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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 06.01.2007

Neue Schulen braucht das Land

Montessori und andere Reformansätze

Zu Gast: Ulrike Kegler und Reinhard Kahl

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Schüler einer Grundschulklasse in Frankfurt (AP)
Schüler einer Grundschulklasse in Frankfurt (AP)

"Hilf mir, es selbst zu tun". Dieser Wahlspruch der italienischen Ärztin und Psychologin Maria Montessori hat die Erziehungslandschaft revolutioniert. Am 6. Januar 1907 gründete sie ihr erstes Kinderhaus in Rom. 100 Jahre später sind die Montessori-Schulen beliebter denn je. Hierzulande stieg die Nachfrage nach der Reformpädagogik nicht zuletzt nach dem Pisa-Schock und dem blamablen Abschneiden deutscher Schüler im internationalen Vergleich.

Auch Ulrike Kegler, die Leiterin der Montessori-Gesamtschule in Potsdam, kann sich über eine wachsenden Anfrage freuen, nach wie vor kommen auf die 46 Anfängerplätze mehr als 100 Interessenten. Die frühere Lehrerin an einer Regelschule in Berlin machte Anfang der 90er Jahre auf eigene Initiative eine Montessori-Ausbildung.

"Mich hat von Anfang an der fächerübergreifende Ansatz begeistert, dass man die Dinge im Zusammenhang sieht und nicht aufgeteilt in einzelne Themen. Die Methode, die mir erlaubt, individuell auf das Lerntempo des jeweiligen Schülers einzugehen. Dieser anthroposophische Ansatz, dass jeder nur lernt, was er zu der Zeit lernen kann. Und dass man nicht nur mit dem Kopf lernt, sondern mit den Händen, mit dem ganzen Körper. Das gibt es sonst nirgends."

"Jeder kann von jedem lernen", frei nach diesem Motto arbeiten ihre Schüler jahrgangsgemischt bis zur achten Klasse. Die Montessori-Schule ist zudem eine der wenigen Schulen, an denen auch in der Oberstufe noch die Integration behinderter Schüler praktiziert wird.

Ihre Überzeugung: "Freude ist die beste Triebfeder für erfolgreiches Lernen."

Der Erfolg gibt Ulrike Kegler Recht: Unter anderem gewann die Montessori-Schule den Brandenburger Wettbewerb innovativer Schulen. 2005 wurde sie als "außergewöhnliche Ganztagsschule" ausgezeichnet.

"Die Montessori-Gesamtschule in Potsdam gehört zu den gelungensten Schulen, die ich kenne", sagt Reinhard Kahl. Der Journalist und Filmemacher beschäftigt sich seit den 80er Jahren intensiv mit der deutschen Schullandschaft. Das Potsdamer Beispiel zeige, was auch im Rahmen der staatlichen Schule möglich ist – wenn alle Beteiligten wollen und sich engagieren.

In seiner Dokumentation "Treibhäuser der Zukunft", die auch als DVD erhältlich ist, zeigt der Bildungsexperte anhand von herausragenden Beispielen, wie in Deutschland Schule gelingen kann. Eine Qualität zeichne alle porträtierten Schulen aus: Ein vertrauensvolles Lernklima, das die Schüler – ähnlich wie in einem Treibhaus – fördert, aber auch herausfordert. Die Schule als Lern- und Lebensort und nicht als Ort "brutalen Monologisierens" und der Gleichmacherei, wie er vielen Erwachsenen im Gedächtnis ist. Die Aufregung um die Pisa-Studie habe dabei durchaus förderlich gewirkt, dass sich nun auch mehr staatliche Schulen trauen, neue Wege zu gehen: "Deutschland, dem Weltmeister der Industrieproduktion, wurden Grenzen aufgezeigt." Die Schule alten Typus, in der Fächer unterrichtet und nicht die Schüler unterrichtet werden, habe ausgedient.

"Neue Schulen braucht das Land – Montessori und andere Reformansätze"
Darüber diskutiert Dieter Kassel heute von 9.07 Uhr bis 11 Uhr gemeinsam mit der Schulleiterin Ulrike Kegler und dem Bildungsexperten Reinhard Kahl. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der kostenlosen Telefonnummer 00800/22542254 oder per E-Mail unter gespraech@dradio.de.

Informationen in Internet unter:
Reinhard Kahl
Montessorischule Potsdam

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