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Tonart | Beitrag vom 11.08.2020

Neue Verordnung für ChöreZwei Meter Abstand zur Nachbarin halten

Hella Dinger-Löper im Gespräch mit Mascha Drost

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Ein niederländischer Frauenchor im Jahr 1940 (picture alliance / Ann Ronan Picture Library)
Ziemlich distanzloses Singen: Dieser niederländische Chor von 1940 würde den aktuellen Berliner Abstandregeln nicht genügen. (picture alliance / Ann Ronan Picture Library)

In Berlin ist das gemeinsame Singen in geschlossenen Räumen wieder erlaubt. Die Auflagen sind streng, doch für die Chöre sei das trotzdem ein großer Fortschritt, sagt Hella Dinger-Löper, die Präsidentin des Berliner Landesmusikrates.

"Gemeinsames Singen in geschlossenen Räumen ist erlaubt." Dass diese Selbstverständlichkeit einmal Nachrichtenwert haben würde, hätte man sich vor einem Jahr auch nicht träumen lassen. In Berlin, wo es unzählige Chöre gibt, hat man diese Meldung vom 10. August mit großer Erleichterung aufgenommen.

Aber die jetzt gestellten Bedingungen des Hygienerahmenkonzepts des Senats sind streng: Zwei Meter Abstand zwischen den Sängerinnen und Sänger, mindestens vier Meter Abstand zum Publikum, eine Probe darf maximal 60 Minuten dauern, wenn keine professionelle Belüftungsanlage vorhanden ist.

Singen in leerstehenden Foyers

Unter diesen Umständen zu proben, sei zwar nicht leicht, sagt Hella Dinger-Löper, die Präsidentin des Berliner Landesmusikrates, "aber es ist ein großer Fortschritt gegenüber der Tatsache, dass in geschlossenen Räumen überhaupt nicht gesungen werden sollte, wie es in der alten Verordnung stand". Aufgrund der Abstandsregelungen und des Platzproblems könnten immer nur Teilchöre zum Proben eingeladen werden, das würde den Probenprozess verlängern.

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Der Landesmusikrat fordert deshalb ein Raummanagement, das möglichst schnell umgesetzt werden müsse – "dass man innerhalb der Stadt überlegt und nachforscht, wo gibt es Räume?" Dinger-Löper denkt dabei zum Beispiel an die großen, abends leerstehenden Gerichtsgebäude. Deren "Riesenfoyers" könnten für Chorproben genutzt werden, "aber dazu muss man wissen, wie kann das passieren, unter welchen Bedingungen".

Jeder muss für sich entscheiden

Bei Konzerten in großen Sälen und Kirchen sei der Abstand von vier Metern zum Publikum wohl machbar, aber das Hauptproblem sei dort der Abstand unter den Sängerinnen und Sängern: "Die müssen einen Zwei-Meter-Kreis um sich herum zeichnen. Das ist es, was Raum frisst."

Spätestens im Oktober müssten Räume vorhanden sein, in denen Chöre unter den gegebenen Auflagen auftreten könnten, denn dann sei das Singen im Freien nicht mehr möglich. Hella Dinger-Löper sagt aber auch, dass für Chorsängerinnen und -sänger in jedem Fall ein gewisses Infektionsrisiko bleibe: "Das muss jeder für sich entscheiden. Man kann die Risiken nur minimieren."

(cre)

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