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Tonart | Beitrag vom 08.08.2018

Neue Klassik-AlbenDebüt mit ausgefallenem Repertoire

Von Rainer Pöllmann

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Ein Bild von der Geigerin Bomsori Kim (picture alliance / dpa / Jakub Kaczmarczyk)
Bomsori Kim im Einsatz: Wird sie es unter die großen Geigerinnen schaffen? (picture alliance / dpa / Jakub Kaczmarczyk)

Vier neue Klassik-Einspielungen: Eine koreanische Geigerin hat es trotz hoher Virtuosität noch weit. Das Cembalo versucht sich mit Richard Strauss zu behaupten. Debussy geht auch als Jazz. Und Bernstein wird - hervorragend - neu interpretiert.

Virtuose Klettersteige, unentschiedene Klangsprache

2013 gewann sie den ARD-Wettbewerb, 2016 wurde sie zweite beim Wieniawski-Wettbewerb – und jetzt hat sie ihre erste CD herausgebraucht: die koreanische Geigerin Bomsori Kim. Das zweite Violinkonzert von Wieniawski und das erste von Dmitrij Schostakowitsch – ein durchaus ausgefallenes Repertoire für ein CD-Debüt. Die virtuosen Klettersteige bei Wieniawski meistert die junge Geigerin gemeinsam mit dem Philharmonischen Orchester Warschau unter Jacek Kaspczyk ohne Schwierigkeiten, die erfahrungsgesättigte dunklere Klangsprache von Schostakowitsch kommt noch ein bisschen unentschieden rüber – aber das ist vielleicht auch eine Frage des Alters. Gegen die große Zahl glamouröser Geigerinnen wird es Bomsori Kim nicht leicht haben. Der Markt ist gnadenlos – und er ist gesättigt.

Violinkonzerte von Henryk Wieniawski und Dmitrij Schostakowitsch
Bomsori Kim (Violine)
Philharmonisches Orchester Warschau, Ltg.: Jacek Kaspszyk
Warner Classics (LC: 02822) 0190295763220

Richard Strauss auf dem Cembalo

Nach wie vor wird es nicht wirklich ernst genommen, verunglimpft als musikalische Nähmaschine: Das Cembalo. Der Pianist und Cembalist Andreas Skouras setzt auf seiner neuen CD das 18. zum 20. Jahrhundert in Kontrast. Domenico Scarlatti bildet das Korsett, dazwischen Stücke von Isang Yun, Jukka Tiensuu und Minas Borboudakis. Es fehlen die berühmten Cembalostücke der Nachkriegs-Avantgarde von Ligeti und Xenakis. Dafür gibt es – Richard Strauss. Eine Suite aus der Oper "Capriccio", von der Cembalistin Isolde Ahlgrimm mit Autorisierung des Komponisten angefertigt – eine hübsche Wiederentdeckung.

Domenico Scarlatti and the Modern Era of Harpsichord
Andreas Skouras (Cembalo)
Neos (LC: 15673) 21102

Debussy und der Jazz

Im März jährte sich der Todestag Claude Debussys zum 100. Mal. Jetzt gibt es ein Postludium: Claude Debussy und der Jazz. Dass Debussy ein Wegbereiter des Jazz gewesen sei, lange vor Louis Armstrong und Bill Evans, ist eine ziemlich kühne Behauptung. Eine Sixt ajoutée macht noch keine Blue Note. Nichtsdestotrotz hat sich das Quatuor Debussy mit Jazz-Musikern zusammengetan und einige der Préludes bearbeitet. Das ist nett, manchmal auch originell, aber letztlich doch ein ziemlich braves Unterfangen. Ja, man kann aus Debussy auch irgendwie Jazz machen. Aber warum eigentlich?

Claude Debussy ... et le jazz
Quatuor Debussy
harmonia mundi (LC: 07045) CD HMM 902308

Bernstein "at its best"

Am 25. August feiert die Musikwelt seinen 100. Geburtstag. Und natürlich ist Leonard Bernstein schon seit Monaten Dauergast auf den Veröffentlichungslisten der Plattenfirmen. Jede Menge Wiederveröffentlichungen gibt es – aber auch die eine oder andere gewichtige Neueinspielung. Zum Beispiel die drei Sinfonien. Antonio Pappano hat sie mit seinem Orchester, der Accademia Nazionale di Santa Cecilia in Rom, aufgenommen. Es sind gewaltige Werke, jedes für sich ein musikalischer und philosophischer Kosmos. Pappano bewältigt diese Herausforderung souverän. Geht seinen eigenen Weg und klammert sich nicht an Bernsteins Interpretation, die von manchen als Referenz angesehen wird. Eine wichtige Einspielung, eine der wichtigsten Neuerscheinungen zum Bernstein-Jahr.

Leonard Bernstein: The 3 Symphonies
Orchestra dell'Accademia Nazionale di Santa Cecilia, Ltg.: Antonio Pappano
Warner Classics (LC: 02822) 0190295661588

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