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Lesart | Beitrag vom 04.08.2021

Neue Bücher aus BelarusDas deutsche Interesse an der Revolution

Maryna Rakhlei im Gespräch mit Frank Meyer

Ein großer Zug von Demonstrierenden auf einer breiten Straße in Minsk am 30. August 2020 (picture alliance / dpa / TASS / Sergei Bobylev)
Die Präsidentschaftswahl im August 2020 in Belarus war Auslöser für eine große Protestbewegung. (picture alliance / dpa / TASS / Sergei Bobylev)

Vor dem Beginn der Massenproteste gegen das Lukaschenko-Regime erschien Literatur aus Belarus in Deutschland nur vereinzelt. Das hat sich geändert. Es gibt eine große Bandbreite neuer Bücher. Auch direkt beauftragte, sagt Journalistin Maryna Rakhlei.

Ein Jahr ist seit dem Beginn der Präsidentschaftswahl in Belarus vergangen. Sie endete am 9. August und war der letzte Auslöser für die breite Protestbewegung gegen die Regierung. Seitdem ist auch in Deutschland das Interesse an den Ereignissen im osteuropäischen Land gestiegen, sagt Maryna Rakhlei. Die Journalistin und Belarus-Expertin beim German Marshall Fund hat im Frühjahr 2020 den Essay "Ein Treppenhaus in Minsk" veröffentlicht, in dem sie Skizzen eines widersprüchlichen Landes zeichnet.

Auch das Interesse an belarussischer Literatur sei neu entfacht: Die deutschen Leser wollen wissen, was sich in Belarus abspielt – und wie es zu verstehen ist.

Hier geht es zum Literatursommer von Deutschlandfunk Kultur. (Foto: imago / fStopImages / Malte Müller)

Auf dem deutschen Markt sind daher zuletzt zahlreiche neue Bücher aus Belarus erschienen. Die deutschen Verlagshäuser hätten diese direkt bei den Autorinnen und Autoren bestellt und nicht erst im Nachhinein übersetzen lassen.

Die Bandbreite reicht von gesellschaftspolitischen Analysen über Essays bis hin zu einem Roman. Gemeinsam sei den Büchern, so Rakhlei, "dass sie sehr emotional sind und viele sehr persönlich – wie die Zeit selbst".

Rakhlei verbindet mit diesen Büchern die Hoffnung, dass auf deutscher Seite auch auf längere Sicht ein Interesse an Belarus und seinen Büchern entsteht. "Aber ein bleibendes Interesse muss man verdienen." Sie glaubt, dass der geistige Aufbruch in Belarus die Schriftsteller weiter prägen und hoffentlich auch für Nicht-Belarussen spannend sein werde.

Rakhlei sieht in der deutschen Gesellschaft eine große Solidarität gegenüber den Menschen in Belarus, insbesondere auch gegenüber den belarussischen Künstlerinnen und Schriftstellern. Es sei kein Zufall, dass viele von ihnen im deutschen Exil landen. "Für Belarussen ist es sehr wichtig, verstanden zu werden – auch durch die Bücher, die auf Deutsch erscheinen."

Die besprochenen Bücher: 

"Flugschrift Belarus! Das weibliche Gesicht der Revolution", versch. Autorinnen und Autoren
Edition Foto Tapeta, Berlin, 2020
272 Seiten, 15 Euro

"Die Revolution hat ein weibliches Gesicht" von Olga Shparaga
Aus dem Russischen von Volker Weichsel
Suhrkamp  Verlag, Berlin, 2021
234 Seiten, 13 Euro

"Minsk. Tagebuch" von Julia Cimafiejeva
Aus dem Englischen von Andreas Rosteck
Edition Foto Tapeta, Berlin 2021
128 Seiten, 13 Euro

"Sie haben schon verloren" von Alhierd Bacharevic
Edition Foto Tapeta, Berlin 2021
78 Seiten, 9,80 Euro

"Die weißen Tage von Minsk" von Vitali Alekseenok
S.Fischer Verlag, Frankfurt, 2020
192 Seiten, 18 Euro

"Stimmen der Hoffnung" - Aufzeichnungen, Gedichte, Texte der Belarussischen Freiheitsbewegung"
Zweisprachige Ausgabe, hrsg. von Alina Lisitzkaja
Verlag "Das kulturelle Gedächtnis", Berlin 2021
224 Seiten, 22 Euro

"Die Frauen von Belarus"  - Von Revolution, Mut und dem Drang nach Freiheit
von Alice Bota
Berlin Verlag, Berlin 2021
240 Seiten, 18 Euro

"Revolution!" von Victor Martinowitsch
Voland und Quist, Berlin 2021
400 Seiten, 24 Euro

 

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