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Konzert / Archiv | Beitrag vom 17.11.2015

Neue ChormusikEine immer noch göttliche Komödie

Der Lettische Rundfunkchor im Dom St. Marien Erfurt

Comedia Di Danthe Alighieri poeta divino, Venedig: Burgofranco, 1529, Herzogin Anna Amalia Bibliothek (Klassik Stiftung Weimar)
Comedia Di Danthe Alighieri poeta divino, Venedig: Burgofranco, 1529, Herzogin Anna Amalia Bibliothek (Klassik Stiftung Weimar)

Poetische Liedertage hielt die Klassik-Stiftung Weimar zum 750. Geburtstag von Dante Alighieri ab - der Lettische Rundfunkchor sang eine aktuelle Dante-Vertonung der Schweizerin Helena Winkelmann.

Auch an Weimar und Umgebung geht das Dante Jahr nicht spurlos vorüber. Bei den Poetischen Liedertagen "MelosLogos 14", veranstaltet von der Klassik Stiftung Weimar, stand deshalb über drei Tage und in konzentrierter Form die "Divina Commedia" im Zentrum. Auch im nunmehr vierzehnten Festivaljahrgang gab es Vorträge und Lesungen, Konzerte und Exkursionen zu einem speziellen Thema. Im Erfurter Dom St. Marien war der Lettische Rundfunkchor unter der Leitung von Kaspars Putniņš zu Gast, um eine besondere Uraufführung zu gestalten: Helena Winkelmans "Canto 33" – über den letzten Gesang des Paradiso aus der "Divina Commedia" von Dante Alighieri.

Die Schweizer Komponistin und Geigerin Helena Winkelman war schon immer fasziniert von diesem literarischen Grundpfeiler der abendländischen Literatur, besonders auch vom letzten Teil "Paradiso". Ausgerechnet den zu vertonen, so sagt sie, sei eine große Herausforderung, da das Paradies - im Gegensatz z.B. zur Hölle, zum "Inferno" – nicht durch leicht verständliche Bildhaftigkeit zum Komponieren einlade, sondern sich gegen eine sinnfällige musikalische Umsetzung eher sperre, ihr viel Fantasie abverlangt habe.

Mikrotonal hat Helena Winkelmann ihren "Canto 33" komponiert, das betrifft sowohl den Chor, mit 18 Sängerinnen und Sängern solistisch besetzt, als auch den solistischen Countertenor-Part, Schlagzeug, Kontrabassklarinette und Harfe – letztere ist in Obertönen gestimmt. Zumindest die Obertönigkeit, die dem ganzen etwa einstündigen Werk einen sphärischen Klang verleiht, kann doch direkt auf das Himmlische des "Paradiso" bezogen werden.

Für Helena Winkelman spielt aber darüber hinaus Mikrotonalität seit je her eine wichtige Rolle, "alles, was schön klingt und leuchtet hat damit zu tun", sagt sie. Seit sie als Kind mit "verstimmten, alten Klavieren" in Berührung kam, fasziniert sie diese Klanglichkeit, die sie mit einer alten, benutzten Tischplatte voller Kerben – und dadurch voller Leben – vergleicht.

Der Dom St. Marien zu Erfurt war für dieses Werk der perfekte Aufführungsort: Wort, Musik und Raum gingen eine außergewöhnliche Symbiose ein.

 

Dom St. Marien, Erfurt

Aufzeichnung vom 24. Oktober 2015

 

Perotinus

"Beata viscera"

 

Helena Winkelmann

"Canto 33" für solistisches Vokalensemble und drei Instrumente über den letzten Gesang des Paradiso aus "La Divina Commedia" von Dante Alighieri (Uraufführung)

 

Andris Sejans, Countertenor

Carla Bos, Harfe

Carl Rosman, Kontrabassklarinette

Alejandro Coello Calvo, Schlagzeug

Lettischer Rundfunkchor

Leitung: Kaspars Putniņš

 

 

 

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