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Lesart | Beitrag vom 08.11.2019

Neuer Roman von Elena FerranteWas steckt hinter dem Hype?

Maike Albaith im Gespräch mit Joachim Scholl

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Den schönsten Blick auf Neapel, den Vesuv und den Golf von Neapel hat man vom Castel Sant Elmo.  (picture alliance/ dpa / Udo Bernhart)
Neapel - Heimat der Romanheldinnen von Elena Ferrante. (picture alliance/ dpa / Udo Bernhart)

Ihre "Neapolitanische Saga" war eine gefeierte Bestseller-Reihe. Elena Ferrantes neues Buch "Das verlogene Leben der Erwachsenen" erzählt wieder eine Frauengeschichte, diesmal als Abrechnung mit dem Patriarchat. Unsere Kritikerin hat schon reingelesen.

Es ist eine der größten Erfolgsstorys der Gegenwartsliteratur: die vierteilige "Neapolitanischen Saga", geschrieben von der italienischen Autorin Elena Ferrante. Doch niemand weiß, wer die Autorin ist. Auch wenn einige versucht haben, es herauszufinden, konnte sie ihre Identität bislang geheimhalten. Jetzt ist ein neuer Roman von Ferrante erschienen: "Das verlogene Leben der Erwachsenen".

Vorab wurde ein Marketing betrieben, das Erinnerungen an Harry Potter weckt: In Italien wurden Feiern und Quizze veranstaltet, der Inhalt wurde streng geheim gehalten und nur sparsam an ausgewählte Journalisten geschickt - um ein Uhr nachts kam dann eine E-Mail vom Verlag mit dem James-Bond-haften Titel "For Your Eyes Only". Und schon morgens erschienen die ersten Besprechungen.

"Diese alte kapitalistische Praxis, Verknappung der Waren, hat vollkommen funktioniert", sagt Lesart-Kritikerin Maike Albaith, "steht aber im Gegensatz zur zurückgezogenen Art von Elena Ferrante selbst. Das hat mich ein bisschen gewundert."

Abrechnung mit dem Patriarchat

Im Buch finde man den typischen Tonfall eines Ferrante-Romans: Wieder gibt es eine weibliche Erzählerin, die Geschichte handelt vom Zusammenbruch einer bürgerlichen Familie. Ein Mädchen lernt die Verwandtschaft ihres Vaters kennen, wird mit einem einfachen, aber auch ehrlichem Milieu konfrontiert, sie erfährt Gewalt, entdeckt ihre Sexualität. "Es ist eine Abrechnung mit dem patriarchalem Italien", sagt Albaith.

Ihr erster Eindruck? "Lauwarm." Zwar sei der Roman spannend konstruiert, aber die Handlung habe die Kritikerin erst in der zweiten Hälfte gepackt. "Die Sprache ist mir eine Spur zu schlicht." Allerdings beweise Elena Ferrante erneut ihre Fähigkeit, ambivalente Figuren zu konstruieren. Die weibliche Erzählstimme sei spannend und habe etwas Abgründiges. "Da will man natürlich mehr wissen, da taucht man auch gerne ein."

(leg)

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