Tonart 02.04.2020

Neues Album von ThundercatMit zweifelhaftem HumorVon Christoph Möller

Beitrag hören Der US-amerikanische Bassist und Rapper Thundercat bei einem Konzert in Aarhus, Dänemark, im Dezember 2018. (picture alliance / Gonzales Photo - Nikolaj Bransholm)Thundercat versucht sich mit augenzwinkerndem Sexismus. Unser Autor findet das zwiespältig. (picture alliance / Gonzales Photo - Nikolaj Bransholm)

Der Bassist und Hip Hop-Musiker Thundercat hat einen speziellen Humor: In Zeiten von #MeToo mixt er auf seinem neuen Album "It is what it is" Sexismus mit Komik. Unser Musikkritiker findet das nicht lustig – aber die Musik sei gut.

"Heutzutage lässt sich doch alles infrage stellen, was ich als Mann mache. Die Frauen erwarten ja schon fast von uns Männern, ihnen aus irgendeiner Mülltonne in den Weg zu springen. Warum ihnen also nicht das geben, was sie sowieso wollen?"

Das sagt Thundercat und lacht - angesprochen auf seine fragwürdige Inszenierung im Video zu seinem Song "Dragonball Durag": Ein Mann drängt sich mit gespielt schleimigen Machomethoden Frauen auf. In einer Szene wartet er – tatsächlich – in einer Mülltonne vor einer Gruppe von Frauen.

Mann lauert in Mülltonne - ist das lustig?

Der Mann aus der Mülltonne. Das erinnert an den Hashtag #MenAreTrash. Also alles nur ironisch gemeint? Legitimieren Kunst und Humor die Reproduktion misogyner Rollenbilder?

Thundercat versichert: "Es ist witzig gemeint! Das muss man nicht so ernst nehmen und den Schmerz analysieren, den ich spüre, wenn ich aus einer Mülltonne hüpfe, um mit einem ‚chick‘ zu reden. Ich empfinde das als aufrichtig, ich möchte akzeptiert werden, ich möchte mich schön fühlen. Das ist ehrlich gemeint. Gleichzeitig versuche ich Humor darin zu finden."

Humor ist oberstes Gebot auf "It Is What It Is", Thundercats viertem Album. Der 35-Jährige muss schmunzeln, wenn jemand seinen Verdienst für Jazz und Rap hervorhebt. So ganz ernst nimmt Thundercat seinen Status nicht. Das ist sympathisch. Auf "It Is What It Is" wirkt die Albernheit aber sehr bemüht. In einem Stück mit dem Komiker Zack Fox geht es darum, in den "Mile High Clubs" zu kommen, einer Gruppe von Menschen, die an Bord eines Flugzeugs in der Luft Sex hatte.

"Comedy ist besonders für mich. Die Fähigkeit zu lachen. Das ist ein Geschenk. Genauso wie Weinen. In der Lage zu sein, die Dinge von allen Seiten zu betrachten. Comedy hilft dabei, den Blick zu weiten", davon ist Thundercat überzeugt.

Abgedroschene Texte

Sexträume wie aus einer Männerzeitschrift haben und auf der Straße Frauen bedrängen - das geht schon in Ordnung, so lange es witzig ist? Warum ist Thundercat, der tendenziell reflektiert über Kunst spricht, nicht mehr eingefallen? Aber eines muss man ihm zugutehalten: So abgedroschen manche Texte sind, die Musik auf "It Is What It Is" ist ziemlich gut. Da ist das futuristische Jazz-Stück "Interstellar Love", das stark an den opulenten Sound von Kamasi Washington erinnert.

Oder das verträumte "Fair Chance", ein Terzett mit Ty Dolla $ign und Lil B und fast schon folkigen Gitarren im Hintergrund. Es ist dem kürzlich verstorbenen Rapper Mac Miller gewidmet, den Thundercat häufig als Live-Bassist unterstützt hat.

Stücke wie diese zeigen, dass es Thundercat eigentlich tiefgründiger kann. Sie sind vertonte Trauer. Im Interview sagt Thundercat, er lache viel, um nicht zu viel weinen zu müssen.

Heute Corona - früher SARS oder AIDS

Der Albumtitel "It Is What It Is" sei auch nicht so zu verstehen, dass man die Dinge so hinnehmen soll, wie sie sind. Es gehe darum, die Dinge wertzuschätzen.

Coronavirus-Newsletter"Heute das Coronavirus, früher war es AIDS, dann SARS. Es gibt so viele verschiedene Dinge, die in der Welt passieren. Ich glaube, dass die Dinge schon immer schmerzhaft waren. Es gab immer etwas, mit dem wir uns rumschlagen mussten. Trotzdem kommen wir immer irgendwie weiter."

Es gibt emotionale Passagen auf "It Is What It Is", aber es gibt eben auch sehr abgedroschene. Musikalisch ist das ein gutes Album. Verspielter Bass, schräger Falsett-Gesang, interessante Tempowechsel. Thundercat wird zurecht als Produzent und Musiker von den ganz Großen gebucht. Nur bleibt die Frage, ob man die Musik eines Künstlers, so versiert er auch ist, genießen kann, wenn er mit seinem Humor eindeutig übers Ziel hinausschießt.

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