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Frühkritik | Beitrag vom 21.10.2019

Neue Airport-Serie "Check Check"Ängstlich, bieder und ziemlich unlogisch

Von Matthias Dell

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Klaas Heufer-Umlauf steht in Uniform und mit hilfloser Geste vor einem Gepäckscanner. (Joyn)
"Check Check" startet am 21. Oktober 2019 und spielt an der Sicherheitsschleuse eines schlecht frequentierten Flughafens mitten im Nirgendwo. (Joyn)

Es gibt etliche Serien, die sich mit dem Fliegen beschäftigen - und mit "Check Check" nun eine brandneue. Im Zentrum steht ein Security-Mann auf einem Provinz-Flughafen, gespielt von Klaas Heufer-Umlauf. Das Ganze soll lustig sein und ein bisschen einfühlsam. Soll.

Jan Rothe, gespielt von Klaas Heufer-Umlauf, will in dieser neuen deutschen Serie "Check Check" aus seinem Provinzkaff raus. Doch er hängt fest, weil sein Vater (Uwe Preuss) dement wird und keinen Platz in einer Betreuung findet. Zum Geldverdienen heuert dieser Jan Rothe darum auf dem lokalen Flughafen an, in der Security. Durch diesen Job trifft er nun so einige Leute wieder, die er teils noch aus der Schule kennt. Diese Figuren sind dann auch das Stammpersonal der Serie: etwa die Chefin, die er schon irgendwie toll findet und sie ihn, dann drei Kollegen - den Peniblen, die Vertüddelte und den lustigen Migranten, der noch eine Schwester hat, die den Shop macht und nur an Sex denkt und immer darüber spricht, was aber den Helden Jan Rothe gar nicht interessiert.

Ein Setting, das wenig taugt für den gewollten Humor

Der Titel "Check Check" und Klaas Heufer-Umlauf als Hauptfigur könnten eigentlich darauf schließen lassen, dass es in dieser Serie vor allem um den Witz geht. Auch der Headautor der Serie, Ralf Husmann, der "Stromberg" ins Deutsche übertragen hat und lange als einer der witzigsten galt, wäre ein Anzeiger dafür, doch die Witze der Serie sind eher mittel. Hinzu kommt, dass das Setting für diese Form von Humor nicht taugt: Wer rechnet an einem Provinzflughafen mit einer Bombe? Was ist da überhaupt zu holen an Stoff?  – Die Antwort lautet: Nicht viel!

Aber "Check Check" will ja eigentlich auch mehr liefern, als nur Humor, will einfühlsam sein und so ein bisschen Melodrama zeigen, etwa wenn hier das Vaterverhältnis justiert werden soll oder wenn die Kindheit befriedet werden, in der der Held Jan Rothe ein arroganter Sack war.

Eine kaum verständliche Form von Versöhnlichkeit

Doch diese Elemente funktionieren nicht, denn es endet alles immer zu versöhnlich. So kann man hören, wie Jan Roth, nachdem er am Anfang auf dicke Hose gemacht hat, plötzlich mit neuen, guten Ideen den Flughafen beleben will und die Chefin zum Dank auch noch seinen Businessplan gecheckt hat. Diese einfache Form von Versöhnlichkeit ist nur schwer erträglich und steht dem Komischen völlig entgegen. Die Serie müsste sich trauen, sich über sich selbst lustig zu machen, doch stattdessen produziert sie Schmalz, der dann auch noch schmalziger wird durch die rührige Musik.

Klaas Heufer-Umlauf ist in der Rolle des Jan Rothe an sich ein Sympathieträger, aber hier auch irgendwie der Moderator. Das Problem der Serie wir auch in der Hauptfigur deutlich: Die Figuren werden nicht ernst genommen, denn erst streiten sie sich und dann helfen sich alle im nächsten Moment sofort gleich wieder total buddymäßig, etwa weil Papa ausgebüxt ist. Und für alle Figuren gilt: Sie entwickeln sich nicht, bleiben der Entwurf, der sie im ersten Moment sind. Alles in allem ist die Serie ängstlich, bieder und will es allen recht machen, was natürlich nicht funktioniert.

"Check Check" heißt nun die neueste Flughafen-Serie. Ab sofort zeigt das Streamingportal "Joyn" zehn Folgen von "Check Check". Ab 2020 ist auch die Ausstrahlung auf ProSieben geplant.

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