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Fazit / Archiv | Beitrag vom 23.04.2015

Neuer Chef für die Berliner VolksbühneKluge Personalentscheidung - mit fatalen Folgen?

Von Susanne Burkhardt

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Chris Dercon, Direktor der Tate Gallery of Modern Art in London, auf der New Yorker Kunstmesse "The Armory Show" vor einem Bild des Künstlers Ahmed Mater, das die Stadt Mekka zeigt. (picture alliance / dpa / Felix Hörhager)
Chris Dercon, Direktor der Tate Gallery of Modern Art in London, auf einer New Yorker Kunstmesse. (picture alliance / dpa / Felix Hörhager)

Jetzt ist es offiziell: Chris Dercon, Direktor der Tate Modern in London, soll 2017 die Leitung der Volksbühne übernehmen. Eine gute Personalentscheidung, die aber überstürzt getroffen und falsch kommuniziert wurde, meint Susanne Burkhardt.

Zuletzt ging alles ganz schnell. Zu sehr kochte es im Senat und in der Kulturszene: Tim Renner hat seinen Coup also durchgezogen und den belgischen Kurator und Museumsmann Chris Dercon durchgesetzt.

Der Mann ist in der Kunstwelt bestens vernetzt. Er hat die Tate Modern in London noch populärer gemacht. Er denkt international, interdisziplinär und steht für einen modernen, aufregenden Kunstbegriff.  Als er das Münchner Haus der Kunst verließ, um nach London zu gehen, sagte er, er "glaube an die Kollektivität". Vieles davon gab und gibt es schon bei Frank Castorf. Vielleicht also wird unter Chris Dercon gar nicht so viel anders. Dennoch verändert die Entscheidung für ihn die Berliner Kulturlandschaft massiv.

Was wird aus dem "Hebbel am Ufer"?

Dercon wird der Freien Szene die Türen der Volksbühne noch weiter öffnen – so viel ist klar. Mit fünf Millionen mehr ausgestattet, die vermutlich vor allem in den Umbau des Tempelhofer Flughafengebäudes zu einem Kunstort gesteckt werden müssen. Woher die kommen? Wir wissen es nicht. Wem die dann fehlen? Keine Ahnung. Was aus dem "Hebbel am Ufer" wird, wenn doch dann schon der Volksbühne die Freie Szene üppig ausgestattet versammelt ist – bleibt offen. Auch, ob Boris Charmatz und Anne Teresa De Keersmaeker dann noch ins bundesfinanzierte Haus der Festspiele kommen oder doch lieber im Osten arbeiten – und überhaupt, was dann beide Orte unterscheiden soll? Auch das völlig unklar. Und müsste nicht das ebenso vom Bund bezuschusste Haus der Kulturen der Welt – samt  transmediale-Festival – dann konsequenterweise an den Rosa-Luxemburg-Platz ziehen? Da gehört es dann schließlich hin.

Tim Renner hatte eine gute Personal-Idee. Aber er hat sie nicht richtig kommuniziert. Das ist das Fatale an der jetzigen Situation. Gedankenlos wurden Weichen gestellt, ohne die Konsequenzen zu überdenken. Parallelstrukturen werden die Folge dieser überstürzten Personalentscheidung sein.

Eine zukunftsweisende Entscheidung

500 Millionen Euro fließen jährlich aus dem Bundesministerium in hauptstädtische Kultureinrichtungen: ein kleiner Teil davon in die Berliner Festspiele und ins Haus der Kulturen der Welt. Warum sollte Kulturstaatsministerin Monika Grütters in Zukunft Häuser bezuschussen, die es so in städtischer Hand längst gibt? Tim Renner hat einen Kuratoren zum Theaterdirektor gemacht, eine ästhetisch zukunftsweisende Entscheidung. Er selbst hat als Kulturkurator jedoch versagt, denn kuratieren heißt auch: Sorge zu tragen für das Bestehende.

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