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Interview | Beitrag vom 08.06.2021

Neues Alzheimer-Medikament"Ein gutes Signal für die Patienten"

Emrah Düzel im Gespräch mit Nicole Dittmer

Illustration: Kopf eines Mannes löst sich auf in einen wegfliegenden Vogelschwarm. (imago / Ikon Images / Gary Waters)
Gibt es Hoffnung für Alzheimer-Patientinnen und -Patienten? Der Neurologe Emrah Düzel ist angesichts eines neuen Arzneimittels jedenfalls hoffnungsfroh. (imago / Ikon Images / Gary Waters)

Die US-Behörde hat ein neues Mittel gegen Alzheimer zugelassen. "Ein großer Meilenstein", meint der Mediziner Emrah Düzel. Doch unabhängige Berater halten die Wirksamkeit von Aducanumab für nicht ausreichend erwiesen.

Erstmals seit fast 20 Jahren hat die US-Arzneimittelbehörde FDA ein neues Medikament gegen Alzheimer zugelassen. Der Wirkstoff Aducanumab soll das einzige Mittel sein, das vermutlich die zugrunde liegende Krankheit behandeln kann, statt nur Symptome.

Gegen das Nervenzellen-Sterben im Gehirn

"Ein großer Meilenstein im Kampf gegen die Alzheimer-Erkrankung", meint auch Emrah Düzel, Direktor des Instituts für Kognitive Neurologie und Demenzforschung (IKND).

Bei einer Alzheimer-Erkrankung sammeln sich im Gehirn sogenannte amyloide Plaques zwischen den Neuronen im Gehirn. Die Neuronen werden dadurch in ihrer Kommunikation gestört, tauschen fehlerhafte Informationen aus – und schrumpfen langfristig. Die Nervenzellen des Gehirns werden zerstört. "Das Medikament ist ein Antikörper, das aus dem Gehirn das toxische Protein, das Amyloid, entfernt", so Düzel. "Es hat also einen biologischen Effekt gegen eine der Ursachen der Erkrankung. Und dieser biologische Effekt hat sich sehr gut bestätigt, in verschiedenen Studien."

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Unabhängige Berater halten die Wirksamkeit des neuen Medikaments trotzdem für nicht ausreichend erwiesen. "Was so ein bisschen eine Frage aufgeworfen hat: Inwieweit es die kognitiven Fähigkeiten – wie zum Beispiel Gedächtnis – auch positiv beeinflusst oder zumindest stabilisiert. Und das ist der Punkt, wo es ein Fragezeichen gibt", erläutert Düzel. Alles, was bisher feststehe: "Dass es den Lauf verlangsamt."

Verschiedene Behandlungsansätze kombinieren

Denn bei einer Alzheimer-Erkrankung würden verschiedene Ursachen zusammenkommen. Das toxische Protein Amyloid sei letztendlich nur eine von vielen. Düzel plädiert daher für eine Kombination verschiedener Behandlungsansätze, wie es beispielsweise auch bei Behandlungen von Krebserkrankungen üblich sei.

Trotzdem: Das neue Medikament sei "ein wichtiger Anfang" und ein "gutes Signal für die Patienten".

(lkn)

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