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Studio 9 | Beitrag vom 27.07.2016

Neu im Kino: "Zeit für Legenden"Jesse Owens und die höhere Gerechtigkeit

Von Susanne Burg

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Der US-amerikanische Leichtathlet Jesse Owens (eigentlich James Cleveland) beim Start zum 200-Meter-Lauf während der Olympischen Sommerspiele 1936 in Berlin (dpa / picture alliance / Ullstein)
Der US-amerikanische Leichtathlet Jesse Owens (eigentlich James Cleveland) beim Start zum 200-Meter-Lauf während der Olympischen Sommerspiele 1936 in Berlin (dpa / picture alliance / Ullstein)

Am Donnerstag kommt "Zeit für Legenden" in die Kinos, ein Film über Jesse Owens, der mit seinem vierfachen Olympiasieg 1936 und seinem damit verbundenen Triumph über das Naziregime Geschichte geschrieben hat.

"Willst du 'ne Goldmedaille gewinnen? – Klar doch. – Vielleicht in Berlin?"

Ohio 1934. Jesse Owens ist einer der wenigen schwarzen Studenten an der Ohio State University. Sein Coach Larry Snyder will den Sprinter auf die Olympischen Spiele in Berlin zwei Jahre später vorbereiten. Owens ist zunächst skeptisch:

"Man sagt, die hätten da drüben nicht viel für Farbige übrig. – Na, viele Fans habt ihr hier in Columbus auch nicht."

In der Umkleidekabine provozieren die Footballer der Universität die schwarzen Sprinter, der Football-Trainer deckt sie.

Jesse Owens, gespielt von Stephan James, trotzt dem alltäglichen Rassismus – und läuft von Rekord zu Rekord.

Nicht komplex, nicht kontrovers

"Zeit für Legenden" folgt dem üblichen Erzählmuster von schwarzen Sportlerbiografien: ein begnadeter Athlet überwindet rassistische Anfeindungen und moralische Prüfungen – in diesem Fall die Entscheidung: teilnehmen an den Olympischen Spielen oder sie und die Propaganda der Nazis boykottieren – und siegt, als demütiger Held.

Ähnlich wie Jackie Robinson, der schwarze Baseballspieler in  "42 – die wahre Geschichte einer Sportlegende" oder Mohammed Ali in Michael Manns "Ali", ist auch Jesse Owen nicht als wirklich komplexe und schon gar nicht kontroverse Figur angelegt. Der Retro-Look des Films macht jede Sekunde deutlich, dass die Geschichte in der Vergangenheit liegt und nichts mehr mit der Gegenwart zu tun hat.

"Zeit für Legenden" tut an keiner Stelle weh. Es ist ein Feelgood-Movie und legt nahe, dass es doch irgendwo eine höhere Gerechtigkeit gibt.

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