Podcast abonnieren
Das neue Bauhaus Museum. Ein spitzes Gebäude aus Glas, in dem sich die umliegenden Häuser spiegeln. (picture alliance/Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/ZB)
Zum 100. Bauhaus-Jubiläum eröffnet in Dessau das neue Bauhaus Museum mit einer Ausstellung, die vor allem auf die Schule blickt. (picture alliance/Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/ZB)

Mit einem großen Festakt wird am heutigen Sonntag das neue Bauhaus Museum in Dessau eröffnet. Die Ausstellung "Versuchsstätte Bauhaus" legt ihren Fokus vor allem auf die Lehre der Bauhaus-Schule, so Kuratorin Regina Bittner.

Im Zentrum der Ausstellung "Versuchsstätte Bauhaus" steht die Schule, sagt Regina Bittner, stellvertretende Bauhausdirektorin und, gemeinsam mit zwei Kolleginnen, Kuratorin der Ausstellung.

Die Schule hat in Dessau ihre Blütezeit erlebt. Nach der Schließung in Weimar war sie nach Dessau gezogen, wurde dort allerdings auch nach nur sechs Jahren geschlossen, "nachdem die NSDAP mit dem Wahlslogan ‚Schließung des Kommunistischen Bauhaus‘ gewonnen hat", erklärt Regina Bittner.

Hören Sie hier auch das Interview mit Architektur-Kritiker Nikolaus Bernau: "Hinter Glas: Das neue Bauhaus Museum in Dessau".

"Wir haben die Ausstellung so konzipiert, dass wir tatsächlich ins Zentrum die Lehrgemeinschaft des Bauhaus stellen und aus verschiedenen Blickwinkeln auf die Geschichte dieser Schule schauen", erklärt die Kuratorin. Es gehe um die Fragen, die die Schule gestellt habe, um die Lebenswege der Schüler und die Zusammenarbeit mit der Industrie.

Lebenswege der Bauhäusler

"Anhand dieser Lebenswege taucht man ein in die Schicksale der Bauhäusler, ihren prägenden Erfahrungen in einer international vernetzten Institution", so Bittner.

Da ist zum Beispiel Marianne Brandt, Schülerin von László Moholy-Nagy, die später die Metallwerkstatt am Bauhaus übernommen hat. Ihre Arbeiten waren berühmt, doch was passierte nach der Bauhaus-Zeit? "Wir zeigen, wie es weiterging. Moholy-Nagy emigrierte in die USA. Marianne Brandt ist in der späteren DDR für eine lange Zeit in Vergessenheit geraten", so Bittner.

Zwei silberne Schalen unter Glas, Blick in den Ausstellungsraum. (picture alliance/Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa)Schalen von Marianne Brandt (1928) werden in der Ausstellung des neuen Bauhaus Museums gezeigt. Die Ausstellung zeigt jedoch nicht nur die Objekte, sondern auch den Lebensweg der Künstlerin. (picture alliance/Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa)

"Diese Schule war gar nicht so darauf geeicht Professionen auszubilden, sondern es ging um die Entwicklung von Persönlichkeiten, deren Lebenswege man eben durch das 20. Jahrhundert hinweg nachvollziehen kann", erklärt die Kuratorin.

Aber auch unter welchen Konflikten und politischen Zwängen die Schule gearbeitet hat, wird gezeigt. Genauso wie schwierig es gewesen sei Handwerksbetrieb, Lehrwerkstätten und die Logik der Industrie miteinander zu vereinen. So können in der Ausstellung die Korrespondenzen zwischen der Schule und einzelnen Firmen nachvollzogen werden.

"Man sieht nicht nur die schönen und interessanten Objekte, sondern man sieht auch den Weg dorthin. Manchmal eben auch das, was man verworfen hat", so Bittner.

(nho)

Die Ausstellung "Versuchsstätte Bauhaus. Die Sammlung" ist
ab dem 08.09.2019 im neuen Bauhaus Museum Dessau zu sehen.

Mehr zum Thema

Das Gropius-Prinzip - Wie ein Architekt das Markenzeichen Bauhaus erfand
(Deutschlandfunk Kultur, Zeitfragen, 24.07.2019)

100 Jahre Bauhaus - 100 Jahre Radiophonie | Die Ausstellung "Radiophonic Spaces" kommt nach Weimar
(Deutschlandfunk Kultur, Hörspielmagazin, 24.07.2019)

László Moholy-Nagy: "Moholy Album" - Ein feiner Beobachter und großer Menschenfreund
(Deutschlandfunk Kultur, Buchkritik, 19.07.2019)

Vor 50 Jahren - Der Architekt Walter Gropius gestorben
(Deutschlandfunk Kultur, Kalenderblatt, 05.07.2019)

Kulturpresseschau

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

Folge 17Wirtschaftswunder, Winnetou und Wurst?
Olaf Hoerbe als Intschu-tschuna spielt während der Hauptprobe von "Winnetou " auf der Felsenbühne in Rathen, Sachsen. (dpa /  Matthias Rietschel)

Wie reagieren Theater auf veränderte gesellschaftliche Bedingungen in Zeiten des erstarkenden Rechtspopulismus? In einer Umfrage haben 32 Theaterleiter in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen darauf geantwortet.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur