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Kompressor | Beitrag vom 27.02.2019

Neuer Anbieter auf dem deutschen Streamingmarkt"LaCinetek" will Filmgeschichte streamen

Matthias Dell im Gespräch mit Moderatorin Gesa Ufer

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Filmszene aus "Iwan, der Schreckliche" von Sergei Eisenstein. (Imago / United Archives)
Kinogeschichte zum Streamen: Bis zurück zu den Filmen von Sergei Eisenstein (hier eine Szene aus "Iwan, der Schreckliche") reicht das Angebot von "LaCinetek". (Imago / United Archives)

Streaming ist die Videothek der Gegenwart. Doch es gibt Filme, die die populären Streamingdienste nicht bieten. Etwa die Klassiker oder Arthouse-Filme der 80er und 90er. "LaCinetek" will diese Nische besetzen und startet als Anbieter in Deutschland.

Arthouse-Filme und ältere Produktionen, aber keine Filme aus den letzten 20 Jahren − das ist grob umrissen das Profil des recht neuen französischen Streaming-Anbieters "LaCinetek", der nun auch in Deutschland und Österreich einen Ableger hat und hier Filme anbietet.

Seit rund drei Jahren arbeitet "LaCinetek" in Frankreich und tut dies nach eigenen Angaben mit Erfolg. "Gestartet ist die französische Seite von 'LaCinetek' mit 100 Filmen, jetzt nach drei Jahren hat sie 1500 und bis zum Ende des Jahres sollen es dann hier in Deutschland auch 1000 werden", sagt Medienredakteur Matthias Dell über das Portal. "Es ist nach einem Kuratorinnen-Prinzip aufgebaut, das heißt: Bekannte Filmemacher empfehlen Filme, die sie gut finden und da sind dann wirklich illustre Namen dabei: Aki Kaurismäki, Agnès Varda, Christian Petzold."

Die Angebots-Realität ist eher "ein Versprechen"

Allerdings sei im Angebot von "LaCinetek" die "Realität noch immer ein Versprechen". "Ich habe 'mal in die Liste von Maren Ade hineingekuckt: Da sind 55 Filme, die sie aufgeführt hat, zwei davon kann man aktuell dort kucken, hinter 29 steht 'Derzeit nicht verfügbar' und bei 24 ist vermerkt, dass die Akquise in Vorbereitung sei, oder der Film in der Restauration", sagt Matthias Dell.

Das Angebot an Filmen bei "LaCinetek" gehe entlang des Autorenkinos um Jean-Luc Godard, François Truffaut, Michael Haneke und zurück bis hin zu Chaplin und Eisenstein. "Für den deutschen Start sind jetzt extra sechs Filme aus dem Programm der diesjährigen Berlinale-Retrospektive dabei", so Matthias Dell. Und diese Filme seien in der Tat etwa bei Netflix nicht zu finden. Für Dell stellt "LaCinetek" somit keine Konkurrenz dar, sondern eher eine Ergänzung.

Die Bezahlung läuft ein bisschen wie im Kino: pro Film

Bei Netlix sei das Angebot schon sehr deutlich daran ausgerichtet, dass mit Blockbustern und Serien eine Art "permanente Befeuerung" stattfinde, während "LaCinetek" nun eine Lücke auffülle, und es dort darum gehe, den Katalog der Filmgeschichte auch für das Streaming anzubieten. Und anders als bei Netflix müsse der User hier auch kein Abo abschließen, sondern kann den Film für 7,99 Euro kaufen oder für 2,99 Euro leihen."

Und diese Erhebung von Preisen für einzelne Filme erinnere auch noch ein bisschen mehr an das Kino und unterscheide sich so vom Fernsehen und den anderen Streaming-Anbietern, mit denen man Abos abschließe. "LaCinetek" zeige Filme, die früher in den Arthouse-Kinos liefen, wo heute eher Feel-good-movies liefen, oder die in den Videotheken standen. Und hier gebe es nun einen Bedarf, diesen Teil der Filmgeschichte auch heute weiter verfügbar zu halten, betont Matthias Dell.

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