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Tonart | Beitrag vom 16.04.2018

Neues Album der Punk-Pioniere The DamnedHandgemacht, aber nicht altbacken

Von Amy Zayed

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Ein Bild aus den Anfangsjahren der Punkband The Damned  (imago stock&people)
Wir hatten lange Zeit kein Geld für ein neues Album, sagt Captain Sensible. Finanziert wurde "Evil Spirit" per Crowdfunding. (imago stock&people)

Die Musiker der britischen Punkband The Damned werden als Pioniere des Punk gefeiert - auch wenn ihr kommerzieller Erfolg ausblieb. Ihren Idealen von damals bleiben sie treu - auch auf ihrem neuen Album "Evil spirit".

"Hätte die heutige Generation uns damals gekannt, hätten die uns überhaupt nicht gemocht! Wir waren grauenvoll! Wenn ich zurückdenke, frage ich mich, wie uns überhaupt irgendwer mögen, oder wie wir Fans haben konnten! Ich kann mich ja nicht mal mehr an unsere Konzerte erinnern! Wir waren mehr eine Gang als eine Band. Wir fingen morgens an zu trinken, und hörten kurz vorm Schlafen gehen auf! Gott sei dank gab‘s damals kein YouTube, wir wären der Spott der Welt gewesen!

Raymond Ian Burns, alias Captain Sensible erinnert sich schmunzelnd an die alten Zeiten, als The Damned noch zusammen mit Bands wie den Sex Pistols und den Slits die Londoner Punkszene beherrschten. Doch man sieht ihm auch die Bitterkeit an, dass nach all den Jahren der Erfolg, den er sich damals erhofft hat, ausbleibt. Zehn Jahre ist es nun her, dass The Damned das letzte Studioalbum aufgenommen haben, und das lag nicht an einer Schreibblockade oder irgendwelchen internen Bandproblemen, erklärt Captain Sensible.

Neues Album wurde mit Crowdfunding finanziert

"Der Grund, warum wir die Ganze Zeit nichts veröffentlicht haben? Die Plattenfirmen stehen nicht unbedingt Schlange, um mit uns zu arbeiten. Also fehlte uns das Geld. Wir haben dann unsere Fans gefragt, uns über Crowdfunding zu finanzieren. Wir hätten‘s ohne die Fans nicht geschafft. Aber wenigstens konnten wir so das Album machen, das wir wollten, ohne irgendeinen Druck von einer Plattenfirma. Und wir hatten natürlich Hilfe von Tony Visconti."

Den Einfluss von Produzent Tony Visconti hört man. "Evil spirit" klingt handgemacht, aber nicht altbacken! Bewährte Punkgitarren treffen auf moderne Mitsingmelodien. Die Single "Standing on the edge of tomorrow" hat Ohrwurmcharakter, und erinnert an neuere Bands wie die Libertines oder The Vaccines. Mit "Look left" oder "Procrastination" gibt es aber auch ein paar pure Punksongs. Schnell, laut, schrebbelig!

"Tony hat verstanden, was wir wollten. Wir wollten ein klassisches Album der alten Schule machen! Eine Band sitzt im Studio, und spielt alles zusammen ein. Nicht dieses langsame Schicht für Schicht aufbauen! Das ist nichts für uns! Wir wollten den Sound von Bowie, TRex, Led Zeppelin und den Sex Pistols zusammenmixen, und daraus was neues erschaffen, und deshalb haben wir Tony Visconti ausgewählt."

Ihre Überzeugungen haben sie sich bewahrt

Die Texte sind sehr aktuell. Es geht darum, der Flut von Informationen zu trotzen, und seine Eigene Meinung zu bilden, und nicht mehr unbedingt daran zu glauben, dass diese oder jene Partei die Zukunft ändern kann.

"Es geht auf dem Album vor allem um die Frage: Was bedeutet Punk heute eigentlich? Im Punk geht’s darum kreativ zu sein, sich nichts sagen zu lassen, zu tun, was man möchte, und zu ändern, was einem stinkt! Und man kann Dinge ändern, wenn man‘s versucht! Ich hatte eine beschissene Ausbildung! Ich hätte wahrscheinlich bis heute die schlechtesten Jobs von ganz England machen müssen, wenn ich mein Leben nicht in die Hand genommen hätte! Ich hab als Jugendlicher sogar Klos geputzt um finanziell klar zu kommen. Und heutzutage sitzen die Kids vor Bildschirmen und saugen irgendwelche Informationen auf, ohne zu verstehen, was davon eigentlich stimmt. Und auch die meisten Internetseiten vermitteln einem, dass es besser ist, in Rüstungsgüter zu investieren, anstatt Krankenhäuser oder Schulen zu bauen!"

Das Leben hat Captain Sensible und seine Mitstreiter geprägt. Genau das macht "Evil spirit" aus. Das Album klingt nicht, als ob sich ein paar alte Herren noch mal auf die Bühne wagen, weil sie immer noch auf den großen Erfolg hoffen. Sie sind nicht mehr die ungestümen Jungs von damals, aber sie haben sich ihre Überzeugungen bewahrt, und die möchten sie auch heute noch an die Öffentlichkeit bringen.

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