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Tonart | Beitrag vom 06.09.2021

Neues Album von Little SimzVon wegen introvertiert

Christoph Möller im Gespräch mit Oliver Schwesig

Little Simz mit einem Mikrofon dicht vor dem Mund bei einem Auftritt auf der Bühne. (Imago / Gonzales Photo)
Klagt ihren Vater an: die britische Rapperin Little Simz. (Imago / Gonzales Photo)

Auf ihrem neuen Album inszeniert die britische Rap-Musikerin Little Simz persönliche Erfahrungen mit musikalisch großer Geste. Vom Sound her manchmal überladen, wird das Werk wohl dennoch prägend sein.

"Sometimes I Might Be Introvert" singt Little Simz im ersten Song ihres neuen Albums - doch dieses klinge alles andere als introvertiert, findet unser Musikkritiker Christoph Möller. Im Gegenteil: Little Simz verarbeite sensible, private Probleme mit musikalisch großer Geste.

Monumentale Melodien

Das Grundgerüst sei klassischer Rap, doch damit einher gehen monumentale Streichermelodien und buchstäblich Pauken und Trompeten. "Ich habe nicht das Gefühl, ein Album gehört zu haben, sondern in einem Hollywood-Blockbuster gewesen zu sein", sagt Möller. Musikalisch wirke das schon beim ersten Hören sehr überladen, was aber vielleicht auch eine Provokation sein solle.

Ein großes Thema des Albums sei das gestörte Verhältnis zu ihrem Vater, so Möller. Der hatte die Familie verlassen als Little Simz, die mit bürgerlichem Namen Simbiatu Ajikawo heißt, elf Jahre alt war.

Seine Abwesenheit habe sie traumatisiert, klagt die Rapperin im Song "I love you I hate you". In einem anderen Song textet sie: "Ich hatte keine Wahl, als jetzt der Mann im Haus zu sein / Mama sagt, die Sonne wird scheinen."

Kritik am Patriarchat

Wie sie aus dieser niederschmetternden Erfahrung Selbstermächtigungs-Pop mache, sei schon ziemlich gut, meint Möller: "Diese Passage über ihren Vater verstehe ich auch als Kritik am Patriarchat generell."

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Zu den starken Stücken des Albums kommen noch fünf Zwischenspiele hinzu, die vom Sound her an Disney-Filme erinnern. Die klängen zwar toll, fielen inhaltlich aber gegenüber den anderen sehr komplexen Songs ab, so unser Kritiker.

Ein komplexes Album

Die Musik wurde von Little Simz' Kindheitsfreund Inflo produziert, erzählt Möller. Man merke dem Album allerdings nicht an, dass hier nur ein Produzent am Werk gewesen sei, so Möller: "Es gibt eine krasse Bandbreite an Sounds."

Da höre man Disco-Synthesizer, Neo Soul und auch mal vertrackte Rhythmik. "Diese Stücke werden zwar nicht für viele Streams sorgen, verstärken aber meinen Eindruck, dass "Sometimes I Might Be Introvert" ein sehr komplexes Pop-Album ist. Soundästhetisch und inhaltlich", sagt Möller. Es werde sicher eines der Alben sein, die dieses Jahr prägen.

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