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Konzert / Archiv | Beitrag vom 29.11.2018

Neuer Chefdirigent beim Tschechischen RSOAlexander Liebreich in Prag

Moderation: Volker Michael

Der Dirigent Alexander Liebreich (Bartek Barczyk/forartists)
Der Dirigent Alexander Liebreich (Bartek Barczyk/forartists)

An diesem Abend dirigierte Alexander Liebreich erstmals das Prager Radio-Symphonieorchester als neuer künstlerischer Leiter. Mit dabei der Star-Oboist Vilém Veverka. Das Musikprogramm war gemischt deutsch-tschechisch-russisch.

Einige Erfahrungen mit einem Rundfunkorchester in östlichen Mitteleuropa hat er bereits - direkt aus der polnisch-schlesischen Metropole Kattowitz kommt Alexander Liebreich nach Prag. In der laufenden Saison versieht er noch beide Chefpositionen gleichzeitig. In der kommenden Spielzeit folgt ihm Lawrence Foster in Kattowitz als Chefdirigent nach. Mit diesem Konzertprogramm Anfang November hat der bayerische Dirigent Alexander Liebreich sein neues Amt als Chefdirigent des Prager RSO offiziell angetreten. Mythische Geschichten erzählt er in diesem Programm genauso, wie er mit der Werkauswahl eine persönliche Visitenkarte abgibt.

Der Konzertsaal Rudolfinum in Prag (Volker Michael/Deutschlandradio)Der Konzertsaal Rudolfinum in Prag (Volker Michael/Deutschlandradio)

Der tschechische Star-Oboist Vilém Veverka, ein langjähriger Podiumsbekannter Liebreichs, spielt das Oboenkonzert von Richard Strauss. Der Musik des bayerischen Komponisten fühlt sich Liebreich nicht nur landsmannschaftlich verbunden - seit zwei Jahren kuratiert der Dirigent auch das Strauss-Festival in der Wahlheimat des Meisters, in Garmisch Partenkirchen. Das Konzert gehört zu den Spätwerken von Strauss, er schrieb es nach der Befreiung vom Nationalsozialismus (die er selbst wohl nicht als solche empfunden hat) auf Anregung eines US-Soldaten.

Romantische Märchen auf der Bühne

Den Abend eröffnete die Oberon-Ouvertüre von Carl Maria von Weber, der ja selbst einige Jahre Theaterdirektor in Prag gewesen war und mit seiner Fantasie-Oper den Weg gewiesen hatte, wie Märchen und Mythen den Weg auf die Opernbühne finden und dem romantischen Lebensgefühl bestens Ausdruck verleihen konnten.

Slawischer Hexensabbath

Der zweite Konzertteil gehört der ostslawischen Sagenwelt - "eine Nacht auf dem Kahlen Berge" stammt zum schmalen Nachlass des genialen russischen Komponisten Modest Mussorgsky. Die Orchestrierung dieser sinfonischen Dichtung schrieb er selbst, erntete damit aber sehr viel Ablehnung. Deshalb fühlten sich spätere Kollegen, allen voran Nikolai Rimsky-Korsakow bemüßigt, Korrekturen vorzunehmen. Die schaurig-süße Atmosphäre der Musik blieb zum Glück erhalten.

Sinfonische Kosakenlegende

Mussorgsky besingt eine Art Hexensabbat in einer Sommernacht, während sich sein panslawisch gesinnter tschechischer Kollege Leoš Janáček für seine Orchesterrhapsodie "Taras Bulba" mit dem Leben, Kämpfen und Sterben des Kosakenhauptmanns gleichen Namens beschäftigt hat. Er stützte sich dabei auf die literarische Vorlage einer Erzählung Nikolai Gogols. Janáček komponierte die Rhapsodie während des 1. Weltkrieges, an dessen Ende die langersehnte Unabhängigkeit Tschechiens und der Slowakei stehen sollte. Das Prager Radio-Symphonieorchester hat fast zeitgleich zu Liebreichs Antrittskonzert das 100. Jubiläum dieses Ereignisses mit einem Festkonzert gefeiert.

Alexander Liebreich spricht im Interview mit Volker Michael über seine Pläne für die Arbeit in Prag, seine Beziehung zu Tschechien und über das Programm des Konzerts:

Rudolfinum Prag
Aufzeichnung vom 5. November 2018

Carl Maria von Weber
Ouvertüre zur Oper "Oberon"

Richard Strauss
Konzert für Oboe und Orchester D-Dur AV 144

ca. 20.45 Uhr Konzertpause, darin Alexander Liebreich im Gespräch mit Volker Michael

Modest Mussorgsky
"Eine Nacht auf dem kahlen Berge", Sinfonische Dichtung für Orchester

Leoš Janáček
"Taras Bulba", Rhapsodie für Orchester

Vilém Veverka, Oboe
Prager Radio-Symphonieorchester
Leitung: Alexander Liebreich

Konzert

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