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Zeitfragen | Beitrag vom 12.07.2019

Neue Literatur aus den Randgebieten FrankreichsOrte, von denen die Jugend entflieht

Von Sigrid Brinkmann

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Penmar ch-Saint Guénolé in der Bretagne. Hier auf der Rue du Port Saint-Guénolé eine leerstehende, kleine Kneipe.  (imago/Klaus W. Schmidt)
Verlassene Kneipe: Der Strukturwandel in Frankreich hinterlässt seine Spuren. (imago/Klaus W. Schmidt)

Halbverlassene Dörfer und Landstriche: In Frankreichs einstiger Kohleregion gibt es keine Idyllen, sondern Landschaften mit Wunden, die die Industrie geschlagen haben. Diese sind gleich für mehrere Autoren der Gegenstand ihres Erzählens.

Als sich 1974 in Nordfrankreich das letzte große Grubenunglück ereignete, war Sorj Chalandon 22 Jahre alt. Er und seine Kollegen von der Pariser Tageszeitung "Libération" verurteilten die Fahrlässigkeit der Kohleindustrie und das Desinteresse der Regierungspolitiker am Tod von 42 Minenarbeitern als Verbrechen. In seinem detailgenau recherchierten Roman "Am Tag davor" verbindet Chalandon die Zeit, in der man die Kohlearmee für die Modernisierung des Landes brauchte, mit der Gegenwart.

Auch der 2018 mit dem Goncourt-Preis ausgezeichnete Roman "Wie später ihre Kinder" spielt in einer Region, die einst von der Kohleindustrie und von Hochöfen lebte. Der 1978 in den Vogesen geborene Autor Nicolas Mathieu schreibt über die 1990er-Jahre, als soziale Aufstiegsversprechen in der Großregion Grand-Est längst nicht mehr galten. Mathieu selbst wie seine jugendlichen Protagonisten wünschten sich nichts sehnlicher, als der Welt der Malocher und "der mit 25 Jahren verwelkten Geliebten" zu entfliehen. Doch ihr Milieu zu verlassen und sich einen Namen zu machen, gelang ihnen so wenig wie den Eltern.

Hier finden Sie das vollständige Manuskript als pdf-Version und im txt-Format.

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