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Interview | Beitrag vom 10.07.2019

Neuer Lehrgang von Moscheeverband DitibImame sollen in Deutschland und auf Deutsch ausgebildet werden

Moritz Küpper im Gespräch mit Axel Rahmlow

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Der Eingang zur Ditib-Zentralmoschee in Köln-Ehrenfeld, sie dient der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (Ditib) als Zentralmoschee. (imago / Horst Galuschka)
Eingang zur Ditib-Zentralmoschee in Köln-Ehrenfeld: Der Verband bietet ab Sommer eine Ausbildung zum "Religionsbeauftragten" in der Eifel. (imago / Horst Galuschka)

Der deutsch-türkische Moscheeverband Ditib will ab Sommer in Deutschland sogenannte Religionsbeauftragte ausbilden. 50 Plätze soll es dafür geben. Unser Korrespondent sieht darin eine Chance. Manche Kritikpunkte blieben aber unverändert.

Der Islamverband für türkischstämmige Muslime, die Ditib, beginnt in diesem Jahr damit, Imame für die deutschen Gemeinden in Deutschland auszubilden. Die Ditib bezeichnet die Imame als "Religionsbeauftragte".

In der Eifel-Gemeinde Dahlem werde es 50 Ausbildungsplätze geben, wie der Verband mitteilte. Voraussetzung, um die Ausbildung als Iman aufzunehmen, ist ein Bachelorabschluss in Islamischer Theologie, erläuterten in der Kölner Ditib-Moschee in Ehrenfeld der Vorstandsvorsitzende, Kazim Türkmen, und die Abteilungsleiterin Bildung, Forschung und Integration, Seyda Can.

Reaktion auf Vorwürfe

Deutschlandfunk Kultur-Redakteur Moritz Küpper sagt, diese Initiative geschehe vor dem Hintergrund, dass die Ditib immer wieder mit dem Vorwurf konfrontiert sei, im Grunde nur eine verlängerter Arm des türkischen Staates zu sein oder eben des türkischen Präsidenten Erdogan. "Sie untersteht auch der türkischen Religionsbehörde Diyanet, und die Ausbildung der Imame, die hierzulande dann tätig sind, erfolgte oder erfolgt immer noch in der Türkei", sagt Küpper.

Die Ausbildung in und die Entsendung aus der Türkei seien in der Debatte stets als ein Beleg für die These genommen worden, dass die Ditib aus der Türkei gesteuert sei. "Dem will man, so war mein Eindruck, nun entgegentreten, indem man diese Imamausbildung jetzt nach Deutschland holt", sagt Küpper.

Finanzierung aus der Türkei

Die Ausbildung soll nicht nur in Deutschland stattfinden, sondern auch auf Deutsch. Küpper sagt, das sei eine Chance, man müsse nun abwarten, ob das gesprochene Wort und die Praxis in Einklang stehen. Zudem werde die Ausbildung, auch wenn sie in Deutschland stattfinde, weiter von der türkischen Religionsbehörde finanziert,*) zudem sollten die Absolventen auch weiterhin aus der Türkei bezahlt werden, wenn sie später als Imame arbeiteten.

Bislang sind in den rund 850 Ditib-Gemeinden mehr als 1000 Religionsbeauftragter tätig, von denen ein Großteil direkt aus der Türkei entsandt wurde. Nur gut 120 davon seien in Deutschland geboren, seien deutschsprachig und hier sozialisiert worden und hätten in Deutschland Abitur gemacht, so Küpper. "Diesen Anteil möchte man steigern, um eben auch diesem eingangs genannten Vorwurf zu begegnen." Küppers Fazit: "Es ist ein Schritt, ja, aber was der letztlich wert ist, wird sich erst noch zeigen."

(mfu)

*) Anmerkung der Redaktion: "Die Ditib legt Wert auf die Feststellung, dass das beschriebene Projekt der Ausbildung von 50 Imamen von ihr aus eigenen Mitteln finanziert wird und nicht direkt vom türkischen Staat."

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