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Neue Musik | Beitrag vom 22.12.2020

Neue Musik und Politik im 21. JahrhundertJenseits von Engagement und Agitprop

Von Florian Neuner

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Der Komponist und Aktionskünstler Johannes Kreidler steht neben der Ladefläche eines Transporters mit Stapeln von Papier (Julia Seeliger)
Johannes Kreidlers Aktion mit Lastwagen, Papierkolonnen, Trägern und Presse am 12.09.2008 bei der GEMA Generaldirektion Berlin am Wittenbergplatz. (Julia Seeliger)

Seit 15 Jahren wendet sich die oft als elitär abgestempelte zeitgenössische komponierte Musik verstärkt gesellschaftspolitischen Fragen zu. Ein wichtiger Faktor dabei sind die veränderten medialen Bedingungen im Zeitalter der Digitalisierung.

Die 1960er und 70er Jahre waren eine Hochzeit der Politisierung in der Neuen Musik: Luigi Nono und Hans Werner Henze reisten nach Kuba, Komponisten wie Nicolaus A. Huber engagierten sich in der DKP, Rolf Riehm, Gerhard Stäbler und andere wollten eine neue Gebrauchsmusik für die politischen Kämpfe der Zeit entwickeln.

Nach den "unpolitischen" 90er Jahren, in denen viele Musik wieder als l'art pour l'art pflegten und sich in die Archive des bildungsbürgerlichen Kulturguts zurückzogen, meldete sich die Frage nach den politischen Implikationen des Komponierens zu Beginn des neuen Jahrtausends mit Macht zurück.

Politische Musik und Digitalisierung

Gegen Ende ihrer Lehrtätigkeit erlebten Nicolaus A. Huber und Mathias Spahlinger eine Schülergeneration, für welche der gesellschaftspolitische Kontext ihrer Arbeit wieder in den Mittelpunkt indes Interesses rückte.

Hintergrund war nicht zuletzt die "digitale Revolution", die Komponisten wie Johannes Kreidler und Martin Schüttler dazu zwang, Fragen des geistigen Eigentums, der Autorschaft und der Verbreitung von Musik unter den geänderten medialen Bedingungen neu zu stellen – eine neue politische Musik, die sich in entscheidenden Punkten von der Musik der Jahre nach 1968 unterscheidet, aber von ihr auch lernen konnte.

Jenseits von Engagement und Agitprop
Tendenzen der Politisierung in der jüngsten Musik
Von Florian Neuner
(Wdh. v. 27.09.2011)

In den 60er-/70er-Jahren gab sich die neue Musik von Luigi Nono bis Hans Werner Henze klassenkämpferisch. Nach Jahren der Entpolitisierung schenken einige jüngere Komponisten dem gesellschaftspolitischen Kontext ihres Tuns heute wieder zunehmend Beachtung.

Hinweis:
Die ursprünglich geplante Sendung konnte pandemiebedingt nicht realisiert werden. Sie wird am 09.02.2021, 0.05 - 1.00 Uhr ausgestrahlt:

Eigentumsverhältnisse
Wem gehört die Musik?
Von Florian Neuner

Mit der digitalen Verfügbarkeit schier unendlicher Mengen von Text, Bild und Musik, gewinnt die Frage nach dem Copyright neue Brisanz.

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