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Tonart | Beitrag vom 20.01.2021

Neues Album "Acoustic""Jeder muss einmal im Leben Eva Cassidy gehört haben"

Kerstin Poppendieck im Gespräch mit Mascha Drost

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Musik im Grünen: Die Sängerin Eva Cassidy (M) probt mit ihrer Band im Grünen. (picture-alliance / dpa / Consolidated sachs)
Fünf Jahre nach dieser Aufnahme starb Eva Cassidy an Krebs. (picture-alliance / dpa / Consolidated sachs)

Eva Cassidy ist einer der außergewöhnlichsten Sängerinnen der letzten 50 Jahre. Ihre Karriere begann auf kleinen Bühnen ihrer Heimatstadt Washington DC. Erfolg hatte sie erst nach ihrem frühen Tod. Nun erscheint ein neues Akustikalbum.

Oft beginnt der Traum von einem Kind mit einem Geschenk der Eltern. So auch in den 1960er-Jahren in Washington DC (USA). Eva Cassidy legte oft Platten auf den Spieler, wenn sie auf den Boden des Wohnzimmers bastelte. Ihre Familie lebte in Washington DC und hatte eine große Sammlung von Alben. Abends spielte ihr Vater Gitarre. Doch bald wollte Cassidy nicht nur zuhören, sondern selbst singen. Mit neun Jahren bekam sie eine Gitarre geschenkt und Gesangsunterricht. Von da an trat sie mit ihrem Vater zu alle möglichen kleinen Anlässen auf, wie Familienfeiern oder Schulaufführungen.

Die Musik wurde ihre Leidenschaft und damit begann "einer der tragischsten Geschichten der jüngsten Musikvergangenheit", sagt Kerstin Poppendieck. Den Erfolg ihrer Karriere konnte Cassidy nicht mehr erleben.

In dieser Woche erscheint ihr neues posthumes Album "Acoustics" mit 20 ihrer bekanntesten Songs. "Es sind Erinnerungen einer der außergewöhnlichsten Sängerinnen der letzten 50 Jahre", sagt Poppendieck.

Lob von Sting

Als Jugendliche war Cassidy in verschiedenen Bands. Nach ihrem Abschluss an der High School, arbeitete sie als Landschaftsgärtnerin. Am liebsten wollte sie aber auf Bühnen singen. Das war nicht ganz leicht, weil sie eigentlich sehr schüchtern war. Poppendieck sagt: "Am liebsten hat sie in kleinen Clubs gespielt, nur vor wenigen Leuten." Berühmt werden, Karriere machen, das alles war ihr nicht so wichtig.

Auf ein Genre wollte sie sich erst recht nicht einschränken. So sang sie Klassiker aus Folk, Gospel, Jazz oder Blues, selbst Funk-Lieder interpretierte sie. "Tatsächlich hat sie immer Songs von anderen gesungen", sagt Poppendieck. Die Auswahl von Cassidys Interpretationen ist groß, Lieder von John Lennon, bis Willie Nelson, von Kate Bush bis Louis Armstrong oder Curtis Mayfield. Teilweise waren es Stücke, die zahlreich zuvor gecovert wurden, darunter die Klassiker "Somewhere Over the Rainbow" oder "It’s a Wonderful World". "Sie hat es aber geschafft, diese Songs wirklich zu ihren eigenen zu machen", meint Poppendieck. Das habe sie geschafft, indem sie die Melodien stellenweise leicht verändert habe oder die Dynamik. Und immer habe sie es geschafft, Dramatik einzuspinnen. Sogar der Sänger Sting habe später gesagt, Cassidys Version seines Liedes "Field of Gold" sei besser als seine eigene.

Keine Lust auf Kommerz und Schubladendenken

Schnell machte sie sich mit ihrer "wandelbaren, warmen und berührenden" Stimme einen Namen in der Live-Musikszene in Washington DC. In den 1990er gewann sie mehrere lokale Musikpreise als beste Sängerin, vor allem für Rock, Jazz und R&B. Schließlich wurden Plattenlabel auf sie aufmerksam. Auch die großen im Musikgeschäft meldeten sich bei ihr. Blue Note Records zum Beispiel ist für seine Produktionen im Modern Jazz weltberühmt. Cassidy lehnte alle Verträge mit der Begründung ab, sie wolle "diesen kommerziellen Scheißdreck" nicht singen. Außerdem weigerte sie sich, sich auf einen Musikstil festzulegen. In der Zeit ließ sie sich auch einen Tumor entfernen, vernachlässigte aber die Nachuntersuchungen.

"Mit dem Godfather of Go-go-Funk", wie Poppendieck sagt, produzierte sie das Album "The Other Side". Danach veröffentlichte sie "Life at Blues Alley". Es besteht aus Aufnahmen eines Konzerts im Washingtoner Jazz-Club Blues Alley, den es bis heute gibt. 1996, gerade einmal zehn Monate nach der Veröffentlichung starb Cassidy im Alter von 33 Jahren an Krebs.

Ein Album für damals und heute

Ein weiteres Jahr später gelangte ihr Album nach Großbritannien, wo das erste Mal ein Lied von ihr im BBC-Radio gespielt wurde. Daraufhin überfluteten die Höhrerinnen und Hörer den Sender mit Zuschriften. Sie wollten von der verstorbenen Sängerin mehr hören. Mehr als 100.000 Mal verkaufte sich dann ihr Album auf der Insel. Weitere Alben folgten posthum – alle mit Aufnahmen ihrer Auftritte. Insgesamt elf Alben erschienen. "Song Bird" wurde in Großbritannien sogar Platz eins der Charts, Millionen Exemplare wurden verkauft.

Doch wie passt ihre Musik in unsere heutige Zeit? Poppendieck findet: "Der sensible, melancholische Klang passt zu ihrer Lebensgeschichte, aber der passt gerade auch in diese Zeit". Die ausgewählten Lieder der in dieser Woche erscheinenden neuen Kollektion seien absolut zeitlos und: "Jeder muss mindestens einmal im Leben Eva Cassidy gehört haben."

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