Donnerstag, 16.09.2021
 

Fazit | Beitrag vom 24.07.2021

Neue Unesco-Welterbestätte MathildenhöheAufbruch von Architektur und Design in eine neue Zeit

Maria Böhmer im Gespräch mit Britta Bürger

Inmitten des Ensembles auf der Mathildenhöhe steht eine russische Kapelle. (imago / Chromorange)
Inmitten des Ensembles auf der Mathildenhöhe steht die Russische Kapelle, ein reich verziertes Bauwerk, das unabhängig von der Künstler­­kolonie bereits Ende des 19. Jahr­hunderts erbaut wurde. (imago / Chromorange)

Die Künstlerkolonie Mathildenhöhe in Darmstadt ist zum Welterbe ernannt worden. Sie gilt als Wiege des Bauhaus. Auch drei deutsche Kurbäder wurden ausgezeichnet – und die SchUM-Städte in Worms, Speyer und Mainz können sich Hoffnungen machen.

"Die Mathildenhöhe ist mit der Aufnahme in die Welterbeliste nicht nur ein Erbe für Deutschland, sondern sie gehört jetzt zum Erbe der gesamten Menschheit", sagt Maria Böhmer. Die Präsidentin der Deutschen Unesco-Kommission freut sich über die Entscheidung des Welterbekomitees, das noch bis zum 31. Juli im chinesischen Fuzhou tagt und entscheidet, welche Stätten 2021 in die Unesco-Liste des Kultur- und Naturerbes der Welt aufgenommen werden.Abonnieren Sie unseren Kulturnewsletter Weekender. Die wichtigsten Kulturdebatten und Empfehlungen der Woche. Ab jetzt immer freitags per Mail. (@ Deutschlandradio)

"Auf der Mathildenhöhe steht die Wiege des Bauhauses", sagt Philipp Gutbrod, der Direktor des Instituts Mathildenhöhe. Vor 120 Jahren wurde diese vom Jugendstil geprägte Künstlerkolonie der Reformbewegung in Darmstadt errichtet. Hier wurde der Grundstein für das gelegt, was das Bauhaus später perfektionieren sollte: das Neue Bauen.

Bis zur letzten Teetasse durchdesignte Häuser

Zu sehen sind üppige Jugendstil-Ornamentik neben reduzierten Fassaden, neues Wohnen und bis zur letzten Teetasse durchdesignte Häuser. Die Mathildenhöhe steht für den Aufbruch von Architektur und Design in eine neue Zeit, sagt auch Michelle Müntefering, Staatsministerin für Internationale Kulturpolitik im Auswärtigen Amt.

Besucher stehen auf der Mathildenhöhe vor dem Ernst-Ludwig-Haus. (picture alliance/dpa | Frank Rumpenhorst)Das Ernst-Ludwig-Haus beherbergt das Museum Künstlerkolonie Darmstadt. Es wurde vom Architekten Joseph Maria Olbrich im Jahr 1901 erbaut. (picture alliance/dpa | Frank Rumpenhorst)

Die Aufnahme in die Welterbeliste ist aber auch mit großer Verantwortung verbunden, wie Böhmer erklärt: "Das bedeutet, dass es um den Schutz und Erhalt dieses wichtigen Kulturschatzes geht. Und der liegt jetzt in der Verantwortung der gesamten Menschheit. Aber vor Ort in Darmstadt ist man gefordert, dafür zu sorgen."

Schutz und Erhalt

Um überhaupt Welterbestätte werden zu können, müssen die Bewerber "nicht nur den außergewöhnlichen universellen Wert nachweisen, sondern auch einen Managementplan vorlegen", so Böhmer, "um dann deutlich zu machen: Wie sorgen wir für den Schutz und den Erhalt?" Dass die Unesco diesen Aspekt sehr ernst nimmt, kann man an den aktuellen Diskussionen um den Welterbestatus von Venedig und Liverpool erkennen.

Neben der Mathildenhöhe wurden noch die drei Kurbäder Baden-Baden in Baden-Württemberg, Bad Ems in Rheinland-Pfalz und Bad Kissingen in Bayern als Welterbestätten gelistet. Somit steigt die Zahl der deutschen Unesco-Welterbestätten auf 48.

Auch die SchUM-Städte können hoffen

Die Unesco-Kommission tagt aber noch, so dass auch die sogenannten SchUM-Städte, also die mittelalterlichen jüdischen Gemeinden in Speyer, Worms und Mainz, auf eine Aufnahme in die Liste hoffen können. Die Entscheidung soll am Dienstag fallen.

Die Neue Synagoge Mainz. (imago / Sepp Spiegl)Die Neue Synagoge Mainz ist seit dem 3. September 2010 der Nachfolgebau früherer Synagogen in Mainz. (imago / Sepp Spiegl)

"Ich fände es ganz wunderbar, wenn gerade in diesem Jahr, wenn wir 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland begehen, die SchUM-Städte ausgezeichnet würden als Welterbestätten. Sie stehen für dieses jüdische Leben in unserem Land. Sie stehen auch für helle und sehr tragische und dunkle Seiten – von den Pogromen im Mittelalter bis zum Holocaust. Aber sie setzten damit auch ein Zeichen, dass jüdisches Leben zu uns gehört."

(ckr)

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